Europaviertel in Stuttgart Cloud No. 7: Der Wohnturm der Superlative

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Der neue Wohn- und Hotelturm Cloud No. 7 nähert sich der Fertigstellung. Die Preise für die Wohnungen liegen bei bis zu 14.000 Euro pro Quadratmeter.

In dieser Betonhalle sollen die Autos der Cloud-No.-7-Bewohner einmal automatisch im Boden verschwinden. Foto: Heinz Heiss 14 Bilder
In dieser Betonhalle sollen die Autos der Cloud-No.-7-Bewohner einmal automatisch im Boden verschwinden. Foto: Heinz Heiss

Stuttgart - Der Turm ist 61 Meter hoch. Der Bau kostet 83 Millionen Euro. Die Preise für die Eigentumswohnungen und Appartements liegen zwischen 8500 und 14 000 Euro pro Quadratmeter. Die Autos der Bewohner verschwinden automatisch in Regalen unter der Erde. Das Cloud No. 7 an der Ecke Heilbronner und Wolframstraße ist ein für Stuttgart einzigartiges Projekt. Doch das Luxusobjekt scheint den Nerv der Zeit zu treffen.

Der Weg in den exklusiven Wohnturm führt künftig unter anderem über die Moskauer Straße – der erste Abzweig von der Wolframstraße ins Europaviertel. Der Gedanke an reiche Oligarchen ist angesichts der Adresse nicht weit hergeholt. Aufgrund der Quadratmeterpreise werden die Wohnungen schnell zu Millionenobjekten. Doch das Interesse ist hoch. Die Appartements werden von Vorständen hiesiger Unternehmen und von internationalen Anlegern gekauft. „Die starke Nachfrage von Käufern aus Stuttgart und dem Umland zeigt, dass viele offenbar auf ein solches Angebot gewartet haben“, sagt ­Tobias Fischer, der Vorstand der Schwäbischen Wohnungs AG und Geschäftsführer der Cloud No. 7 Projektgesellschaft.

Das Auto verschwindet automatisch im Boden

Das Auto wird nach dem Weg über die Moskauer Straße auf einer Plattform abgestellt, der Fahrer identifiziert sich mittels Chipkarte an einem Terminal, und der Wagen verschwindet automatisch per Aufzug im Kellerregal – ein vier Stockwerke hoher Raum unter der Erde, ähnlich einer Kathedrale aus Beton. Stellplätze für extragroße Geländewagen sind ebenso vorgesehen wie Ladestationen für Elektromobile.

Tobias Fischer ist Bauherr und Investor. Sein Projekt beschreibt er mit „dem Lebensgefühl von New York in heimischer Umgebung“. Zum anderen bietet der Wohnturm im Europaviertel das, was Fischer mit dem englischen Begriff „convenience“ beschreibt. Auf deutsch entspricht das am ehesten der Bedeutung von Komfort und Bequemlichkeit. Da in dem Turm neben den Wohneinheiten ein Luxushotel untergebracht wird, steht den Bewohnern zu jeder Tageszeit ein Concierge zur Verfügung. Reinigungs- und Hausmeisterservice, Haustechnik, Müllentsorgung und Parkservice sind in einer Pauschale von zwei Euro pro Quadratmeter und Monat inbegriffen. Das Auto in die Werkstatt fahren oder Essen in die Wohnung bringen zu lassen, ist ebenfalls möglich, diese Dienstleistungen kosten aber extra.

Das Hochhaus steht auf dem Baufeld Nummer sieben des Europaviertels. Das Grundstück ist weniger als 2000 Quadratmeter groß, die Bruttogeschossfläche ­beträgt jedoch knapp 26 000 Quadratmeter. Vom ersten Untergeschoss bis ins ­siebte Stockwerk wird ein luxuriöses Hotel mit 175 Zimmern und Suiten mit dem ­Namen „Jaz in the City“ unter der Regie der Steigenberger Gruppe einziehen. Das erste Hotel der Marke eröffnet im September dieses Jahres in Amsterdam – das zweite im Sommer 2016 in Stuttgart.

500-Quadratmeter-Penthouse

Auf die Stockwerke neun bis 18 verteilen sich insgesamt 37 sogenannte Business-Appartements sowie 19 Eigentumswohnungen und ein 500 Quadratmeter großes Penthouse. Die Geschäftswohnungen werden einzeln verkauft. Die Eigentümer bekommen eine auf zehn Jahre garantierte Mietrendite. Die Vermietung erfolgt über eine eigens gegründete Gesellschaft. Die Mietdauer reicht von vier ­Wochen bis zu sechs Monaten. So bieten die Appartements etwa Managern mit einem mehrmonatigen Auftrag in Stuttgart ein luxuriöses Zuhause auf Zeit. Das automatische Pkw-Regal im Untergrund fasst 129 Wagen. 136 Bohrpfähle, die bis zu zwölf Meter ins Erdreich reichen, verankern das Hochhaus fest im Untergrund.

Von der Betonkathedrale samt Autoregal im Boden führen Treppen und Aufzüge bis auf über 60 Meter Höhe hinauf. Der Entwurf des Büros tec Architecture Swiss AG aus Zürich zusammen mit tec Design Los Angeles stapelt vier Würfel verschiedener Größe asymmetrisch aufeinander. Das höchste der Gefühle, für alle, denen die Preise der Wohnungen zu abgehoben ­erscheinen, ist die Terrasse mit öffentlicher Bar im sechsten Obergeschoss. Schon hier lässt sich problemlos über die Wohnungen des Milaneo hinüber zur Stadtbücherei blicken. Mit jedem Stockwerk darüber erweitert sich dann der Ausblick. Vom neunten Geschoss an lässt sich bereits langsam der Rand des Stuttgarter Talkessels erahnen. Im 13. Stock befindet man sich schließlich auf gleicher Höhe mit dem Dach des alten Bürgerhospitals. In der gegenüberliegenden Richtung ist zwischen den Conradi-Hochhäusern an der Mönchstraße das Schloss Rosenstein zu erkennen.

Ein Pärchen aus Peking kauft zwei Appartements

„Wer herkommt, um sich eine Wohnung anzusehen, der entscheidet sich in der Regel schnell“, sagt Fischer und erzählt: „Ein chinesisches Ehepaar kam jüngst eigens aus Peking, um zwei Business-Appartements zu erwerben.“ 40 Prozent der Wohnfläche seien bereits verkauft. „Das entspricht einem Gegenwert von 22 Millionen Euro“, sagt Fischer. Wohnungen für weitere 12,5 Millionen Euro seien zudem bereits fest reserviert. Diese Verträge sollen in den kommenden Wochen beurkundet werden. Insgesamt beträgt der Verkaufswert der Wohnungen und Appartements im Luxusturm an der Wolframstraße rund 58 Millionen Euro. Im Durchschnitt kostet ein Quadratmeter im Cloud No. 7 rund 11 500 Euro.

Vom 18. Stock in 61 Metern Höhe reicht der Blick schließlich weit über den Kessel hinaus. Der graue Würfel der Stadtbücherei wirkt klein, selbst das Geno-Haus an der Heilbronner Straße liegt einem zu Füßen. Die Autos auf den Straßen, auf denen ­immer mehr Menschen aus der Region in das Einkaufszentrum im Nebengebäude gespült werden, wirken wie Spielzeuge.

Das Konzept und die Preise des Cloud No. 7 sprengen den Rahmen dessen, was Stuttgart bislang kennt. Doch allein die enorme Nachfrage scheint Tobias Fischer bereits Recht zu geben. Das Projekt solle die Wirtschaftskraft und die Lebensqualität der Stadt und der Region widerspiegeln, so der Wunsch des Investors. Fest steht: das Richtfest für den Wohn- und Hotelturm wird im Mai dieses Jahres gefeiert. Die ­Fertigstellung des Projekts ist für den ­Sommer 2016 geplant.

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