EU-Agrarpolitik im Fokus Mehr Europa auf dem Acker

Sicherheit in der Versorgung und Ökologie – Herausforderungen für die Landwirte Foto: dpa/Jens Büttner

Die Agrarpolitik muss sich stärker an der Versorgungssicherheit orientieren – und zugleich die Umwelt schützen, meint Agrarexperte Werner Ludwig.

Wissen/Gesundheit: Werner Ludwig (lud)

Auf die EU sind Landwirte meist nicht gut zu sprechen. Sie sehen in Brüssel Bürokraten am Werk, die keine Ahnung von den Problemen auf den Höfen haben und die Bauern ständig mit neuen Vorschriften gängeln. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der Agrarsektor stärker als viele andere Wirtschaftszweige von der europäischen Integration profitiert, die einen Binnenmarkt mit 450 Millionen Verbrauchern geschaffen hat.

 

Versorgungssicherheit im Mittelpunkt

Dass die EU-Kommission in einem aktuellen Strategiepapier das Thema Versorgungssicherheit in den Mittelpunkt stellt, ist angesichts der weltpolitischen Lage ein richtiger Schritt. In diesen unruhigen Zeiten kann niemand sagen, zu welchen Verwerfungen im Welthandel die gleichermaßen egoistische wie erratische Außenpolitik der US-Regierung unter Donald Trump noch führen wird. Umso wichtiger ist die Sicherung der eigenen Nahrungsmittelproduktion. Und dazu braucht es auch auf dem Acker mehr Europa.

Die neuen Ideen aus Brüssel lassen indes nicht erwarten, dass es zu dem von vielen Bauern und ihren Verbänden erhofften Abbau von Bürokratie kommen wird. Viele der angedachten Beiträge zur Stärkung heimischer Bauern – von der Förderung der Hofnachfolge bis zur Digitalisierung – wären sehr wahrscheinlich auch mit Finanzhilfen aus Brüssel verbunden. Und öffentliche Gelder dürfen gerade in Zeiten knapperer Kassen nicht einfach per Gießkanne verteilt werden. Vielmehr muss mit Rücksicht auf die Steuerzahler geprüft werden, wer sie bekommt und ob sie für die vorgesehenen Zwecke eingesetzt werden. Ganz ohne Formulare – ob auf Papier oder digital – geht das nicht.

Die EU sollte auch nicht den Fehler machen, unter der beliebten Überschrift „Bürokratieabbau“ den Umwelt-, Tier- und Klimaschutz im Agrarsektor massiv zurückzufahren. Stattdessen muss sich die Förderung künftig weniger an der Fläche und stärker an ökologischen Kriterien orientieren. Andernfalls lassen sich die öffentlichen Zahlungen, aus denen nach wie vor ein erheblicher Teil der bäuerlichen Einkommen stammt, immer weniger rechtfertigen.

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