Evangelische Kirchengemeinde Sillenbuch Ein Student ist neuer Dirigent und Organist

Von Eveline Blohmer 

Der 20-jährige Paul Nickel begleitet die Gottesdienste in der Martin-Luther-Kirche an der Orgel. Was er im Studium der Kirchenmusik lernt, setzt er von Mitte September an auch als Dirigent des Kirchenchors in die Praxis um.

Paul Nickel freut sich auf neue Chormitglieder. Foto: Eveline Blohmer
Paul Nickel freut sich auf neue Chormitglieder. Foto: Eveline Blohmer

Sillenbuch - Paul Nickels Zugang zur Musik ist kein auditiver: Er macht sie lieber selbst. Dafür greift der 20-Jährige aber nicht wie viele seiner Altersgenossen zu Drumsticks, Plektrum oder an die Plattenteller, sondern in die Tasten. Nickel studiert im dritten Semester Kirchenmusik und Orgel an der Musikhochschule Stuttgart und zieht seit diesem Frühjahr die Register an der Orgel in der Martin-Luther-Kirche in Sillenbuch. Vom 15. September an leitet der junge Mann außerdem den Chor der evangelischen Kirchengemeinde Sillenbuch.

„Ich hatte vor dem Studium Unterricht bei Tobias Wittmann, der früher in Sillenbuch war“, erzählt Nickel, der aus der Nähe von Böblingen stammt und „katholisch kirchlich sozialisiert“ wurde, wie es ihn in die Gemeinde verschlagen hat. Dass einer, der Kirchenmusik und Orgel studiert, sonntags in einem Gotteshaus spielt, ist laut Nickel nicht ungewöhnlich: Mindestens die Hälfte seiner Kommilitonen habe eine Stelle. „Man bekommt einen Einblick in die Praxis, und es ist auch nicht schlecht bezahlt“, sagt Nickel.

Studieninhalte praktisch erproben

Zehn Wochenstunden investiert der Organist und designierte Dirigent in die musikalische Gemeindearbeit. Drei bis fünf Stunden übt er täglich die koordinativ anspruchsvolle Bedienung seines Instruments, die restliche Zeit widmet er sich dem Studium. Auf dem Lehrplan stehen neben der Orgel beispielsweise Improvisation, Chor- und Orchesterleitung, Musiktheorie, Gehörbildung, Klavier, Gesang, Liturgik und Gregorianik. Nickel ist damit gewappnet für die Begleitung der Gottesdienste, bei denen er weitgehend und im Wortsinn freie Hand hat, über die vom Pfarrer festgelegten Lieder zu improvisieren. „Das ist das Spannende an der Orgel: Durch die Improvisation hat man einen ganz anderen, viel freieren und kreativeren Zugang zu der Musik“, sagt Nickel.

Den Weg an die Orgel hat er über seinen Vater gefunden, der selbst Orgelstunden genommen hatte, als sein Spross etwa neun Jahre alt war. Nickel senior hat es dann wieder sein lassen, aber „der Samen war gesät“, wie Paul Nickel lachend bemerkt. Erste Früchte kann er nun ernten: Die Resonanz, die er auf sein sonntägliches Spiel aus der Gemeinde bekommt, lasse ihn den Eindruck gewinnen, „dass man ganz zufrieden mit mir ist“. Er ist es ebenfalls, denn Sillenbuch sei eine sehr singstarke Gemeinde.

Populärmusikalische Elemente

Wie singstark sie sind, können die Gemeindemitglieder auch in dem Chor beweisen, den Nickel demnächst übernimmt. Wobei die Mitsänger laut Nickel „nicht den Druck verspüren sollen, supergut singen zu müssen“. Ihm geht es um die Freude am Singen, er will, wie er sagt, fördern, aber nicht überfordern. Außerdem soll das Repertoire des Chors mit populärmusikalischen Elementen modernisiert und der Chor im Gottesdienst präsenter werden – für den auditiven Zugang zu Gott.

Mitsingen

Wer seine Stimme im Kirchenchor einbringen möchte, kann sich an Paul Nickel wenden per E-Mail an paul-nickel@gmx.de. Die erste Probe ist am Donnerstag, 24. September, im Äckerwaldzentrum am Gosheimer Weg 1. Beginn ist um 20 Uhr.

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