Evangelische Landeskirche in Württemberg Öffnung für Homo-Paare in Kirche geplatzt

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In der Synode der Evangelischen Landeskirche ist am Mittwoch wieder ein Versuch gescheitert, die Tür für eine öffentliche Segnung von gleichgeschlechtlichen Ehepaaren zu öffnen.

Dieses Bild wird es in evangelischen Kirchen in Württemberg auch weiterhin nicht geben:   Eine gleichgeschlechtliche Trauung in der Marienkirche in Berlin Foto: dpa
Dieses Bild wird es in evangelischen Kirchen in Württemberg auch weiterhin nicht geben: Eine gleichgeschlechtliche Trauung in der Marienkirche in Berlin Foto: dpa

Stuttgart - Robby Höschele hat es nicht mehr ausgehalten. Kurz nachdem in der Synode der Evangelischen Landeskirche Württembergs am Mittwoch der Versuch gescheitert war, die Tür für eine öffentliche Segnung von gleichgeschlechtlichen Ehepaaren wenigstens ein bisschen zu öffnen, hat der Kirchenparlamentarier den Ort des Geschehens verlassen. „Ich schäme mich als Mitglied dieser Synode zutiefst für dieses Ergebnis vor jenen vielen Menschen, die so sehr gehofft haben und auf eine andere Entwicklung warten“. So teilte der Referent im Evangelischen Jugendwerk und Diakon via Twitter seine Gemütslage mit. Ähnlich wie er empfanden einige von der Gruppe Offene Kirche. „Es gab Tränen auf der Zuschauertribüne und in unserem Gesprächskreis“, berichtet der Vorsitzende Martin Plümicke.

Um das Ergebnis zu verdauen und sich selbst zu sortieren, beantragte die Gruppe direkt nach der Abstimmung eine halbstündige Auszeit. Dass die geplante Reform aber nur schwer die notwendige Zweidrittel-Mehrheit bekommen würde, hatte sich abgezeichnet. Denn zahlreiche Synodale der pietistisch geprägten Lebendigen Gemeinde, die deutlich mehr als ein Drittel der Sitze in der Synode inne hat, hatten ihre Bedenken zum Ausdruck gebracht. Angesichts dessen wurde es am Ende sogar überraschend knapp. 62 von 96 anwesenden Kirchenparlamentariern votierten für den Entwurf. Mit zwei Stimmen mehr wäre die Neuerung beschlossen gewesen.

Der Entwurf war den Konservativen weit entgegen gekommen

Diese sollte den Konservativen eigentlich weit entgegen kommen. Denn der Vorschlag des Oberkirchenrats lief darauf hinaus, die Entscheidung darüber, ob gleichgeschlechtliche Ehepaare künftig im Rahmen eines öffentlichen Gottesdienstes als Ausnahme gesegnet werden dürfen, den einzelnen Gemeinden zu überlassen. Dafür sollten eine Dreiviertel-Mehrheit im Gemeinderat sowie die Zustimmung des jeweiligen Pfarrers Voraussetzung sein. Außerdem sollte ausdrücklich nicht von einer „Trauung“ gesprochen werden, um auf diese Weise den Unterschied zu einer Ehe zwischen Mann und Frau deutlich zu machen. „Der Entwurf bleibt weit hinter meinen Hoffnungen und Erwartungen zurück“, sagte zum Beispiel Sabine Foth von der Offenen Kirche dazu. Dennoch votierten die Vertreter dieser Gruppe offenbar für den Kompromiss. „Wir wollten wenigstens einen kleinen Fortschritt für die Betroffenen erreichen“, erläutert Plümicke.

Aber auch die Vertreter anderer Gruppen zeigten sich hernach enttäuscht. „Das ist ein bitterer Tag für homophile Paare und unsere Landeskirche“, meinte der Dekan Ernst-Wilhelm Gohl von Evangelium und Kirche. So werde die Gewissensfreiheit der Pfarrer missachtet, die die Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren aus ihrem Glauben heraus für geboten hielten. Götz Kanzleiter von Kirche für morgen kritisierte wiederum die „Blockadehaltung“ der Lebendigen Gemeinde, aber auch das Drängen der Offenen Kirche. Aus der Lebendigen Gemeinde hieß es, man habe um eine Entscheidung gerungen. Vor allem habe der Streit um dieses Thema nicht in die Gemeinden getragen werden sollen.

Die Frage soll nicht ruhen

In der Debatte hatten Mitglieder dieses Gesprächskreises klar gemacht, dass sie keine Diskriminierung von Homosexuellen wollten. Diese seien ebenfalls von Gott geliebt. Sie hätten selbstverständlich genauso Raum in der Kirche wie alle anderen, betonte der Dekan Ralf Albrecht. Mit Blick auf Bibel und Bekenntnis sollten gleichgeschlechtliche Partnerschaften aber nicht so anerkannt werden, wie die Ehe zwischen Mann und Frau.

Die Frage der öffentlichen Segnung will der Landesbischof freilich auch nach dem Beschluss nicht ruhen lassen. Fast Zweidrittel der Synode hätten sich für die Reform ausgesprochen, sagt Frank Otfried July. Das Votum spiegele die Stimmung an der Basis. „Ich verstehe das als Verpflichtung, in dieser Sache weiter aktiv zu bleiben“, betont er. Auch Plümicke hält es für möglich, dass noch in dieser Legislatur die Frage erneut auf die Tagesordnung der Synode kommt: „Wir werden nicht locker lassen.“