Herrenberg hat nach dem ersten Vier-Jahres-Zyklus des European Energy Awards 60 Prozent der Anforderungen erfüllt. Der Gemeinderat gibt nach intensiven Beratungen grünes Licht für die Fortführung.
Ist der European Energy Award (EEA) ein aussagekräftiger Gradmesser für die Güte der Klimaschutz-Maßnahmen in der Stadt? Oder eher nur eine teure Kür? Darüber hat der Herrenberger Gemeinderat – auch angesichts der angespannten Haushaltslage – kontrovers diskutiert. Unterm Strich überwog bei einer Mehrheit die positiven Aspekte: 19 Ja-Stimmen bei neun Gegenstimmen und einer Enthaltung bedeuten, dass das europäische Qualitäts- und Managementsystem, mit dem die Erfolge einer Kommune in puncto Energieeffizienz und Klimaschutz sicht- und messbar gemacht werden sollen, nun in den zweiten Zertifizierungszyklus starten kann.
Laut der Herrenberger Stadtverwaltung unterstützt der EEA die Kommunen dabei, ihre energie- und klimapolitischen Maßnahmen zu planen, umzusetzen und kontinuierlich zu verbessern. Durch den Beschluss des so genannten energiepolitischen Arbeitsprogramms ist die erste Zertifizierungsrunde jetzt abgeschlossen. Ein externes Audit hatte der Stadtverwaltung mit 61,1 Prozent Erfüllungsgrad ein gutes Ergebnis bescheinigt. Für eine Zertifizierung sind mindestens 50 Prozent erforderlich. Bei 75 Prozent wäre ein Gold-Zertifikat überreicht worden. In Deutschland nehmen 265 Kommunen sowie 57 Landkreise am EEA teil. So ist etwa der Landkreis Böblingen gold-zertifiziert.
Sind die 40 000 Euro eine sinnvolle Investition?
Die Teilnahme am EEA geht auf eine interfraktionelle Initiative aus Reihen des Gemeinderats zurück. Im Jahr 2022 wurde der EEA-Zertifizierung als eine von 85 Maßnahmen im Klimafahrplan der Stadt gelistet. Im ersten Zyklus stand die Ist-Analyse im Mittelpunkt. Das städtische Klimateam führte eine umfassende Bestandsaufnahme aller energie- und klimarelevanten Maßnahmen und Strukturen durch. Begleitet wurde es von der dafür akkreditierten Energieagentur des Landkreises Böblingen.
Die nun vorliegenden Ergebnisse wurden im Gemeinderat höchst unterschiedlich bewertet. Während Heike Voelker (Grüne) den EEA als wichtiges Instrument auf dem Weg zur Klimaneutralität bezeichnete, der „kein Selbstläufer“ sondern ein Marathon sei, ist er für Pauline Rist-Nowak (Frauenliste) „Schnee von gestern“. Sie sieht „keinen Sinn darin – außer dass es Geld und Arbeitszeit kostet“. Ebenso wie Rist-Nowak sieht Petra Menzel (SPD) die Stadt mit der Stabstelle für Klima- und Umweltschutz personell gut aufgestellt. Aus ihrer Sicht wären die Finanzmittel für den EEA – Baubürgermeisterin Susanne Schreiber bezifferte diese auf rund 40 000 Euro für den gesamten Zertifizierungszeitraum – dort besser investiert. Als einen nennenswerten Vorteil des EEA sieht Thomas Deines (Freie Wähler) die Vergleichbarkeit zwischen einzelnen Kommunen, während der CDU-Sprecher Albrecht Stickel moniert, dass die Unterteilung des städtischen Klimafahrplans nicht mit der Gliederung des EEA korrespondiere.
„Keine kann sich wegducken“
Ein flammendes Plädoyer für den EEA hielt Gültsteins Ortsvorsteher Christopher Knall, der von Beruf Energiemanager ist: Das Bewertungstool werde immer nachgeschärft, damit sich niemand auf den Lorbeeren ausruhen könne. Außerdem „vernetzt der EEA alle städtischen Ämter mit dem Klimathema“, betonte Knall. Ein Fakt, den auch Susanne Schreiber hervorhob: „Keiner kann sich wegducken, jeder muss ran.“
Wie die Stadtverwaltung in einer Pressemitteilung schreibt, bekommt Herrenberg die Zertifizierungsurkunde gemeinsam mit weiteren elf Städten Anfang Februar bei einer Feierstunde des baden-württembergischen Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft überreicht.