Eurovision Song Contest Mehr Transparenz durch Blitztabellen

Die ESC-Jury: Alina Süggeler, Thomas D und Stefan Raab (von links) Foto: dpa
Die ESC-Jury: Alina Süggeler, Thomas D und Stefan Raab (von links) Foto: dpa

Beim Vorentscheid für den Eurovision Song Contest in Baku wird anders abgestimmt. Aber auch diesmal lässt sich Raab seine Juror-Rolle nicht nehmen.

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Stuttgart - Stefan Raab nur noch im Hintergrund? Das geht nicht. Der Lena-Entdecker wird den Eurovision Song Contest (ESC) erneut prominent begleiten, als festes Jurymitglied neben Präsident Thomas D und Alina Süggeler, Sängerin der Band Frida Gold. Raab, der auch die „Unser Star für Baku“-Shows für ARD und Pro Sieben produziert, krempelt das Format durch eine gewagte Neuerung um: Bei den insgesamt acht Sendungen wird der Zwischenstand der Zuschauerabstimmung permanent eingeblendet. „Das ist die Einführung der Blitztabelle in die Unterhaltung“, erklärte Raab am Montag in Köln. Eine „Blitz­tabelle“ informiert etwa bei Liveübertragungen von Spielen der Fußball-Bundes­liga über die jeweils aktuelle Position der beteiligten Vereine.

Raab sprühte vor der Presse geradezu vor Begeisterung über seine erst vor vier Wochen geborene Idee, „das Prinzip Sport noch stärker in die Sendung mit einzubeziehen“. Dies sei seines Wissens „weltweit das erste Mal“, dass eine Castingshow die Abstimmungen derart transparent mache, erklärte der Entertainer. Er nannte dies „die Einführung der neuen Ehrlichkeit“ und prophezeite, einmal in Fahrt, dass mittelfristig auch die Bundestagswahlen auf diese Weise durchgeführt würden. Durch diese Art der „gelebten Demokratie“ würde die Wahlbeteiligung wieder in die Höhe schnellen. Thomas D schlug ihn daraufhin für das Amt des Bundespräsidenten vor.

Für die zwanzig ausgewählten Kandidaten – zwölf Frauen, acht Männer – dürfte das vor allem mehr Anspannung bedeuten. Denn auch während sie singen, verändert sich vor ihren Augen der Zwischenstand, worauf auch das Studiopublikum während der Liveshows reagieren dürfte. Bei den ersten beiden Ausscheidungsshows (12. und 19. Januar) werden sich die jeweils zehn Kandidaten zu Beginn 30 Sekunden lang vorstellen. Bereits während dieser ersten Runde können die Zuschauer per Telefon abstimmen. In den beiden Shows kommen jeweils fünf Kandidaten weiter. Nach Raabs Angaben kann der Stand der Abstimmung mit nur fünf Sekunden Zeitverzug im Fernsehen angezeigt werden.

Kompetent mit kurzen Haaren

Das neue System sei auch der Grund, erklärte Thomas D, warum die Jurybesetzung nicht wechselt. Die Jury müsse die Entwicklung der einzelnen Kandidaten von Anfang an kennen. Der Sänger der Fantastischen Vier und Musikproduzent über­redete Raab, und beide wählten Alina Süggeler aus, die im vergangenen Jahr bereits in der deutschen ESC-Jury saß. „Wir wollten eine kompetente Frau, schön und mit langen Haaren“, sagte Raab am Montag grinsend. Frau Süggeler sagte zu. Dass ihre Frisur mittlerweile auf derart radikale Weise nicht mehr dem Anforderungsprofil entsprach, kostete sie dennoch nicht den Job.

Thomas D, der auch die Siegerin oder den Sieger mit zum ESC-Finale nach Baku in Aserbaidschan begleiten und anschließend mit ihr/ihm eine Platte produzieren wird, versprach: „Es geht um Musik, und das wird in anderen Shows gerne mal vergessen. Da ist die Musik Träger eines schönen Gefühls.“ Nicht die perfekte Stimme, sondern Ausstrahlung und Persönlichkeit soll Lenas Nachfolger haben. „Es soll Leute geben, die können überhaupt nicht singen und haben es bis zum Jurypräsidenten geschafft“, sagte Thomas D ironisch. Mit dem neuen Abstimmungssystem könnte allerdings auch Nervenstärke eine noch größere Rolle spielen. Denn neben der Musik geht es eben auch um die spannende Dramaturgie einer TV-Show, die möglichst viele Zuschauer erreichen will.

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