Eugen Märklin aus Göppingen Elektrische Eisenbahn ist älter als das E-Werk

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Der Spielzeugfabrikant Eugen Märklin ist der prominenteste Sohn der Stadt Göppingen. Jetzt wäre er 150 Jahre alt geworden.

Eugen Märklin (1861-1947). Foto: Gebr. Märklin 3 Bilder
Eugen Märklin (1861-1947). Foto: Gebr. Märklin

Göppingen - Vorsicht an der Bahnsteigkante! In einem Film, der im Göppinger Stadtarchiv verwahrt wird, steht Eugen Märklin selbst am Führerpult und hat sichtlich Spaß dabei. Den Spielzeugfabrikanten deshalb als unernsten Menschen darzustellen, dessen eigener Spieltrieb Teil des Geschäftsgeheimnisses gewesen sein könnte, geht aber fehl. Eine elektrische Eisenbahn war schon immer eine ernste Angelegenheit, die den Kindern großbürgerlicher Familien nur deshalb als Spielzeug unter den Christbaum gelegt wurde, weil sie "für lehrreich gehalten" wurde, wie der Göppinger Stadtarchivar Karl-Heinz Rueß betont.

Eugen Märklin wurde am 22. Dezember 1861 geboren. Es darf als gesichert gelten, dass er der eigentliche Kopf des Unternehmens war, das am 8. März 1888 unter dem Namen "Gebrüder Märklin, Spiel- und Metallwarengeschäft mit Fabrikation" in das Göppinger Handelsregister eingetragen wurde. Ob er auch die berühmte Miniaturbahn erfand, die drei Jahre später auf der Spielzeugmesse in Leipzig vorgestellt wurde und den Erfolg des Unternehmens begründete, bleibt aber offen. Über die Urheberschaft gebe es heute keine Aufzeichnungen mehr, sagt ein Märklin-Sprecher.

"Ein Stück Göppinger Stadtgeschichte dahingegangen"

Für die Lokalzeitung, die an Heiligabend 1947, drei Tage nach Eugen Märklins Tod infolge eines Schlaganfalls, einen Nachruf verfasste, stand dies freilich außer Frage. Mit dem Fabrikanten sei "nicht nur eine der bekanntesten Persönlichkeiten, sondern auch ein Stück Göppinger Stadtgeschichte dahingegangen". Und natürlich sei er persönlich der Schöpfer der Spielzeugbahn gewesen. Dabei ist die Erfindung auch seinem jüngeren Bruder Karl zuzutrauen. Er war Metalldrücker und für die technische Seite des Betriebs zuständig, während sich Eugen als Kaufmann auf die Geschäftsführung konzentrierte.

Dabei war aller Anfang schwer. "Das erste Geschäftsjahr schloss mit einem Verlust von 3000 Mark ab, bei einem Umsatz von 10.000 Mark", notierte Eugen im Jahr 1889. Entmutigen ließ er sich dadurch nicht. Er habe viel gelernt, merkte er an. Ausgeglichen wurde das Konto durch eine weitere Hypothek auf das vom Vater geerbte Firmengebäude. Zunächst hatten die Brüder sein Geschäft mit dem Verkauf von Puppenküchen fortgeführt.

Distanz zu den Nazis

Die entscheidende Innovation wurde dann 1891 mit der Übernahme eines renommierten Herstellers für Blechspielzeug in Ellwangen vorbereitet. Spielzeugeisenbahnen hatte es bis dahin zuhauf gegeben. Das entscheidend Neue war die Einführung einer Systembahn mit gleichbleibender Spurweite, die der Käufer in den Folgejahren beliebig erweitern konnte. Zunächst wurde sie mit einem Uhrwerk betrieben, 1895 kam die erste elektrische Lok in der heute noch gebräuchlichen Spurweite 1 auf den Markt. Dies war schon deshalb bemerkenswert, weil das örtliche Elektrizitätswerk erst fünf Jahre später Strom lieferte.

1913 beschäftigte Märklin bereits 600 Mitarbeiter, und der Firmenchef, der auf gute Arbeitsbedingungen Wert legte, engagierte sich als Mitglied der linksliberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP) auch im Gemeinderat. Zu den Nazis hielt er Distanz. Als er sich 1935 zurückzog und die Firma seinem Sohn übergab, hatte sich Märklin mit der neuen Tischbahn in Spurweite HO als Weltmarktführer etabliert.

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