European Championships 2022 Gold – Richard Ringer hält sein Versprechen

Na bitte, geht doch: Richard Ringer holt Gold. Foto: AFP/Ina Fassbender

Der Läufer vom Bodensee gewinnt als erster Deutscher im Marathon EM-Gold. Insgesamt schlägt sich das DLV-Team auf der Langdistanz prächtig.

Sport: Dominik Ignée (doi)

Unfassbar, wie Richard Ringer noch einmal alles aus sich herausholte. Der Mann vom Bodensee hatte auf dem Odeonsplatz mehr Kraft als der Israeli Maru Teferi, und so schnappte sich Ringer den Gegner am Ende der Marathonstrecke, gewann das Rennen – und konnte sein Glück kaum fassen. Auch weil er zuvor zurückgefallen und fast schon weg vom Fenster war.

 

Doch er wollte unbedingt dieses verfluchte Gold, dieser Moment sollte seiner sein. Noch nie hatte ein Deutscher einen EM-Marathon gewonnen, und noch nie holte der 33 Jahre alte Langstreckenläufer bei einer internationalen Großveranstaltung den Hauptpreis. Nun hatte er es geschafft – und Geschichte geschrieben. Im Ziel ließ sich der gebürtige Überlinger, der für den LC Rehlingen startet, von Fans und Betreuern feiern. In 2:10:21 Stunden hatte er sein Meisterstück gemacht. Zudem kamen die deutschen Männer in der Teamwertung auf Platz zwei.

„Unfassbar“

„Unfassbar – ich wollte 2018 performen und bin das erste Mal ausgestiegen. Und jetzt bin ich Europameister“, sagte der Langstreckenspezialist Ringer, der vor vier Jahren bei der EM in Berlin über 10 000 Meter den Wettbewerb vorzeitig beendet hatte. Der 33 Jahre alte Routinier hatte damals jedoch angekündigt, noch etwas gutmachen zu wollen – und er hielt Wort.

Jürgen Kessing, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), hofft nach diesem Auftakt nach Maß auf Rückenwind für die komplette Mannschaft. „Es ist genau das eingetreten, was wir uns alle gewünscht und erhofft haben. Ich gehe davon aus, dass der Funke im Team gezündet hat“, sagte der Funktionär. Auch die Chefbundestrainerin Annett Stein freute sich über diesen „sehr, sehr guten Anfang“. Als Athlet werde man in München ohnehin „von den deutschen Fans getragen“.

Gabius ist begeistert

Der ehemalige Langstreckenläufer Arne Gabius wurde gefragt, ob er bei der EM dem Sieger das Marathongold überreichen könnte, doch da war der Urlaub mit der Familie im italienischen Livigno schon gebucht. „Schade, sonst hätte ich Richard, dem ich am Abend vor dem Marathon noch ein paar Tipps gegeben habe, die Medaille überreichen können, aber die Familie ist auch wichtig“, sagte Gabius lachend. In den Bergen hat er von dem Sieg erfahren und war begeistert. „Richard hat seine Chance genutzt, sich in München zu präsentieren. Es ist einfach super, wenn ganz generell ein deutscher Läufer gleich am ersten Tag der Leichtathletik-EM die Goldmedaille holt – das motiviert die anderen Athleten, und es ist für die Disziplin Lauf in Deutschland wichtig und toll.“

Eine ganz große Überraschung war Ringers Erfolg für Gabius allerdings nicht. „Ich hatte ihn und Amanal Petros als Mitfavoriten auf meinem Zettel stehen, weil zuletzt bei der WM die Topleute waren, die Zeiten um zwei Stunden und vier Minuten laufen können und jetzt bei der EM nicht am Start waren.“ Die einen Athleten hätten eben alles auf die WM gesetzt, andere auf die EM. „Und diese Chance hat Richard wahrgenommen und sich sehr konzentriert auf diesen Marathon vorbereitet. Die WM eine WM sein zu lassen war richtig.“

Die Medaille verpasst

Amanal Petros hatte als Vierter in München eine Medaille verpasst. Doch daran sehe man, dass der deutsche Marathonsport sehr gut aufgestellt sei im Vergleich zu Zeiten vor zehn Jahren, meint Gabius, der 2012 in Helsinki EM-Silber über die 5000 Meter gewann. Auch der Sieg der deutschen Frauen in der Teamwertung des Münchner Marathons, bei dem Miriam Dattke als Vierte nur knapp eine Einzelmedaille verpasste und sich fünf DLV-Starterinnen unter den Top 15 befanden, ist für Gabius nicht hoch genug einzuschätzen. „Das ist sensationell, und es zeigt, dass sich im deutschen Lauf etwas tut.“

Warum sind die Deutschen plötzlich so gut im Marathon? Im Falle von Ringer und Petros liegt die nach oben zeigende Formkurve auf der Hand. Ringer arbeitet mit einem belgischen Trainer zusammen und schließt sich in dem Beneluxstaat einer Trainingsgruppe an. Petros dagegen ist oft in Kenia unterwegs.

Breit aufgestellt

Sie stellen sich also breit auf und sammeln auch in anderen Ländern Erfahrungen. Mit dem Ergebnis, dass die Zeiten sehr gut sind – aber nach Ansicht von Arne Gabius in Zukunft auch noch besser werden können: „Ich hoffe, dass Richard im nächsten Jahr mal einen schnellen Stadtmarathon läuft und in Richtung 2:06 Stunden marschiert. Das hat er drauf.“

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