Die aktuelle Misere lässt keine verantwortbare Etatplanung zu. Fellbach verschiebt deshalb die Entscheidungen zum Haushalt ins Frühjahr 2026. Oberbürgermeisterin Zull nennt Gründe.
Was ist da los in Fellbach? In dieser einst so vorbildlichen, prosperierenden Vorzeigestadt der Region? Vorbei die glorreiche Vergangenheit mit florierender Wirtschaft. So schleichend wie unaufhaltsam war der Niedergang der vergangenen Jahre, mittlerweile ist die Verschuldung ins Unermessliche gestiegen, man pfeift finanziell aus dem letzten Loch, in der Stadtkasse finden sich nur noch ein paar Kröten. Und die Bürgermeisterin hofft auf den großzügigen Spender, der Milliarden aus seiner Schatulle hervorzaubert, um die kranke Stadt vor dem Ruin zu retten.
Nun, die Szenerie spielt sich dieser Tage in Fellbach ab, aber das Drama fand vorerst nur auf der Bühne der durchaus noch bestens in Schuss befindlichen Schwabenlandhalle statt – bei der Aufführung von Friedrich Dürrenmatts „Der Besuch der Alten Dame“.
Fellbach – einstmals Musterstadt im Musterlandkreis
Andererseits, so manche Parallelitäten sind bei genauem Hinschauen schon zu erkennen zwischen der Stadt am Fuße des Kappelbergs und jenem um seine Existenz bangenden Kleinstädtchen Güllen.
Fest steht jedenfalls: Selbst in Fellbach, der einstigen Musterstadt im Musterkreis des Musterländles, steht wie in den meisten anderen Kommunen ringsum den Verantwortlichen das Wasser bis zum Hals. Die Konsequenzen sind bereits vor einigen Tagen bekannt geworden: Angesichts der miserablen Finanzdaten will die Verwaltung den Haushalt für 2026 erst im Februar einbringen, der Gemeinderat soll den Etat dann Ende März verabschieden.
Oberbürgermeisterin Gabriele Zull benannte jetzt im Lokalparlament die Folgen des durch strukturelle Defizite ausgelösten Investitionsstaus: „Wir haben auch in Fellbach eine in die Jahre gekommene Infrastruktur, sanierungsbedürftige öffentliche Gebäude, energetischen Sanierungsbedarf, Straßen, Brücken und Stadttunnel mit sichtbaren Mängeln – bei jahrelang reduziertem Unterhalt, weil dadurch im Haushalt schlicht die Mittel fehlen.“
Vor allem in die Kindertagesstätten musste Fellbach über Jahre kräftig investieren und zusätzliches Personal einstellen. In der Kinderbetreuung stiegen die jährlichen Kosten nach Abzug aller Zuschüsse und Gebühren von rund 5,4 Millionen Euro im Jahr 2005 auf gut 24,1 Millionen Euro im Jahr 2025 – „eine Steigerung um fast 400 Prozent“, erklärte der Erste Bürgermeister Johannes Berner.
Zull machte ergänzend klar: „Die aktuelle Finanzlage lässt eine verantwortbare Planung zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu.“ In zwei Konsolidierungspaketen wollen Verwaltung und Gemeinderat in den kommenden Wochen konkrete Einsparvorschläge erarbeiten und beraten. Ein Ergebnis steht bereits fest: Die Personalaufwendungen bei der Stadt sollen um mindestens eine Million Euro gesenkt werden.
Die Sprecher aller Fraktionen stellten sich hinter den von der Verwaltung anvisierten Zeitplan. Einige sparten aber nicht mit drastischen Worten. „Die kommunalen Haushalte und damit schlussendlich die Kommunen stehen mit dem Rücken zur Wand“, konstatierte der Fraktionschef der Freien Wähler/Freien Demokraten, Martin Oettinger, „verzeihen Sie mir diese martialische Wortwahl.“
Homöopathisches Vorgehen ist beim Sparen deplatziert
Oettinger ergänzend: „Trotz aller vorgesehenen Konsolidierungsmaßnahmen und Pakete wird es unumgänglich sein, diesen Sparkurs nochmals und weiter zu verschärfen – nach unserer Meinung nicht mit einer Kettensäge, aber auch nicht mit einer Nagelschere. Weder braucht es einen Kahlschlag, noch ein homöopathisches Vorgehen.“
Der SPD-Fraktionsvorsitzende Andreas Möhlmann mahnte allerdings auch Besonnenheit an, man solle in Fellbach „keine rüde Holzhackermethode beim Streichen von Mitteln anwenden“.