Europatag am Köigin-Olga-Stift Vom kleinen türkischen Dorf an die Spitze des Landtages

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Die Landtagspräsidentin Muhterem Aras diskutiert mit Schülern über Integration.

Die Landtagspräsidentin Muhterem Aras (Mitte) hat mit Schülern des Königin-Olga-Stift anlässlich des Europatages über ihre persönlichen Erfahrunge mit Integration und Migration gesprochen. Foto: Nina Ayerle
Die Landtagspräsidentin Muhterem Aras (Mitte) hat mit Schülern des Königin-Olga-Stift anlässlich des Europatages über ihre persönlichen Erfahrunge mit Integration und Migration gesprochen. Foto: Nina Ayerle

S-West - Eine Frau mit Migrationshintergrund in einer führenden politischen Position – das ist auch in 2018 in Deutschland noch eine Seltenheit. Schüler des Königin-Olga-Stifts im Westen haben deshalb anlässlich des Europatages die Landtagspräsidentin Muhterem Aras (Die Grünen) zu einer Gesprächsrunde an ihr Gymnasium eingeladen. Fünf Zehntklässler hatten sich Fragen zu Integration, Migration und zu Aras Werdegang überlegt.

Was ihre Motivation gewesen sei, nach Deutschland zu kommen, wollte eine Schülerin zum Beispiel wissen. Die Antwort war simpel: „Ich hatte gar keine Motivation“, sagte die 52-jährige Politikerin. „Ich war zwölf Jahre alt, mein Vater war hier und irgendwann hat meine Mutter ihn gezwungen, dass wir fünf Kinder mit müssen.“

Integration? Das Worte kannte in den 80ern kaum jemand

Aras ist ein einem türkischen Dorf aufgewachsen, in dem es weder Wasser noch Strom geschweige denn Toiletten gab. „Fasziniert“ sei sie in Deutschland dann vor allem gewesen, was Frauen hier alles machen durften: „Frauen am Steuer. Das kannte ich nicht.“ Und Integration sei Anfang der 1980er Jahre überhaupt kein Begriff gewesen. Gastarbeiter hießen so, weil klar gewesen sei, dass sie eben Gäste sind. Sie selbst habe Glück gehabt, so offene Eltern zu haben: „Meine Mutter war Analphabetin. Gerade deshalb wollte sie, dass alle ihre Kinder in Deutschland studieren können.“

Kuschelkurs? Fehlanzeige!

Heute sei die Situation anders: „Wir als Gesellschaft sind auf die Flüchtlinge viel besser vorbereitet“, so glaubt sie. Natürlich sei nach der Willkommenseuphorie der Alltag eingekehrt. Trotzdem glaube sie an den Satz „Wir schaffen das“ von Angela Merkel. Aber: „Das braucht eben Zeit.“ Integration sei ein langer Prozess. „Ich habe selbst Jahre gebraucht, bis ich mich als Teil dieser Gesellschaft gefühlt habe.“ Heute ist Aras die erste Frau, die in Baden-Württemberg als Präsidentin dem Landtag vorsitzt. Ob sie es schwerer gehabt habe als Frau und Ausländerin, fragte eine Schülerin. „Ich hatte keine Probleme“, sagte Aras dazu. „Aber Politik ist kein Kuschelverein. Da muss man kämpfen – auch als Mann.“

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