Missmanagement, Kursverluste und Jahre andauernde Skandale: Die Liquiditätsprobleme, in welche die Credit Suisse in der Schweiz und die Silicon Valley Bank in den USA geraten sind, lassen auch bei Anlegern in Baden-Württemberg Fragen nach ihrer finanziellen Sicherheit aufkommen. Experten aus dem Land sehen jedoch wenig Grund zur Besorgnis für hiesige Kunden.
Laut Rodger Rinke von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) sei dennoch eine Nervosität auf dem Kapitalmarkt erkennbar, insbesondere bei Bankaktien. „Diese haben sich in den letzten Monaten sehr gut entwickelt. Seit Anfang März sind allerdings deutliche Kursverluste zu verbuchen“, sagt er. Seit dem Wochenende sei eine Beruhigung an den Kapitalmärkten spürbar. Grundlegend laute die Devise, dass Schwankungen normal seien. Da der Banksektor auch mit anderen Bereichen verbunden sei, zeige sich auch ein Wertverlust bei börsengehandelten Indexfonds, ETFs.
Sparkassen geben Entwarnung
Gerade bei Summen bis 100 000 Euro müssten sich Sparer sowie Inhaber von Sparbüchern und Girokonten in Deutschland ohnehin keine Sorgen machen. Für diese gelte im Rahmen der gesetzlichen Einlagensicherung ein besonderer Schutz.
Der Sparkassenverband in Baden-Württemberg gibt auf Anfrage unserer Zeitung an, dass ihre Kunden ebenfalls wenig zu befürchten hätten. Sie seien als Verbund prinzipiell besser finanziell abgesichert als beispielsweise die Silicon Valley Bank, die als regionale Bank in den USA praktisch solo auftrete. „Die Verbünde bei uns stiften Vertrauen, nicht zuletzt durch ihre gemeinsamen Sicherungssysteme, in denen alle Institute füreinander einstehen“, sagt ein Sprecher des Sparkassenverbands Baden-Württemberg (SVBW).
Sparer in Deutschland seien zudem dadurch besser abgesichert, dass Banken hier ein höheres Eigenkapital für Notfälle aufweisen müssten. Die Sparkassen weisen etwa eine Kapitalquote von 15,7 Prozent aus. Zum Vergleich: Die Eigenkapitalquote der Credit Suisse lag im Jahr 2022 bei 14,1 Prozent. „Wo amerikanische Regionalbanken mangels Eigenkapitalstärke Wertpapiere verkaufen und damit Verluste realisieren mussten, können Sparkassen die zwischenzeitlichen Turbulenzen bis zur Rückzahlung der Schuldverschreibungen aussitzen“, sagt der Sprecher des SVBW. Zudem solle der Anlagehorizont gerade für ETFs mindestens 15 Jahren betragen. „Bereits im Lauf des Montags zeichnete sich eine Beruhigung der Märkte ab“, so der Sprecher.
Einlagenschutz soll verbessert werden
Auch die Börse Stuttgart (BS) gibt auf Anfrage unserer Zeitung an, von der aktuellen Situation nicht unmittelbar betroffen zu sein. An der BS sei durch die Entwicklungen im Bankensektor jedoch ebenfalls ein deutlich erhöhtes Handelsvolumen in allen Wertpapierklassen zu beobachten gewesen, insbesondere bei Anleihen.
„Man kann darauf vertrauen, dass der europäische Bankensektor trotz der aktuellen Entwicklungen stabil ist“, sagt auch Rodger Rinke von LBBW. Langfristig erwartet er eine für Anleger positive Entwicklung, da die Einlagensicherung überarbeitet werden dürfte. „Das bedeutet letztendlich noch mehr Sicherheit für die privaten Anleger bei Banken“, sagt er.
Langfristig sieht der Experte gerade für Kunden in der Schweiz Nachteile durch eine Fusion der gebeutelten Credit Suisse und der UBS, da das den Wettbewerb im Bankensektor beeinträchtige. „Die große Bank, die mit der Zwangshochzeit von UBS und Credit Suisse entstanden ist, ist zudem im Fall einer erneuten Krise in der Zukunft auch bedeutend schwerer zu retten“, sagt er.