EU-Raumfahrt Paukenschlag bei Galileo

Im Orbit kreisen derzeit 26 Satelliten, die das deutsche Familienunternehmen OHB gebaut hat. Foto: dpa/ESA
Im Orbit kreisen derzeit 26 Satelliten, die das deutsche Familienunternehmen OHB gebaut hat. Foto: dpa/ESA

Sie hätten die nächste Generation von Satelliten für das Prestigeprojekt der EU-Weltraumfahrt Galileo bauen können. Doch das deutsche Familienunternehmen OHB bekommt keinen Zuschlag für den milliardenschweren Auftrag.

Korrespondenten: Markus Grabitz (mgr)
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Brüssel/Bremen - Für das Galileo-Programm der EU kreisen derzeit 26 Satelliten um die Erde, die beim Bremer Raumfahrtunternehmen OHB gefertigt wurden. Die Satelliten Made in Germany liefern die Daten für das Positionsbestimmungssystem der Europäer, das deutlich genauer sein soll als GPS aus den USA. Es konkurriert auch mit Glonass aus Russland und Beidou aus China.

Seit dem 15. Dezember 2016 ist das Satellitensystem Galileo im Weltall operationsfähig. Es ist das Prestigeobjekt der EU-Raumfahrt. Die EU geht davon aus, dass es in seiner Lebenszeit von 20 Jahren einen Mehrwert von 90 Milliarden Euro einspielt – denn Galileo liefert Unternehmen in der EU Daten, mit denen sie Geschäftsmodelle entwickeln können, die diesen Wert einspielen.

Der milliardenschwere Auftrag geht an Airbus und Thales-Alenia

2024 sollen die dann in die Jahre gekommen Satelliten gegen Flugkörper der zweiten Generation ausgetauscht werden. Jetzt ist klar, dass dieser wichtige Nachfolgeauftrag dem börsennotierten Familienunternehmen OHB, das von Marco Fuchs geleitet wird, durch die Lappen geht.

OHB schickte am Mittwoch eine Ad-hoc-Mitteilung heraus. Der Auftrag mit einem Volumen von 1,47 Milliarden Euro für den Bau der zwölf Satelliten geht an die Platzhirsche der EU-Raumfahrt: Je sechs Satelliten sollen vom deutsch-französischen Staatsunternehmen Airbus gebaut werden, die zweite Charge vom französisch-italienischen Unternehmen Thales-Alenia.

Bis Oktober haben die drei Firmen ihre Angebote eingereicht

Die Enttäuschung in Bremen ist groß. Das Unternehmen, das heute 3000 Mitarbeiter hat und einen Umsatz von einer Milliarde Euro im Jahr macht, hat sich seit 2010, als die Zusammenarbeit mit dem Galileo-Programm begann, von einem Mittelständler zu einem breit aufgestellten Raumfahrtunternehmen entwickelt. Es hat der etablierten Konkurrenz von Airbus und CO. manchen wichtigen Auftrag abgejagt. Der Verlust des Galileo-Auftrags ist für das Unternehmen bitter. Wirtschaftlich dürfte er aber kein Beinbruch sein, das Auftragsbuch sei mit einem Volumen von zwei Milliarden Euro gut gefüllt, heißt es.

Aus unserem Plus-Angebot: Thierry Breton über das Weltraumprogramm der EU

Die Ausschreibung des milliardenschweren Projekts wurde von der ESA, der Europäischen Weltraumbehörde, betreut. Bis zum vergangenen Oktober haben die drei Firmen ihre Angebote eingereicht. Eine zwölfköpfige Expertengruppe – acht von der ESA, vier von der EU-Kommission – hat die Angebote gesichtet und eine technische und finanzielle Bewertung abgegeben.

Die endgültige Entscheidung lag bei Industriekommissar Thierry Breton. In der Kommission heißt es, die Entscheidung gegen OHB sei zwingend gewesen. Es sei klar gewesen, wer der Gewinner war, technisch, finanziell, aber auch bei der Fähigkeit, das Verlangte zu liefern. Der Abstand des Drittplatzierten, also OHB, zu den Gewinnern der Ausschreibung, sei groß gewesen.

Die Verantwortung für die Verträge liegt bei der Kommission

OHB hat die Entscheidung der Kommission nicht kritisiert. Man werde jetzt bei Gesprächen mit der ESA und der Kommission versuchen, den Ursachen für das Scheitern auf den Grund zu gehen und daraus seine Konsequenzen ziehen. Trotz der Niederlage ist OHB immer noch fest in das Weltraumprogramm der EU eingebunden. Erst jüngst hat das Unternehmen einen Auftrag zum Bau von Satelliten für das Erdbeobachtungsprogramm Copernicus gewonnen. Außerdem wird OHB auf Jahre noch mit Galileo zu tun haben. Das Unternehmen soll zwölf Reservesatelliten für das Programm bauen. Sechs sind bereits fertiggestellt und werden von der ESA in den Niederlanden getestet, sechs weitere sind in Arbeit und werden demnächst ausgeliefert.

Zwischen der Europäischen Weltraumbehörde mit Sitz in Paris und der EU-Kommission hatte es in der Vergangenheit heftige Auseinandersetzungen um die Strukturen bei Galileo gegeben. EU-Industriekommissar Thierry Breton, der auch für die Weltraumpolitik zuständig ist, hat unmittelbar nach seinem Amtsantritt dafür gesorgt, dass die Verantwortung für alle Verträge letztlich bei der Kommission liegt.

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