Es funkt wieder zwischen der European League of Football (ELF) und der German Football League (GFL). Zwei Wechsel haben einen Kurzschluss ausgelöst. Vor Kurzem holte Stuttgart Surge (ELF) Quarterback Janis Kaiser von den Saarland Hurricanes (GFL) als Ersatzspielmacher hinter Dante Vandeven, der Ballträger Joshua Mack von den Marburg Mercenaries (GFL) schloss sich den Cologne Centurions (ELF) an. Vor allem an diesem Transfer entlädt sich schwarze Energie, weil er nicht nur in der Saison stattfand, sondern auch ohne Zustimmung der Mercenaries. „Solange Spieler nach der Saison wechseln, ist das legitim. Dies mitten in der Saison zu tun und dann so plötzlich, ist sehr fragwürdig und sagt einiges über die Geschäftsgebaren der Personen aus“, kritisierte der Marburger Präsident Michael Dalkowski, zudem Vorsitzender der GFL. Er wirft dem US-Amerikaner Vertragsbruch vor und droht mit einer Zusatzschicht vor Gericht. Der nach Stuttgart abgewanderte Kaiser muss rechtlich nichts befürchten, aber Hurricanes-Manager Hans Hennrich teilte dem verlorenen Sohn via Internet mit, er sei „eine unerwünschte Person in Saarbrücken“ und: „Lass Dich bitte nie mehr hier blicken!“
Feuer und Wasser treffen aufeinander
ELF und GFL, Feuer und Wasser. Bei den Schwäbisch Hall Unicorns, mit den Ravensburg Razorbacks eines der zwei GFL-Teams aus Baden-Württemberg, herrscht trotz der Nähe zu Stuttgart keine Alarmbereitschaft – auch wenn schon eine Handvoll Spieler in Richtung Degerloch losgezogen ist. „Natürlich sind wir wachsam, aber bislang hat kein Ausverkauf stattgefunden“, sagt Sportdirektor Siegfried Gehrke, „noch betrachten wir das entspannt.“ Die Gründe: Die Unicorns sind eine Hausnummer in der GFL, sie standen 2021 im Finale und feierten schon viermal die Meisterschaft, ein Verein mit Renommee; Surge ist ein Newcomer und in der ELF seit mehr als einem Jahr ohne Sieg. Auch ist Geld kein Lockmittel, das Gehaltsgefälle für deutsche Spieler zwischen den Ligen ist marginal. In der Amateurliga GFL kassieren nur die ausländischen Stars ein Gehalt, der Rest erhält eine Aufwandsentschädigung; in der ELF müssen die Filialclubs wegen des Profistatus der Liga die Spieler sozialversicherungspflichtig beschäftigen, wobei viele Deutsche kaum mehr als 450 Euro pro Monat als Minijobber bekommen. „Viele der besten Spieler der Region spielen nicht in Stuttgart. Die spielen bei den Unicorns“, lästerte Jan Weinreich, der für die Cologne Centurions aufs Feld läuft, zuletzt auf Instagram über das schwäbische Kräfteverhältnis.
Die ELF bietet aufgrund von TV-Präsenz, internationaler Vermarktung und Verbindungen in die Eliteliga NFL jedoch eine bessere Perspektive für Karrieren – das führt mitunter an manchen Standorten doch zu einem massiven Schlussverkauf zulasten der GFL-Vereine. Die Stuttgart Scorpions verloren einen Großteil ihres Kaders vor der Saison 2021 an Stuttgart Surge und stiegen in die GFL 2 ab, weshalb das Verhältnis zwischen den Machern der Clubs belastet ist. In Frankfurt dümpelt der Club Universe sieglos in den Niederungen der GFL, dagegen hieß der erste ELF-Champion im vergangenen Jahr Galaxy.
Kürzlich kündigte die ELF an, in der Saison 2023 in München die achte deutsche Filiale zu eröffnen, an dem Standort, an dem die Munich Cowboys seit Jahren die Sportart repräsentieren. Es keimt Konfliktpotenzial. „Bei uns ist keine Panik ausgebrochen“, sagte Werner Maier, der Präsident der Cowboys, die Gefahr bestehe aber, dass mit einem ELF-Team die Aufmerksamkeit für die Cowboys geringer wird sowie gute Spieler und Talente im Winter abgeworben werden.
Aussitzen kann man das Problem nicht
Die Leute in der Chefetage der GFL wissen, dass sie das „Problem ELF“ nicht aussitzen können, wie es manche erhofft und den finanziellen Kollaps der Konkurrenzliga herbeigesehnt hatten. Nicht nur bei Axel Streich ist die Überzeugung gereift, dass eine friedliche Koexistenz der verfeindeten Ligen anzustreben ist wie einst zwischen Nato und Warschauer Pakt. „Da die ELF keine Jugendarbeit betreibt, versorgen sich die Clubs in der GFL wie im Selbstbedienungsladen“, sagt der GFL-Sprecher, „die ELF setzt auf Strukturen, die Vereine über Jahre aufgebaut haben, gibt aber nichts zurück.“ Die GFL will einen neuen Anlauf für Gespräche nehmen – es soll um Transferregeln gehen, über Wechselfenster, Ablösesummen und Ausbildungsentschädigungen. Allerdings, meint Streich, signalisiere die europäische Liga wenig Interesse an einer Sondierung, was auch an den Turbulenzen bei den Wechseln liegen dürfte.