Etwas anderer Unterricht für Ludwigsburger Schüler Musiker bringen Jugendlichen den Groove bei

Von Claudia Bell 

Was ist eigentlich Jazz, was ist Swing? Weshalb hört sich der Blues immer so traurig an, und was haben Elvis Presley und die Beatles miteinander zu tun? Bei dem Projekt Jups bekommen Jugendliche Antworten auf derlei Fragen.

Die Musikstudenten spielen vor, wie sich die verschiedenen Beats anhören. Foto: factum/Granville
Die Musikstudenten spielen vor, wie sich die verschiedenen Beats anhören. Foto: factum/Granville

Ludwigsburg - Das Licht geht aus, sechs Musiker betreten die Bühne im Ludwigsburger Scala. Gespannt warten die etwa 130 Schüler aus drei Ludwigsburger Schulen auf das, was in den nächsten eineinhalb Stunden passieren wird. Jazz und Pop für Schüler (Jups) heißt das Projekt, mit dem Mini Schulz, der künstlerische Leiter im Scala, und der Kontrabassist Tobias Bodensiek Jugendliche für das Thema begeistern möchten.

Bevor es losgeht mit Theorie und Praxis, stimmt der Moderator und Hochschul-Professor Alexander Kuhn die Jugendlichen ein. „Unsere Band spielt jetzt das Lied „To close“ von Alex Clare, und ihr überlegt mal, welcher Rhythmus diesem Song unterlegt ist“, sagt er. Die Band aus E-Gitarre, E-Bass, Schlagzeug, Saxofon und E-Piano sowie einem Sänger – allesamt Studenten der Musikhochschule Stuttgart – spielt das Lied. Und schon nach wenigen Momenten wird beim Blick in die Gesichter der Schüler klar: Das Konzept kommt an, das Interesse ist geweckt. Klar, schließlich ist Pop-Musik das, was die meisten Kinder und Jugendlichen heute am liebsten etwa über ihr Smartphone hören.

Die Schüler sollen für die Musik sensibiliert werden

Vielen ist dabei aber vermutlich nicht klar, woher die Musik aus der Konserve tatsächlich stammt. Und genau darum geht es den Machern von Jups. Sie möchten den Jugendlichen verdeutlichen, dass hinter jedem Song zum einen viel Arbeit steckt, zum anderen jeder Stil-Richtung auch ein eigener Rhythmus zuzuordnen und dieser erkennbar ist. „Wir möchten die Schüler dafür sensibilisieren, woher die Musik aus dem Radio kommt“, sagt Tobias Bodensiek. Seit 2013 läuft die vom Verein Jazzcom.de initiierte Idee, die Baden-Württemberg-Stiftung unterstützt sie mit 100 000 Euro während einer Laufzeit von vier Jahren. Die Musiker sind im gesamten Raum Stuttgart unterwegs, seit dem Startschuss waren etwa sechs Schulen aus dem Raum Ludwigsburg mit knapp 450 Schülern dabei.

Unterdessen erklärt Kuhn seinem Publikum, dass Alex Clares Song der so genannte Dubstep-Groove zugrunde liegt. „Das ist ein sehr eingängiger Rhythmus, der wird häufig bei Pop-Musik verwendet“, sagt er. Damit alle weiteren Stilrichtungen plastischer für die jungen Zuhörer werden, spielt der Schlagzeuger die rhythmischen Details vor. Wie hört sich Rock an? Was macht den Reggae aus? Was ist Jazz, was ist Swing, wie setzt sich der Bossa Nova zusammen? Warum hört sich der Blues so traurig an? Und was haben eigentlich Elvis Presley und die Beatles miteinander zu tun?

Schüler und Lehrer sind begeistert

Die 13 Jahre alte Lilia Reiner ist begeistert vom Jups-Projekt. „Ich finde es toll, was man hier erfährt, das wusste ich alles gar nicht“, sagt sie. Auch die 14 Jahre alte Hannah Petzoldt und die ein Jahr ältere Vanessa Bott nehmen vieles aus dem etwas anderen Unterricht mit. „Wir werden zwar nicht gleich ins Jazz-Konzert gehen, aber man hört Musik nun mit etwas anderen Ohren“, sagen beide. Auch Rafael Sonntag, Musikpädagoge aus dem Ludwigsburger Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium, ist angetan von der Art und Weise der Musiker, seinen Schülern etwas beizubringen. „Wenn da Profis auf der Bühne stehen, ist das für Schüler natürlich besonders toll und interessant. Und für mich war es auch super, weil ich genau diesen Stoff neulich im Unterricht durchgenommen habe.“

Noch bis Ende des Jahres laufen das Projekt und die Unterstützung durch die Baden-Württemberg-Stiftung. Tobias Bodensiek und Mini Schulz hoffen auf eine Verlängerung der finanziellen Förderung, denn: „Alle Schüler, mit denen wir seither gearbeitet haben, waren sehr begeistert und haben sehr vieles mitgenommen“, sagt der Musiker Bodensiek.




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