Evangelische Gemeinde in Korntal-Münchingen Brüdergemeinde arbeitet an ihrem Image

Dieter Weißer und Johannes Luithle (von links) Foto: Jürgen Bach

Die evangelische Brüdergemeinde in Korntal-Münchingen hat turbulente Jahre hinter sich. Inzwischen hat sie ein neues Leitungsteam.

Ludwigsburg: Franziska Kleiner (fk)

Die Aufregung war groß innerhalb der evangelischen Brüdergemeinde, als Detlev Zander vor rund zehn Jahren öffentlich machte, als Schutzbefohlener in einem Kinderheim der Brüdergemeinde missbraucht worden zu sein. Weitere Betroffene meldeten sich, es waren die ersten Fälle dieser Art, die die evangelische Landeskirche im Süden Deutschlands erschütterte. Auch deshalb war das Interesse der Öffentlichkeit an der Reaktion der Brüdergemeinde so groß und ist es nach wie vor.

 

„Kein geschlossener Club“

Vor allem das Leitungsgremium – der weltliche Vorsteher sowie der Pfarrer, der in der Brüdergemeinde die Bezeichnung geistlicher Vorsteher trägt, waren seitdem gefordert. Denn plötzlich standen sie im Fokus, waren auch mit ihrem Image konfrontiert, ein strenggläubiger nahezu in sich geschlossener Kreis zu sein.

Der geistliche Vorsteher Johannes Luithle sagt heute: „Wir sind kein geschlossener Club für Alteingesessene.“ Luithle ist ordinierter Pfarrer der Württembergischen Landeskirche und war zuvor Direktor der Liebenzeller Mission, eher er vor rund einem Jahr mit gut 98 Prozent der Stimmen von den Gläubigen der Brüdergemeinde gewählt worden war. Der Mittfünfziger folgte auf Pfarrer Jochen Hägele, „Ich erlebe ein sehr hohes ehrenamtliches Engagement in der Gemeinde,“ sagt der geistliche Vorsteher Johannes Luithle.

Er steht mit dem weltlichen Vorsteher Dieter Weißer an der Spitze der Diakonie der Brüdergemeine. Die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals begleitet sie weiter – und doch muß vor allem Weißer angesichts steigender Kosten und des Fachkräftemangels über Kooperationen unterschiedlichster Art nachdenken. Das Bild der Brüdergemeinde in der Öffentlichkeit wandelt sich.

Die 1819 gegründete evangelische Brüdergemeinde Korntal ist als selbstständige evangelische Gemeinde vertraglich mit der Evangelischen Landeskirche in Württemberg verbunden. Ihr gehören rund 1500 Mitglieder an. Zudem ist sie träger Diakonie, die mehrere Einrichtungen unter anderem der Alten- und der Jugendhilfe sowie einen Schulbauernhof betreibt und dabei für rund 600 Mitarbeiter verantwortlich ist.

Die Brüdergemeinde mit ihren angegliederten Einrichtungen sei „etwas besonderes“, sagt Dieter Weißer auch über seine Motivation, sich für die Leitungsfunktion in Korntal interessiert zu haben. „Das gibt es nicht oft in Deutschland.“

Und doch muss sich auch die Diakonie überlegen, wie sie Zukunft gestalten will – denn auch hier steigen die Kosten und das Personal fehlt.

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