Evangelische Gemeinde in S-West Mit dem heiligen Paulus für die Zukunft

Von Leonie Rothacker 

Die evangelische Paulusgemeinde in Stuttgart hängt zum Klimaprotest ein Banner an die Kirche, das die Bewahrung der Schöpfung anmahnt. Beim Klimaschutz in der Gemeindearbeit ist indes noch Luft nach oben.

Pfarrerin Sabine Löw (links) und Kirchengemeinderätin Julia Keinarth-Uhland setzen sich mit den Konfirmanden fürs Klima ein. Foto: Leonie Rothacker, Oliver Röckle
Pfarrerin Sabine Löw (links) und Kirchengemeinderätin Julia Keinarth-Uhland setzen sich mit den Konfirmanden fürs Klima ein. Foto: Leonie Rothacker, Oliver Röckle

S-West - An der Pauluskirche im Stuttgarter Westen ist seit Mittwoch auf einem grünen Banner zu lesen: „Die Erde wurde uns von Gott anvertraut.“ Auf zehn mal 2,50 Meter mahnt der Spruch unter dem Motto „Paulus for Future“ zu mehr Klima- und Umweltschutz.

Illustriert wird die Aussage von einem mit selbstgemalten Tieren geschmückten Planeten. „Die haben unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden im Unterricht gezeichnet“, erzählt Kirchengemeinderätin Julia Keinarth-Uhland. Die hauptberufliche Architektin hat die Zeichnungen mit einem Grafikprogramm auf dem Banner arrangiert. Am Kirchturm aufgehängt wurde es von den „Konfis“, dem Mesner und anderen Gemeindemitgliedern mit Kletterseilen.

Schon im September aktiv

Für die Paulusgemeinde war das nicht die erste Aktion dieser Art: Bereits zum vergangenen Klimaprotest am 20. September hatte sie ein Banner auf der anderen Seite des Kirchturms angebracht. „Die Idee hatten wir damals erst in der Sitzung am Mittwoch vor der Demo“, erzählt Keinarth-Uhland. Dementsprechend improvisiert steht auf dem weißen Banner aus Gerüstnetz in schwarzer Sprayfarbe „Laudato si – Schützt unsere Erde!“.

Mit den Bannern möchte die Paulusgemeinde für mehr Klimaschutz werben: „Wir wollen als Kirche Farbe bekennen und aktiv werden“, so Pfarrerin Sabine Löw, „die Bewahrung der Schöpfung ist schließlich ein ureigenes Anliegen der Kirche“. Bewusst habe man sich bei dem zweiten Banner gegen eine Formulierung als Appell entschieden und wolle sich stattdessen „auch an die eigene Nase packen“.

Beschlossen sei bereits, dass die Gemeinde für Veranstaltungen nur noch nachhaltige Produkte kauft – also regional und saisonal. Auf ein vegetarisches oder veganes Essensangebot will Julia Keinarth-Uhland sich aber nicht festlegen: „Ich finde das grundsätzlich gut, aber ich denke, dass man solche Maßnahmen nicht rigoros, sondern mit Sinn und Verstand umsetzen sollte.“

Sabine Löw berichtet, man plane außerdem, sich der Paul-Gerhardt-Gemeinde anzuschließen, was nachhaltiges Gebäudemanagement betrifft. Beide Gemeinden sowie die Johannesgemeinde schließen sich mit der Kirchenwahl am 1. Dezember ohnehin zur „Evangelischen Kirchengemeinde Stuttgart-West“ zusammen und werden fortan alle Entscheidungen zur Nachhaltigkeit gemeinsam treffen. „Wir haben da noch Luft nach oben und wir wissen, dass wir anfangen müssen“, räumt die Pfarrerin ein. Weitere Pläne, die Gemeindearbeit klimafreundlicher zu gestalten, gebe es aber noch nicht. Julia Keinarth-Uhland sagt, man sehe sich auch nicht als Vorbild und Entscheidungsträger in einer Reihe mit Politik und Wirtschaft, sondern nur als mitverantwortlich.

„Beten und handeln“

Entsprechend will die Gemeinde beim Klimaprotest präsent sein und selbst an Politik und Wirtschaft appellieren. Unter dem Motto „Starkes Blech for Future“ schickt sie ihren Posaunenchor zum Spielen auf die Demo. „Der heilige Paulus ist ja auch for Future“, beschreibt Keinarth-Uhland die Verbindung der Gemeinde zu den Protesten von Fridays for Future. Der Apostel Paulus steht allerdings auch für das Erwarten der Endzeit und den Glauben daran, dass der Messias die Gläubigen schon erlösen wird. Mit dieser Ansicht sind die Pfarrerin und die Kirchengemeinderätin nicht ganz einig: Sie hätten lange überlegt, das Banner mit dem Spruch „Beten allein hilft nicht“ zu beschriften. „Ora et labora“ müsse das Motto sein, so Löw: „beten und handeln“.

Welche Handlungen den großen Worten folgen werden, bleibt bis nach der Kirchenwahl abzuwarten.

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