Abschied von der European League of Football: Patrick Esume. Foto: Baumann
Paukenschlag im Football: Patrick „Coach“ Esume verlässt die Liga, die er einst gegründet hat. Was bedeutet das für die ELF und deren Kritiker, die mit einer Abspaltung drohen?
Jochen Klingovsky
25.07.2025 - 13:57 Uhr
Trotz aller Anschuldigungen, die seine Organisation sich zuletzt von neun wichtigen Clubs anhören musste, hat Zeljko Karajica, der Geschäftsführer der European League of Football (ELF), sich seinen ganz eigenen Blick auf die Realität bewahrt. Noch in dieser Woche sagte er mit Blick auf seinen für den Sport zuständigen Partner Patrick „Coach“ Esume, den die Franchises von ihrer Kritik ausdrücklich ausgenommen hatten: „Wer glaubt, er könne hier einen Keil hineintreiben, der macht sich lächerlich. Das ist absurd.“ Mittlerweile hat sich herausgestellt: Absurd war vor allem diese Äußerung.
Am Freitag verschickte Patricia Cronemeyer, die Hamburger Anwältin von Esume, eine Pressemitteilung mit enormer Sprengkraft. „Mein Mandant und die ELF mit ihrem Geschäftsführer Zeljko Karajica gehen ab sofort getrennte Wege“, heißt es darin. Esume ziehe sich „auf eigenen Wunsch“ von seinem Amt als Commissioner und Gesellschafter der ELF zurück. Grund für den Abschied seien „unüberbrückbare Differenzen bezüglich der Führung und finanziellen Gestaltung der ELF mit deren Geschäftsführer Zeljko Karajica“ sowie „unterschiedliche Vorstellungen der künftigen Ausrichtung der ELF“.
Suni Musa und Stuttgart Surge drücken ihre Wertschätzung aus
Diese Nachricht dürfte die neun Clubs, die gegen die ELF-Führung rebellieren, der sie unter anderem „finanzielle Misswirtschaft, schlechte Kommunikation und unzureichende Arbeit in zentralen Bereichen wie Merchandising, Marketing, Reiseorganisation und Medien“ vorwerfen, nicht überrascht haben. Dem Vernehmen nach ist das Verhältnis zwischen Esume und den Verantwortlichen der ELF-Franchises intakt, sie dürften über seinen Abgang informiert gewesen sein. „Wir schätzen ihn und seine Arbeit und alles, was er für uns getan hat, sehr“, erklärte Suni Musa, der Geschäftsführer von Stuttgart Surge, „mehr möchten wir zu diesem Zeitpunkt nicht sagen.“
Das ELF-Finale findet am 7. September in der MHP-Arena in Stuttgart statt. Bei einem PR-Termin zeigten sich ELF-Geschäftsführer Zeljko Karajica (li.), VfB-Marketingvorstand Rouven Kasper (Mi.) und ELF-Commissioner Patrick Esume in trauter Eintracht. Foto: Baumann
Bisher gehört Stuttgart Surge nicht zur Allianz der Kritiker (EFA), es ist aber alles andere als ausgeschlossen, dass diese Haltung von der Surge-Führung nach den jüngsten Entwicklungen noch einmal überdacht werden muss. Denn der Abschied von Esume (51) bringt die European League of Football ins Wanken.
Patrick Esume ist das Gesicht des Footballs in Deutschland
Der Ex-Profi und -Trainer ist nicht nur bestens vernetzt und ein prominenter TV-Experte sowie Kommentator von NFL-Übertragungen, sondern auch das wohl wichtigste Gesicht des Footballs in Deutschland. Gemeinsam mit Zeljko Karajica hat Patrick Esume die EFL vor fünf Jahren gegründet, nun droht das Ende ihres Projekts.
Esume wird zwar noch bis zum Finale am 7. September in der MHP-Arena in Stuttgart im Amt bleiben, „damit sich sowohl die Teams als auch die Spieler auf ihre sportliche Leistung konzentrieren können“. Er sagt aber auch: „So eine Entscheidung mitten in der Saison treffen zu müssen, ist nicht schön, aber insbesondere im Hinblick auf das mir entgegengebrachte Vertrauen der Teams, Gesellschafter, unserer Geschäftspartner und allen voran der Fans, das nicht weiter enttäuscht werden darf, absolut notwendig.“
Dass nicht nur Patrick Esume einen Schlussstrich zieht, sondern dass auch Andreas Nommensen (Director of Sports) sowie Frank Wendorf (Head of Operations) gehen, verschärft die Situation – denn damit verliert die ELF auf einen Schlag ihre komplette sportliche und operative Führung, und dass in einer Zeit, in welcher der europäische Spitzenfootball ohnehin vor einer Zerreißprobe steht.
Die neun Clubs, zu denen womöglich auch Stuttgart Surge noch hinzustoßen könnte, drohen offen mit einer Abspaltung und der Gründung einer eigenen Liga. Das wäre keine ganz leichte Aufgabe, bei der allerdings die vertragliche Situation vieler Franchises hilfreich sein könnte: Die Fünf-Jahres-Kontrakte, die bei der Gründung der ELF unter anderem von Stuttgart Surge geschlossen wurden, laufen nach dieser Saison aus. Ob Patrick Esume in einer neuen Liga-Organisation eine führende Rolle spielen könnte? Ist zumindest nicht gänzlich ausgeschlossen.
Großes Lob für Patrick Esume
Zuletzt wurden seine Verdienste jedenfalls auffallend häufig von vielen ELF-Clubs gelobt. „Aus unserer Sicht“, meinte zum Beispiel Robin Lumsden, der Besitzer der Vienna Vikings, „ist das Sport-Management der ELF unter Commissioner Esume hochprofessionell. Er ist der Kleber, der viele Dinge verbindet. Der Erfolg der ELF hängt in vielen Bereich untrennbar mit dem Engagement von ihm und seinem Team zusammen.“ Oder anders ausgedrückt: Hat die EFA tatsächlich vor, eine eigene Liga zu gründen, müsste sie alles dafür tun, um Patrick Esume für dieses Projekt zu gewinnen. Zumal er in der von seiner Anwältin verbreiteten Pressemitteilung erklärt hat, seinem Sport erhalten bleiben zu wollen.
„Mein Mandant hat sich aufgrund der veränderten Rahmenbedingungen entschieden, seine sportlichen Schwerpunkte neu zu setzen und darauf nunmehr den Fokus zu legen“, heißt es darin. Esume werde sich künftig auf seine Aufgaben als NFL-Kommentator, seine Marke „Football Bromance“ und weitere eigene Projekte konzentrieren: „Dem Football und den Fans bleibt er natürlich erhalten.“
Nach der Verbreitung der anwaltlichen Pressemitteilung hat sich übrigens auch Zeljko Karajica noch einmal zu Wort gemeldet. „Die ELF würde es ohne Patrick Esume nicht geben. Er ist eine Gallionsfigur und hat maßgeblich dazu beigetragen, dass unsere Liga in kürzester Zeit gewachsen und stark geworden ist“, meinte der Geschäftsführer – und fügte den nächsten bemerkenswerten Satz hinzu: „Patrick Esume wird immer ein Teil der ELF-Familie bleiben.“ Wenn er sich da mal nicht erneut täuscht.