EU-Förderung in Murrhardt Ein Arzt entscheidet sich für die Provinz

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Der Allgemeinmediziner Kai-Alexander Dähmlow hat eine in die Jahre gekommene Praxis in Murrhardt übernommen und für viel Geld sanieren lassen. Für das Projekt soll ein EU-Zuschuss in Höhe von rund 140 000 Euro fließen.

Die alte Arztpraxis in Murrhardt ist kaum wiederzuerkennen. Foto: Gottfried Stoppel
Die alte Arztpraxis in Murrhardt ist kaum wiederzuerkennen. Foto: Gottfried Stoppel

Murrhardt - Männer wie Kai-Alexander Dähmlow sind gefragt, speziell in kleineren Städten und Gemeinden auf dem Land. Der 37-jährige Vater von zwei Kindern stammt aus Gaildorf, er hat in Innsbruck (Österreich) Medizin studiert und ist vor gut zwei Jahren in Murrhardt gelandet. Der Allgemeinmediziner hat eine in die Jahre gekommene Praxis übernommen und für einen hohen sechsstelligen Eurobetrag komplett sanieren lassen.

Im Rahmen der sogenannten Leader-Förderung sei ihm ein Zuschuss in Höhe von rund 140 000 Euro zugesagt worden. Diese Förderzusage habe ihm die Entscheidung erleichtert, das Projekt zu stemmen, sagt Dähmlow.

Bürgermeister: ein wichtiger Standortfaktor für die Stadt

Der Arzt zeigt ein paar alte Fotos. So hat die Praxis vor der Renovierung ausgesehen: dunkle, kleine Räume, abgewetzte Teppichböden. Man könnte vom leicht morbiden Charme der 1970er und 1980er Jahre sprechen. Das Ambiente ist jetzt komplett verändert. Kleine Räume wurden zu größeren zusammengelegt. Zusätzliche Fenster beziehungsweise Glasfassaden bringen viele Licht in die Zimmer. Neu eingebaut wurde eine barrierefreie Toilette. Auch der Zugang zur Praxis in der Karlstraße ist jetzt über eine Rampe für Rollstuhlfahrer einfach zu erreichen. Der Laborraum wurde modernisiert, energiesparende elektrische Geräte wurden in der Arztpraxis eingebaut. Vor dem Haus hat der Arzt zusätzliche Parkplätze anlegen lassen.

Durch die Übernahme der Praxis, sagt Kai-Alexander Dähmlow, „sichern wir die hausärztliche Versorgung“. Der Murrhardter Bürgermeister Armin Mößner findet: „Eine gute Hausarztversorgung in modernen, ansprechenden Praxisräumen ist ein wichtiger Standortfaktor für die Stadt“. Der Mediziner hatte sich erst an die Stadt gewandt, mit der Frage, ob sein Modernisierungsvorhaben wohl bezuschusst werden könnte. In Murrhardt gibt es nämlich ein Programm, das die energetische Sanierung von älteren Gebäuden fördert – allerdings nur in der Innenstadt. Deshalb kam das Arzthaus-Projekt nicht in Frage. Uwe Matti, der Amtsleiter Amt für Wirtschaft, Kultur und Tourismus, hat Dähmlow dann von der EU-Leader-Förderung erzählt.

Die Praxis betreut rund 1350 Patienten

Kai-Alexander Dähmlows Praxis betreut rund 1350 Patienten und liegt mit dieser Zahl über der Größe einer durchschnittlichen Hausarztpraxis (etwa 800 bis 900 Patienten). In Murrhardt, sagt der Mediziner, gebe es derzeit acht Allemeinmedizier. Ein Kollege werde aber in nächster Zeit aus Altersgründen seine Praxis wohl aufgeben. Dann müssten die verbleibenden Kollegen dessen Patienten übernehmen, falls kein Nachfolger gefunden wird.

Auch deshalb sei es gut, dass er die Praxis modernisiert habe, sagt Dähmlow. Jetzt seien die Wege von einem ins nächste Behandlungszimmer nämlich kürzer, er könne wesentlich effizienter arbeiten. Und auch die vier Arzthelferinnen hätten nun angenehmere Arbeitsbedingungen. Er habe vor, die runderneuerte Praxis 30 Jahre lang zu betreiben.

Völlig in Vergessenheit geraten wird die alte Murrhardter Arztpraxis freilich nicht. In einer Schauvitrine im Eingangsbereich sind Gerätschaften des Vorvorgängers ausgestellt, unter anderem eine betagte Geburtszange und Reagenzgläser.