Bei der Herbstsynode schwingt die Unsicherheit vor den Einsparmaßnahmen des Landkreises überall mit. Emotional wurde es beim Thema Freizeitheim Stötten.
Bei der Sitzung der Herbstsynode des Evangelischen Kirchenbezirks Geislingen-Göppingen im Süßener Gemeindehaus blitzte sie beim Tagesordnungspunkt 4, dem Bericht des Dekans, als auch beim Thema Haushalt 2026 durch: die Angst vor den angekündigten Einsparmaßnahmen des Landkreises im gesamten diakonischen und sozialen Bereich. „Wir wurden aufgeschreckt“, so drückte sich Dekan Hartmut Zweigle in seinem Bericht aus, in dem es auch um die Diakonie ging. „Unser Kirchenbezirk hat unbestreitbar ein diakonisches Profil“, betonte Zweigle und machte unter anderem auf die eine Million Euro Kirchensteuermittel aufmerksam, die der Bezirk für seine vielfältigen Aufgaben in der Ehe-, Lebens- und Familienberatung, der Suchtberatung oder für die Familientreffs aufbringe.
Diakonische Arbeit ohne öffentliche Gelder nicht mehr möglich
Jedoch sei diese Arbeit ohne die öffentlichen Gelder so nicht mehr möglich. „Würde der Kreistag den vorgelegten Haushaltsplan so beschließen, würde uns das als Kirchenbezirk mit einer Million Euro zusätzlich belasten und rund zwölf Personalstellen betreffen“, machte der Dekan deutlich und forderte: „Wir müssen die Zeit bis zur Abstimmung im Kreistag am 12. Dezember nutzen, um deutlich zu machen, dass die Auswirkungen für die Hilfe suchenden Menschen bei Wegfall der Dienste erheblich wären.“
Sorge vor der Streichliste des Landkreises
Der Haushaltsplan 2026 des Kirchenbezirks Geislingen-Göppingen zeigte sich zwar, wie Bezirksrechnerin Stefanie Zimmermann später am Abend mitteilte, als „nicht ausgeglichen, aber als absolut vertretbar“. Aber auch dort schwingt die Sorge vor der Streichliste mit: „Wenn jedoch die Zuschüsse vom Landkreis nicht in voller Höhe kommen, trifft uns das voll ins Mark“, betonte sie. Auf die Frage eines Synodalen, was dann konkret geschehen müsse, machte Dekan Zweigle deutlich: „Dann müssen wir in der nächsten Synode einen Nachtragshaushalt über eine Million Euro einbringen.“
2,86 Millionen Euro Bezirksumlage
Etwa zehn Millionen Euro Kirchensteuerzuweisungen an die Kirchengemeinden des Bezirks gibt es im kommenden Jahr von der Landeskirche. Das ist mehr, als im vergangenen Jahr befürchtet wurde. 2,86 Millionen Euro daraus stehen dem Bezirk als Bezirksumlage für die Arbeit des Bezirks, der Diakonie, der Evangelischen Erwachsenenbildung und der beiden Jugendwerke Geislingen und Göppingen zur Verfügung. Um allen Aufgaben gerecht zu werden, müssen jedoch etwa 100.000 Euro aus den Rücklagen entnommen werden.
Freizeitheim Stötten macht jährlich 30.000 Euro Verlust
Spannend wurde die Sitzung nochmals, als es im Tagesordnungspunkt 12 um einen Grundsatzbeschluss zum Verkauf des Stöttener Freizeitheims ging. Dieses ist stark renovierungsbedürftig und macht auch sonst im laufenden Betrieb, wie Zimmermann ausführte, jährlich 30.000 Euro Verlust. Darüber hinaus besitzt der Kirchenbezirk Geislingen-Göppingen mit dem Freizeitheim Rötenbach ein weiteres Freizeitheim. Die Synodalen sollten sich dafür entscheiden, dass das Stöttener Heim mitsamt dem Holzhaus auf dem Gelände, in dem sich ein von der Kirchengemeinde Stötten genutzter Gemeinderaum befindet, grundsätzlich verkauft werden darf. Die Wiese, die zum Freizeitheim gehört, sei jedoch im Besitz der Pfarrgutverwaltung der Landeskirche, darauf machte die Bezirksrechnerin aufmerksam.
Über den Verkauf entspann sich eine heftige Debatte. „Unsere Gemeindearbeit ist ohne das Holzhaus nicht möglich. Da mache ich nicht mit, auf keinen Fall“, ereiferte sich der Stöttener Kirchengemeinderat Matthias Kohn und Pfarrer Tobias Kaiser bekräftigte ihn, indem er auf die „enorme Bedeutung“ des Holzhauses für die die dörfliche Infrastruktur hinwies. Es aus den Verkaufsverhandlungen herauszunehmen, sei jedoch nicht möglich, betonte der Bezirksvorsitzende Jens-Uwe Veil. Nach minutenlangem Hin und Her unterschiedlicher Beteiligter einigte sich die Synode darauf, das Freizeitheim zu verkaufen (mit 8 Gegenstimmen und 14 Enthaltungen) und den KBA damit zu beauftragen (mit 14 Nein-Stimmen und 18 Enthaltungen).
Waldheim-Arbeit
Abstimmung
Einstimmig wurde beschlossen, dass für die Waldheim-Arbeit, die seit Jahrzehnten auf dem Gelände des Freizeitheims Stötten in den Sommerferien stattfindet (auch 2026 nochmals), ab 2027 eine tragfähige Lösung gefunden werden soll. Dafür werde im kommenden Frühjahr eine Arbeitsgruppe gebildet, informierte Veil.
Gemeindearbeit
Auf den Vorschlag eines Synodalen hin entschied sich die Synode (mit 7 Gegenstimmen und 17 Enthaltungen) noch für einen weiteren Zusatz: dass auch für die Gemeindearbeit vor Ort eine tragfähige Lösung gefunden werden soll.