Weltkriegsbombe in Großbottwar Kniffliger Einsatz für die Experten

Kräfte von Polizei und Feuerwehr planen am Freitagnachmittag den Einsatz – bei Lembach wollen Kampfmittelexperten die Bombe kontrolliert sprengen. Foto:  

Arbeiter haben am Freitag einen Sprengkörper aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Die Experten entscheiden: 180 Menschen werden evakuiert, damit die Bombe sofort in der Nähe gesprengt werden kann – der Einsatz war knifflig, endete aber erfolgreich.

Eva-Maria Haug und ihre Familie waren gerade auf der Straße, als sie von der Bombe erfuhren. In Backnang hatten Haug, ihre Tochter und ihr Schwiegersohn die Enkelin Sofia vom Gymnastikkurs abgeholt. Bevor sie ihr Zuhause im Heimatort Lembach erreichten, hielt eine Nachbarin sie an. Sie könnten nicht heim, sagte sie. In Großbottwar war am Freitagnachmittag bei Brückenbauarbeiten in der Bahnhofstraße eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg aufgetaucht – und die sei nun unterwegs in die Natur bei Lembach, wo sie gesprengt werden solle. Für die Familie ging es also statt ins traute Heim direkt weiter in die Wunnensteinhalle nach Großbottwar.

 

Dort hatten die Einsatzkräfte von Feuerwehr und dem Deutschem Roten Kreuz eine Unterkunft eingerichtet für Eva-Maria Haugs Familie und rund 180 weitere Menschen aus Lembach. Als die Familie die Halle erreichte, leitete die Polizei bereits den Verkehr um, Feuerwehrleute planten den Einsatz, eine Drohne surrte umher. Auch ein Hubschrauber war vor Ort, hieß es.

500-Kilogramm-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg

Der Einsatz war knifflig: Die 500-Kilogramm-Bombe war nicht mehr intakt, aber noch in Teilen, samt Sprengstoff, vorhanden. Das erhöht das Gefahrenpotenzial, weswegen der Kampfmittelbeseitigungsdienst Baden-Württemberg sofort entschied: Sie wird möglichst noch am Abend kontrolliert gesprengt und zwar ohne allzuweiten Transport. „An einer geeigneten Örtlichkeit und unter sicheren Bedingungen“, bestätigte ein Polizeisprecher. Die Experten brachten die Bombe mit einem Spezialfahrzeug in den Wald nahe Lembach, der Ort, der ihnen ihm Umkreis am geeignetsten erschien. „Sobald die Evakuierung abgeschlossen ist, wird dort gesprengt“, erläuterte der Ludwigsburger Kreisbrandmeister Andy Dorroch auf Nachfrage, der selbst vor Ort war. „Wir behandelten die Bombe wie ein rohes Ei“.

Dorroch sagte, es drohe zwar keine unmittelbare Gefahr, die Lage sei unter Kontrolle, „aber es ist kritisch, diese Bombe zu transportieren.“ Er sprach von rund 100 Einsatzkräften von Feuerwehr, Kampfmittelbeseitigungsdienst, Bevölkerungsschutz und Polizei, die mindestens vor Ort seien.

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Der Großbottwarer Bürgermeister Ralf Zimmermann hat erfahren, dass mit der Bombe wohl im Zweiten Weltkrieg – wahrscheinlich von Deutscher Seite aus – dieser Verbindungsweg gesprengt werden sollte. Deutsches Militär zerstörte zum Ende des Zweiten Weltkrieges hin nämlich auch eigene Bauwerke, um so den Vormarsch alliierter Kräfte zu behindern. Eine Hälfte jedenfalls sei damals detoniert, so Zimmermann. Aber eben nur eine – weswegen nun noch rund acht Jahrzehnte lang der Sprengstoff in Großbottwar nahe der Brücke lag.

Eine Drohne sucht nach Menschen

Unterdessen suchte die Drohne mit einer Wärmebildkamera nach Menschen im Wald, die von dem Fund und der Sprengung bei Lembach noch nichts mitbekommen haben könnten. Zwei Impfbusse wurden am Abend zweckentfremdet und brachten die Lembacher zur Wunnensteinhalle. Dort kamen nicht nur Menschen aus den Gebäuden im 500-Meter-Sicherheits-Radius zusammen, auch der ein oder andere Großbottwarer, der nicht im Sperrgebiet wohnt, brachte sich vorsichtshalber in Sicherheit. Ein Ehepaar aus Hof, das seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, hätte nicht aus dem Haus gemusst. Aber: Vorsichtshalber hatten die Eheleute die Rollläden runtergelassen und sich zur Halle begeben. Man wisse ja nicht, wie weit so eine Druckwelle reiche. Ein wenig Sorgen hat auch die Enkelin von Eva-Maria Haug, zumal derzeit ja auch viele Bilder von Explosionen in der Ukraine im Fernsehen zu sehen sind. In der Wunnensteinhalle fühlte sich die Familie aber sicher.

Gegen 19.40 Uhr war die Evakuierung erfolgreich abgeschlossen. Um 22.50 Uhr sprengten die Experten. Anschließend konnten die Menschen wieder in ihre Häuser.

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