Evangelischer Kirchenbezirk Leonberg Jede vierte Pfarrstelle wird gestrichen
Der Kirche laufen die Mitglieder weg. Das hat hat auch im Bezirk Leonberg Auswirkungen: Die Synode beschließt einen harten Personalabbau.
Der Kirche laufen die Mitglieder weg. Das hat hat auch im Bezirk Leonberg Auswirkungen: Die Synode beschließt einen harten Personalabbau.
Es geht um Abschied von lieb Gewonnenem – gepaart mit Sorge um die Zukunft. Es gilt, schmerzhafte Entscheidungen zu treffen, bei denen Vernunft gefragt ist. Bereits zum Auftakt der Herbstsynode des evangelischen Kirchenbezirks Leonberg hat der Schuldekan Andreas Hinz im Haus der Begegnung das thematisiert, was die Synodalen als Vertreter der Kirchengemeinden bewegt. Sind sie es doch, die als das Parlament des Kirchenbezirks die Entscheidungen treffen. Und es sind tiefgreifende, mit ihnen gehen bis 2030 große Änderungen in der kirchlichen Landschaft rund um Leonberg einher.
Die Synode ist das wichtigste Gremium der Selbstverwaltung, dem Laien und Geistliche angehören. Sie tagt zweimal im Jahr. Jede Gemeinde entsendet Delegierte. Im Kirchenbezirk Leonberg sind Mitglieder der Bezirkssynode die von den Kirchengemeinderäten gewählten Bezirkssynodalen.
Der Synode gehören unter anderen die Pfarrerinnen und Pfarrer an, ferner die Dekanin, der Schuldekan, der Kirchenbezirksrechner, der Vorsitzende des Diakonischen Bezirksausschusses und Vertreter des Bezirksjugendwerks. Vorsitzender der Bezirkssynode ist Thomas Vogel, der ehemalige Rektor der Hochschule Biberach.
Die rückläufige Zahl an Gemeindegliedern bedeutet weniger Kirchensteuer und damit engere Spielräume. Die Landessynode und der Oberkirchenrat geben die große Linie vor. Vor Ort müssen die Gemeinden tragbare Lösungen finden, die dann die Bezirkssynode beschließt, wie jetzt den Pfarrplan 2030.
Der ist nichts anderes als die von der Landeskirche beschlossene Reduzierung der Pfarrstellen um 25 Prozent. Damit, wie es im amtlichen Kirchendeutsch heißt, die angestrebte Pastorationsdichte erreicht wird, also das Verhältnis zwischen der Anzahl der Gemeindeglieder und der Pfarrerinnen und Pfarrer. „Diese liegt in unserem Bezirk bei 2500 Gemeindegliedern pro Pfarrstelle“, erläuterte die Leonberger Dekanin Gabriele Waldbaur. Ausgangspunkt für den Pfarrplan 2030 ist der Stand der Stellenbesetzung im Jahr 2024 in den drei Distrikten des Kirchenbezirks Leonberg.
Distrikt 1: Für das Stadtgebiet Leonberg sieht der Pfarrplan 2030 vor, dass von der 100-Prozentstelle in Gebersheim, davon 50 Prozent Dienstauftrag in Leonberg Nord, lediglich letzterer verbleibt. Die Pfarrstelle Höfingen (100 Prozent) bleibt erhalten, ebenso die Pfarrstelle an der Stadtkirche (100 Prozent). Die Pfarrstelle im Ramtel wird gänzlich gestrichen. In Eltingen bleibt die Pfarrstelle West (100 Prozent) erhalten, die 75-Prozentstelle Eltingen Ost fällt dem Rotstift zum Opfer. Von der Pfarrstelle Warmbronn, die 25 Prozent Dienstauftrag in Eltingen beinhaltet, bleibt ein 50-Prozent-Einsatz in Warmbronn übrig.
Distrikt 2: Die Würmtalgemeinde Münklingen-Hausen und die Gemeinde Schafhausen verlieren ihre 50-Prozent-Stellen, dafür bleibt die komplette Pfarrstelle in Merklingen erhalten. In Weil der Stadt verbleibt ebenso eine ganze Stelle. Allerdings sind die Kirchengemeinden Weil der Stadt und Schafhausen in einem Fusionsprozess der zum 1. Januar 2025 abgeschlossen sein soll. Von den beiden Pfarrstellen in Renningen bleibt nur Renningen Süd übrig. Auch Malmsheim behält eine ganze Stelle, mit eventuellem Dienstauftrag in Renningen.
Distrikt 3: Die Gemeinden Rutesheim, Perouse und Silberberg streben bis spätestens 2030 einen Verbund oder eine Fusion an. Ihnen stehen dann anderthalb Pfarrstellen zu. Auch Weissach (100 Prozent) und Flacht (75 Prozent) wollen zusammengehen. Hier soll noch geklärt werden, welche der beiden Pfarrstellen mit 100 Prozent erhalten bleibt. Die Enzkreisgemeinden, die jede eine Pfarrstelle haben, müssen noch klären an welchen Standorten zwei Pfarrstellen mit je 100 Prozent erhalten bleiben
Erhalten bleiben soll auch die bei der Dekanin angedockte Stelle der Pfarrer zur Ausbildung. Diese ist im Bezirk vor allem wichtig, wenn eine Vakanz entsteht und Ersatz benötigt wird. Zudem will der Bezirk versuchen, eine von der Landessynode in diesem Frühjahr beschlossene „Transformationsstelle auf Dekanatsebene“ zu bekommen. Diese ist auf sechs Jahre begrenzt.
Mit 49 Ja-Stimmen bei drei Enthaltungen hat die Bezirkssynode dem Pfarrplan 2030 für den Kirchenbezirk Leonberg zugestimmt. Nach den Beratungen mit dem Oberkirchenrat wird es dann auf der Landessynode 2024 beschlossen.