Evangelische Gemeinde in Sillenbuch Wieder Protest gegen Geläut

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2013 schien ein Kompromiss um die Läuteordnung der Martin-Luther-Kirche in Sillenbuch gefunden. Doch ein Anwohner wendet sich erneut mit einem Schreiben an die Gemeinde und verlangt, dass die Glocken seltener schlagen.

Manch Anwohner stört sich daran, dass die Kirchenglocken der Martin-Luther-Kirche schon früh morgens die Zeit mit einem Glockenschlag anzeigen. Foto: Cedric Rehman
Manch Anwohner stört sich daran, dass die Kirchenglocken der Martin-Luther-Kirche schon früh morgens die Zeit mit einem Glockenschlag anzeigen. Foto: Cedric Rehman

Sillenbuch - Es sei ein Segen, dass die Glocken aufgrund technischer Probleme derzeit schweigen, schreibt der Sillenbucher Bernd Lindemann an die evangelische Gemeinde. Er bittet in seinem Brief darum, dass dies so bleiben möge.

Das alte Jahr endete für die evangelische Gemeinde mit dem Defekt des Läutwerks der Kirchenglocken. Im neuen Jahr scheint nun ein altes Streitthema wiederzukehren. Erneut ist es Bernd Lindemann, der als Nachbar der Martin-Luther-Kirche Protest äußert. 2013 hatte er Unterstützung bei anderen Anwohnern gegen das aus seiner Sicht zu häufige Läuten gefunden.

Alte Auseinandersetzung

Es kam damals zu einer Aussprache zwischen 40 Sillenbuchern aus der Nachbarschaft der Martin-Luther-Kirche und Vertretern der Kirche. In der Folge änderte die Gemeinde die zuvor zum Unmut einiger Anwohner reformierte Läuteordnung wieder. Der Ärger hatte sich ursprünglich entzündet, weil die Glocken um 7 Uhr schlugen. Die Kirche änderte dies nach den Gesprächen, sodass das erste, drei Minuten lange Gebetsläuten um 8 Uhr erfolgte. Unverändert schlugen die Glocken auch nach der Aussprache um 12 und um 18 Uhr, um an das Gebet zu erinnern. Außerdem zeigten sie die volle Stunde mit einem Glockenschlag beginnend um 7 Uhr an.

Mit den Änderungen glaubte die Gemeinde, den Bedürfnissen der lärmempfindlichen Anwohner entgegengekommen zu sein. Doch zumindest für Bernd Lindemann scheint dies nicht zu gelten. Er fordert nun, dass die Kirche nicht mehr zur vollen Stunde mit einem Glockenschlag die Zeit anzeigen soll. Das sei eine „aus der Zeit gefallene, die Umwelt belastende Unmöglichkeit“, heißt es in seinem Schreiben an die Gemeinde. Zudem solle künftig das Gebetsläuten unterbleiben. Lindemann fordert, dass die Glocken nur noch bei kirchlichen Anlässen schlagen sollten. Dies gehöre dann, wie er schreibt ,,zum akustischen Heimatbild“.

Kritik an Baurs Vorgänger

Lindemann sagt, dass er den Zeitpunkt für günstig hält, das Thema wieder auf die Tagesordnung zu bringen. Nun sei Friedbert Baur als Nachfolger von Hans-Ulrich Gehring im Amt. Lindemann hofft, dass der neue Pfarrer eine andere Haltung gegenüber der Kritik von Anwohnern an der Läuteordnung einnimmt. In seinem Schreiben bezeichnet er das Verhalten Gehrings als autoritär. „Die Läuteordnung beruht auf den Entscheidungen einer einzelnen Person“, sagt er.

Die evangelische Gemeinde zeigt sich erstaunt über den erneuten Protest Lindemanns. Sowohl Pfarrer Friedbert Baur als auch der gewählte Vorsitzende des Kirchengemeinderats, Klaus Offterdinger, wollen zunächst abwarten, wie der Kirchengemeinderat über das Schreiben Lindemanns befindet.

Läuten als Kulturgut

Der Pfarrer Baur widerspricht Lindemanns Mutmaßungen über das Zustandekommen der später veränderten Läuteordnung. „Das beruht alles auf einer demokratischen Entscheidung des Kirchengemeinderats“, sagt er. Er hat Bernd Lindemann nun seinerseits einen Brief geschrieben. Darin heißt es unter anderem: „Dennoch gehört das Läuten zu unserer Kultur wie alte Kirchen, die man auch nicht abreißt, weil sie unzeitgemäß sind.“

Klaus Offterdinger vom Kirchengemeinderat ist davon überzeugt, dass die meisten Anwohner der Martin-Luther-Kirche mit der 2013 gefundenen Regelung gut leben können. „Es gibt auch solche, die sich bei uns melden, weil sie das Läuten vermissen“, sagt er. Offterdinger stellt klar, dass für ihn persönlich die Behebung der technischen Probleme kein Anlass sein sollte, etwas an der Läuteordnung zu ändern. Er könne sich nicht vorstellen, dass der Kirchengemeinderat wegen der Kritik eines Anwohners noch einmal in die grundsätzliche Debatte einsteigt, sagt er.

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