Gleich daneben ist die Küche, damit die Besucher bei Festen und anderen Veranstaltungen bewirtet werden können. Eine Kirche mit Küche ist eine ungeschriebene Bau-Regel der Methodisten und spiegelt wider, wie die Gemeindeglieder ihren Glauben verstehen, für den der Gemeinschaftsbegriff eine ganz zentrale Rolle spielt. Ebenfalls im Erdgeschoss befinden sich noch zwei Räume für die Gruppenarbeit, Sanitär- und Lagerräume sowie das Pastorat, also das Pfarrbüro des Kirchenbezirks, zu der neben Plochingen die ehemals selbstständigen Gemeinden von Hochdorf und Deizisau gehören.
Finanzierung auch durch den Verkauf von drei Kapellen in Deizisau
Über den Räumen für das Gemeindezentrum befinden sich im ersten Obergeschoss sechs modern ausgestattete Sozialwohnungen, für die die Stadt Plochingen zwar das Belegungsrecht hat, die aber vom evangelisch-methodistischen Kirchenbezirk vermietet werden. Die Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnungen sind zwischen 40 und 90 Quadratmeter groß. Schneidemesser geht davon aus, dass sie noch im Juli bezugsfertig sind und spätestens ab dem 1. September vermietet werden können. Im Stockwerk darüber befinden sich zwei bis drei Dienstwohnungen für den Pastor oder die Pastorin, den Hausmeister oder die Hausmeisterin und einen weiteren Mitarbeitenden.
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Insgesamt investiert der evangelisch-methodistische Kirchenbezirk 3,2 Millionen Euro in sein neues Gemeindezentrum. 1,4 Millionen werden über Kredite finanziert, 170 000 Euro sind an Spenden zusammengekommen. Mit knapp 1,8 Millionen stammt ein Großteil der Summe aus dem Verkauf der drei Kapellen in Deizisau, Hochdorf und Plochingen. Das Objekt an der Plochinger Bergstraße 66 wurde vom Reha-Verein zum Aufbau sozialer Psychiatrie im Landkreis Esslingen gekauft. Die Kapelle in der Kirchstraße 3 in Hochdorf sicherte sich die Gemeinde Hochdorf, die das Gebäude für die Vereinsarbeit nutzen möchte. Die Christuskapelle in der Deizisauer Klingenstraße 8 wird derzeit von einem privaten Investor abgerissen, der auf dem Grundstück Wohnungen bauen möchte. „Für uns hatte sich einfach die Frage gestellt, wie sich der Kirchenbezirk für die Zukunft aufstellen möchte“, erläutert Schneidemesser den Hintergrund der Neustrukturierung des Kirchenbezirks.
Auch ein Café soll seine Pforten öffnen
Neu aufgestellt und ausgebaut soll auch die sozial-diakonische Ausrichtung werden. „Wir wollen an unser Konzept vom Treff am Berg anknüpfen“, sagt Schneidemesser. Dort hatte die evangelisch-methodistische Gemeinde an der Bergstraße 66 in Plochingen jeden Dienstag zum Tagestreff mit Mittagstisch eingeladen. Zudem boten zwei Mitarbeiterinnen der Evangelischen Gesellschaft (eva) Beratungsgespräche an. Einen Mittagstisch wird es im neuen Gemeindezentrum allerdings nicht mehr geben, weil der genau gegenüber im evangelischen Gemeindehaus drei Mal in der Woche von der Arbeiterwohlfahrt angeboten wird – derzeit wegen Corona nur zum Mitnehmen.
Martin Schneidemesser versteht das Neubauprojekt mit dem Gemeindezentrum und den Wohnungen als „Quartiershaus für Plochingen“. Je nachdem, wie viele ehrenamtliche Mitarbeiter sich finden, sollen dort an möglichst vielen Tagen ein Café seine Pforten öffnen und mindestens einmal in der Woche von der eva Beratungsgespräche angeboten werden. „Zu diesem Konzept gehört auch, dass Menschen hier wohnen“, erläutert der Pastor.
Er hofft darauf, dass sich die neuen Bewohner in die geplante Sozialarbeit einbringen werden. „Uns geht es darum, Gemeinschaft anzubieten und soziale Kontakte zu ermöglichen“, sagt er. Für Schneidemesser selbst wird der Einweihungsgottesdienst am 12. September zugleich der letzte Gottesdienst als Pastor des Kirchenbezirks Plochingen sein. Er übernimmt innerhalb seiner Kirche Sonderaufgaben und wird sich künftig um die Verwaltung der Immobilien der evangelisch-methodistischen Kirche in ganz Süddeutschland kümmern. Seine Nachfolgerin in Plochingen ist Almuth Zipf, die bislang Pastorin in Esslingen war. Sie wird am Sonntag, 19. September, in ihr neues Amt eingeführt.