Evangelische Gemeinde in Leonberg Nachhaltigkeitsfasten und Optimismuspflege

Von Ulrike Otto 

Die Landeskirche will in der Fastenzeit etwas gegen Pessimismus tun, die Leonberger Kirchengemeinde dagegen etwas fürs Klima.

Um Klimaschutz und Nachhaltigkeit geht es bei der Fastenaktion der evangelischen Kirche Leonberg-Nord. Foto: dpa/Marcel Kusch
Um Klimaschutz und Nachhaltigkeit geht es bei der Fastenaktion der evangelischen Kirche Leonberg-Nord. Foto: dpa/Marcel Kusch

Leonberg - Wann ist genug genug? Und wie viel ist eigentlich genügend oder zu viel? Mit diesen Fragen setzt sich die evangelische Kirchengemeinde Leonberg-Nord diesmal in der Fastenzeit auseinander. Sie beteiligt sich an der Aktion „Klimafasten“ mit mehreren Gottesdiensten und Themenabenden, die den Fokus auf verschiedene Aspekte der Nachhaltigkeit legen. Der Name der Aktion lautet „So viel Du brauchst“.

„Eine ‚Ethik des Genug’, die die beiden Kirchen schon lange fordern, wird immer plausibler und ist dringend geboten“, sagt der Pfarrer Matthias Krack, der die Aktion innerhalb der Kirchengemeinde leitet, unterstützt vom Umweltteam „Grüner Gockel“ und in Kooperation mit der Evangelischen Erwachsenenbildung. Die Klimafastenaktion biete vielfältige Anregungen zur Einübung in eine solche „Ethik des Genug“. „Bei ihr geht es darum, dass alle – die gegenwärtige Generation wie auch künftige Generationen – genug zum Leben haben. Aber es geht auch darum, dass die, die zu viel haben, es genug sein lassen können“ erläutert Krack.

CO2, Essen und Plastik

Den Auftakt zum Klimafasten bildet der Gottesdienst am Sonntag, 1. März, um 10 Uhr in der Leonberger Stadtkirche, den Krack mit der Bildungsreferentin der Erwachsenenbildung, Monika John, leitet. Dazu gibt es drei Themenabende im Blumhardtsaal der Blosenbergkirche (Schleiermacherstraße 41). Gleich am Dienstag, 3. März, lautet das Thema „Der CO2-Fußabdruck und wir“. Weiter geht es am Dienstag, 17. März, mit „Zu schade für die Tonne – Lebensmittel retten“, und am Dienstag, 7. April, mit „Plastik ist in die Schlagzeilen geraten – wie will ich damit umgehen?“. Beginn ist jeweils um 19 Uhr. Begleitet wird die ganze Aktion durch wöchentliche Fastenbriefe, die von Frauen und Männern aus dem Leonberger Kirchenbezirk verfasst werden und Impulse zur Fastenzeit geben sollen. So ist jede Woche einer anderen Frage gewidmet, mit der sich die Klimafastenden auseinandersetzen sollen.

Glücklich durch Verzicht?

Um Nachhaltigkeit geht es auch im Nachtgedanken-Gottesdienst am Sonntag, 5. April, um 18.30 Uhr in der Stadtkirche. Der Gottesdienst zum Thema „Glücklich durch Verzicht“ wird von Dekan Wolfgang Vögele und Pfarrerin Juliane Lehmann gestaltet. Die evangelische Kirche widmet sich schon längere Zeit dem Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit. So gibt es bereits seit dem Jahr 2000 die Aktion „Grüner Gockel“ zum Umweltmanagement in der Landeskirche Württemberg. Das Spektrum reicht von umweltfreundlichen Reinigungsmitteln bis hin zu Initiativen, die Betriebskosten wie etwa für die Heizung oder den Wasserverbrauch senken. In Leonberg gibt es die Umweltgruppe seit 2004, das Zertifikat gab es 2006.

In Deutschland beteiligen sich auch mehrere evangelische Landeskirchen an der ökumenischen Aktion Klimafasten. Die württembergische Landeskirche dagegen macht mit bei der bundesweiten Fastenaktion „Sieben Wochen ohne“, die in diesem Jahr lautet: „Zuversicht! Sieben Wochen ohne Pessimismus.“ Das „Fasten im Kopf“ solle dazu anregen, Zukunftsängste und Misstrauen zu überwinden.

Hoffnung ist zentrale kirchliche Botschaft

Der Leonberger Pfarrer Matthias Krack sieht durchaus eine Verbindung zwischen beiden Themen. „Viele Menschen haben das Gefühl, in einer apokalyptischen Zeit zu leben. Alles geht kaputt, alles geht zugrunde. Das ist auch ein Stück weit die Lust am Untergang“, sagt Krack. Er habe zuletzt ein Buch von Carola Rackete gelesen, die als Kapitänin der „Sea-Watch 3“ Menschen aus Seenot gerettet hatte und sich bei den Klimaaktivisten von „Extinction Rebellion“ engagiert.

„Sie schreibt, dass Hoffnung für sie kein Konzept mehr darstellt“, berichtet der Pfarrer. „Die Kirche hat da doch eine andere Botschaft zu vermitteln.“ Die Hoffnung sei nach wie vor wichtig, um wieder ins Handeln zu kommen und nicht im Fatalistischen hängen zu bleiben. Denn wer keine Hoffnung mehr hat, etwas durch sein Tun verändern oder retten zu können, der gebe auf und tue eben auch nichts mehr. Eine Sichtweise, die sehr aktuell zu den weltweiten Klimabewegungen passt. Die aber auch universell auf sämtliche Kriege und anderen Krisen anwendbar ist, aber auch auf persönliche Probleme. An dieser Stelle soll das Pessimismusfasten ansetzen. Die Aktion wolle die Menschen dazu ermuntern, auch in schwierigsten Lebensphasen zu sehen, wie viel Verstand, Mut und Können in ihnen stecke, heißt es dazu in der Ankündigung.

Alle Infos

Klimafasten:
Die Fastenbriefe können online über die Homepage der Erwachsenenbildung www.ewb-leonberg.de oder unter der Telefonnummer 0 71 52 / 94 70 30 angefordert werden. Weitere Informationen im Internet gibt es auf www.klimafasten.de sowie unter dem Namen „So viel Du brauchst“ bei Facebook und Instagram.

Sieben Woche ohne
: Fastenbriefe zu „Sieben Wochen ohne Pessimismus“ gibt es auf www.7wochenohne.evangelisch.de. Dort gibt es auch alle Informationen rund um die ökumenische Fastenaktion.




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