Europas nördlichstes Reisfeld ist in Stuttgart Vier Sorten erfolgreich geerntet – das passiert mit dem Wilhelma-Reis

Das Wetter hielt: Mit Sicheln wurde der Reis in der Wilhelma geerntet, mitunter schien sogar die Sonne. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Nach viel Regen in den vergangenen Tagen schien am Mittwoch erstmals wieder die Sonne – ein gutes Omen für die Reisernte im Asiatischen Schaubauernhof in der Wilhelma. Und der Einsatz im matschigen Reisfeld scheint sich gelohnt zu haben.

Lokales: Iris Frey (if)

Schon zum zweiten Mal ist in der Wilhelma Reis geerntet worden. „Es war ein langer Tag“, sagt Eva Augart, die stellvertretende technische Leiterin im Bereich Botanik der Wilhelma. Die Ernte im nach ihren Angaben nördlichsten Reisfeld Europas sei ein voller Erfolg gewesen. Wie hoch der Ertrag ist, ist noch unklar, da die Pflanzen sehr nass waren. Die Körner wurden noch nicht gewogen. Die Ernte ist nun auf Fliesstücken ausgebreitet, damit die überschüssige Feuchtigkeit austreten kann.

 

Vier Sorten hatte die Uni Hohenheim angepflanzt: Cigalon, Loto, Brio und Onice. Die Reissorte Cigalon wird in der Camargue in Frankreich angebaut. Der Risotto-Reis Loto stammt aus Italien. Augart zeigte sich begeistert, denn alle vier Sorten hätten sich toll entwickelt. „Besser kann es nicht sein“. Lediglich eine Sorte hätte noch ein paar mildere Tage mehr gebraucht. Bei einigen Pflanzen hätten sich die Körner leichter herausgelöst als bei anderen: „Das wirkt sich auch auf den Ertrag aus.“

Ernte mit rund 15 Mitarbeitern

Die Pflanzen waren in der Universität Hohenheim vorgezogen und im Mai im Asiatischen Schaubauernhof auf einer Fläche von rund 140 Quadratmetern eingepflanzt worden. Jetzt bei der Ernte waren die Pflanzen zwischen 75 und 85 Zentimeter hoch. Unkraut habe es im Reisfeld nicht gegeben. Rund 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Wilhelma haben sich Gummistiefel angezogen und geerntet. Das Wasser war am Tag zuvor abgelassen worden. „Es war total schlammig und matschig“, berichtet Augart, doch habe man gut laufen können, weil die Wurzelpakete Halt gaben. Barfuß wäre es zu kalt gewesen. Am Mittwoch sei wettermäßig der beste Tag innerhalb der letzten zwei Wochen gewesen. Augart: „Das war eine Punktlandung.“

Nächte im Juni waren zu kalt

Das Wetter sei für das Wachstum der Reispflanzen in diesem Sommer nicht schlecht gewesen, im Juni hätte es ein bisschen wärmer sein können, da seien die Nächte noch zu kalt gewesen, dann hätte man den Reis früher ernten können, erklärt Augart. Doch die Halme seien gut bestockt, das bedeutet, optimal voll mit sehr vielen Körnern. Wie viele es waren, das wird sich in den kommenden Tagen zeigen, wenn sie getrocknet sind und dann gewogen werden.

Noch unklar ist, ob eine Mühle den geernteten Reis weiterverarbeiten kann, damit er auch zum Verzehr und zum Kochen geeignet ist. Er müsste in der Mühle entspelzt, also geschält, und dann poliert werden. Um die Suche nach einer geeigneten Mühle kümmere sich Fachbereichsleiter Björn Schäfer. Auf alle Fälle werde ein Teil des Reises auch zur nächsten Aussaat wieder genutzt im kommenden Jahr. Die gedroschenen und abgeernteten Reisbüschel wurden im Anschluss als Futter an die Tiere verteilt, darunter die Elefanten, Tapire und Vogelreviere. Das Reisfeld muss nun trocknen. Dann wird überlegt, wann es durchgepflügt wird, damit es vorbereitet ist für die nächste Pflanzung im kommenden Frühjahr.

Letztes Jahr wurden 20 Kilogramm Reis geerntet

Vor einem Jahr wurde zum ersten Mal in der Wilhelma Reis geerntet. 20 Kilogramm französischer Reis kamen da zusammen. Im vergangenen Jahr war italienischer Risotto-Reis, Himalaja-Reis und französischer Reis eingepflanzt worden. Eine Pflanze kann übrigens bis zu 30 Halme bilden, an denen 100 Ährchen sprießen, das macht 3000 Reiskörner an einer Pflanze.

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