Berlin - Fünf Jahre nach den großen Flüchtlingsbewegungen von 2015 beweist die Diskussion um die Aufnahme der Menschen aus Moria ernüchternd, dass Europa von einer gemeinsamen Asylpolitik heute so weit entfernt ist wie damals. Es gibt noch immer keine europäischen Strukturen zur Erstversorgung an den EU-Außengrenzen, von einem solidarischen System zur Verteilung der Geflüchteten ganz zu schweigen. Stattdessen muss über die Aufnahme kleiner Kontingente besonders Schutzbedürftiger immer wieder mühsam verhandelt werden. Ein umfassender europäischer Ansatz ist nicht in Sicht.
Humanität und robustes Auftreten
Das zeigen auch die Debatten innerhalb der Bundesregierung. Die SPD will schnell helfen und die Menschen aus Moria nach Deutschland holen. Die Union setzt auf Hilfe vor Ort und pocht auf eine europäische Lösung. Dabei schließt das eine das andere nicht aus. Die Steuerung der Migration nach Europa ist eine Aufgabe für die kommenden Jahrzehnte. Diese muss verschiedene Ansätze vereinen. Dazu zählen neben einer solidarischen Humanität, über die nicht nach jeder Katastrophe neu gestritten werden muss, effiziente EU-Strukturen an den Außengrenzen, ein robustes Vorgehen gegen Schlepper und der Kampf gegen Fluchtursachen.