Diskussion über Phosphat im Döner Verbot in Tiefkühlspießen möglich

Von Melanie Maier 

Steht der Döner vor dem Aus? Der EU-Umweltausschuss will Phosphat in Tiefkühlfleischspießen verbieten. Auch Stuttgarter Dönerhändler machen sich nun Sorgen.

Der EU-Umweltausschuss will Phosphat in Tiefkühl-Fleischspießen verbieten. Foto: dpa
Der EU-Umweltausschuss will Phosphat in Tiefkühl-Fleischspießen verbieten. Foto: dpa

Stuttgart - Werden die Deutschen demnächst auf ihren geliebten Döner verzichten müssen? Diesen Eindruck könnte man jedenfalls leicht gewinnen, wenn man der Debatte um Phosphat in tiefgefrorenen Fleischspießen folgt, die derzeit in Brüssel geführt wird. Der Umweltausschuss des EU-Parlaments hat vor, den Einsatz des Zusatzstoffes in Tiefkühlspießen zu verbieten. Dies wurde von den Sozialdemokraten und Grünen initiiert. Sie weisen auf gesundheitliche Gefahren hin, etwa für das Herz-Kreislaufsystem.

Hintergrund der Diskussion: Die EU-Kommission wollte eine Gesetzeslücke schließen und Phosphat in tiefgefrorenem Fleisch erlauben – in der frischen Variante ist das Bindemittel bereits zugelassen. Auch in anderen Fleischzubereitungen, wie Kassler oder Brät, das zum Beispiel in Bratwürsten verwendet wird, ist der Zusatzstoff erlaubt. Nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) können kondensierte Phosphate (zum Beispiel E 450 bis E 452) die Konsistenz von zähem, trockenem Fleisch weicher machen. Studien zufolge soll eine erhöhte Zufuhr allerdings für ein höheres Herzinfakt- und Schlaganfallrisiko sorgen.

Die CDU-Abgeordnete Renate Sommer weist in dem Zusammenhang darauf hin, dass die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) die Aufnahme von bis zu 4200 Milligramm Phosphat als unbedenklich einstuft – eine Portion Döner enthalte nur 134 Milligramm. „Die Unterstellung seitens der Grünen und Sozialdemokraten, durch den Phosphatzusatz könne eine Gesundheitsgefährdung entstehen, ist lächerlich und dient wohl eher der Panikmache“, schließt sie. Das EU-Parlament soll zwischen dem 11. und 14. Dezember über den Einspruch abstimmen.

„Ohne Döner können wir unseren Laden schließen“

Welche Folgen ein Verbot für Betreiber von Dönerläden hätte, ist nicht abzusehen. Einer, den die Entscheidung nicht betrifft, ist Yüksel Dogan. Mit seiner Tochter Eylem führt er den Dönerladen Alaturk in der Olgastraße in Stuttgart. Von dem Einsatz von Bindemitteln wie Phosphat oder Geschmacksverstärkern wie Glutamat hält der 54-Jährige wenig. „Wir verwenden keine Zusatzstoffe“, sagt er. „Wir bereiten die Spieße jeden Tag frisch in unserer Küche zu – damit sind wir aber wahrscheinlich die Einzigen in Stuttgart, vielleicht sogar in Deutschland.“

Für Zahide Düzyar und ihren Mann sieht die Situation anders aus. Sie betreiben den Dönerladen Star Kebap in der Stuttgarter Neckarstraße. Ihren Bedarf bestellen die Düzyars bei einem Karlsruher Dönerfleisch-Lieferanten. Das sind etwa 50 bis 70 Kilogramm tiefgefrorene Fleischspieße pro Woche, schätzt die 42-Jährige. Würde sich das Phosphat-Verbot durchsetzen, müsste sich die Firma eine andere Lösung einfallen lassen, sagt Zahide Düzyar. „Sie müssten das Fleisch täglich frisch liefern – ich weiß aber nicht, wie sie das schaffen sollen.“ 200 bis 300 Kunden essen regelmäßig beim Star Kepab. „Ohne Döner können wir unseren Laden schließen.“




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