EU droht Deutschland mit Klage Zu viel Nitrat im Trinkwasser

Von Bernhard Walker 

Bundesweit ist die Belastung durch Nitrat im Grundwasser zu hoch. Ein Grund dafür sind die Unmengen an Gülle, die in Massentierhaltungen anfallen. Im Südwesten werden die Werte aber weitgehend eingehalten.

Bei Wassertests werden immer wieder zu hohe Nitratwerte ermittelt. Foto: dpa
Bei Wassertests werden immer wieder zu hohe Nitratwerte ermittelt. Foto: dpa

Berlin - Wasser ist die wohl wichtigste Ressource des Menschen. Und Deutschland hat das Glück, wie kaum ein anderes Land über viel Wasser in guter Qualität zu verfügen. Allerdings ist vor allem wegen der Massentierhaltung vielerorts das Grundwasser stark mit Nitrat belastet. In Nordrhein-Westfalen zum Beispiel sind nach Angaben des Umweltberichts des Landes 40 Prozent der Grundwasserkörper so stark mit Nitrat belastet, dass sich daraus nur mit einer teuren Aufbereitung Trinkwasser gewinnen lässt. Krass ist auch die Lage im westlichen Niedersachsen, wo in gigantisch großen Ställen Millionen Tiere gehalten werden, die Unmengen an Gülle produzieren. Die landet auf den Feldern, was früher oder später dazu führt, dass Nitrat ins Grundwasser sickert.

Nitrat kann sich im menschlichen Körper so auswirken, dass krebserregende Substanzen, so genannte Nitrosamine, entstehen. Deshalb gibt es seit Jahren einen Nitrat-Grenzwert von 50 Milligramm je Liter Wasser. In ganz Deutschland unterhalten die zuständigen Behörden Messstellen, an denen regelmäßig der Nitratgehalt untersucht wird. Und im Zeitraum zwischen 2008 und 2011 war bei 50,3 Prozent der Stellen der Grenzwert überschritten. Dazu trug nicht nur die Gülle bei. Spuren im Grundwasser hinterlässt auch der Boom der Biogasanlagen. Denn die erzeugen Gärreste, die wie die Gülle voller Stickstoff sind und ebenfalls auf den Äckern landen. Wegen der schlechten Nitratbilanz hätte Deutschland nach Auffassung der Europäischen Kommission Sofortmaßnahmen ergreifen müssen, um die Nitratbelastung zu senken. Weil dies nicht geschah, drohte die Kommission am 10. Juli Deutschland mit einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof. Der Bundesregierung bleibt nun bis Mitte September Zeit, um Brüssel mitzuteilen, wie sie die Lage verbessern will.

Baden-Württemberg steht relativ gut da

Die Länder hatten den Bund lange ermahnt zu handeln. Doch erst seit kurzem beraten beide Seiten Vorschläge für die Novelle der Dünge-Verordnung. Sie sehen zum Beispiel eine Sperrfrist für Gülle von vier Monaten vor. Auch sollen die Nitrat-Überschüsse gesenkt werden – also die Überschüsse, die entstehen, wenn auf einem Acker mehr Dünger ausgebracht wird, als eine Pflanze zum Wachsen braucht. Brüssel will den Überschuss auf 40 Kilogramm je Hektar senken. Was am Ende zwischen EU, Bund und Länder vereinbart werden wird, ist noch offen. Offenbar besteht aber an einem Punkt Einigkeit. Pro Hektar und Jahr sollen höchstens 170 Kilogramm Stickstoff zulässig sein – und dabei sollen die Gärreste aus den Biogasanlagen mitzählen.

Verglichen mit Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen ist die Nitratbelastung im Südwesten deutlich geringer. Nach Angaben des Landesumweltministeriums war 2012 an 7,5 Prozent der baden-württembergischen Messstellen der Grenzwert überschritten. Belastungsschwerpunkte sieht die Landesanstalt für Umwelt im Markgräfler Land, im Kraichgau, in Oberschwaben sowie den Regionen Bruchsal/Mannheim/Heidelberg und Stuttgart/Heilbronn. Es gebe im Land einige wenige Brunnen, die höhere Nitratwerte aufweisen, sodass ihr Wasser nach technischer Aufbereitung oder nach Vermischung als Trinkwasser genutzt werden könne. Die Nitrat-Grenzwerte der Trinkwasserverordnung würden im Trinkwasser in Baden-Württemberg eingehalten; es könne unbedenklich genossen werden, sagt der Amtschef im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Wolfgang Reimer. Von einer solchen Lage kann Johann Hans nur träumen. Er ist Geschäftsführer eines kleinen Wasserzweckverbands im Landkreis Grafschaft Bentheim – einem Kreis im westlichen Niedersachsen. Aus einigen Brunnen seines Verbands kam so stark belastetes Wasser, dass er seit 2009 fünf neue bohren musste. Die Rechnung dafür zahlten die Wasserkunden.