Evangelischer Verein Fellbach Mitarbeiter via Social Media gesucht

Die Aktion des Evangelischen Vereins Fellbach zum Tag der Pflege ist auch in dem Video zu sehen, mit dem die Verantwortlichen neue Fachkräfte gewinnen wollen. Foto: Eva Schäfer

Die Diakoniestation des Evangelischen Vereins spürt den Fachkräftemangel täglich. Fällt ein Mitarbeiter des ambulanten Pflegedienstes aus, ist die Betreuung kaum aufrechtzuerhalten. Nun sucht die Einrichtung mit einem Video neue Mitarbeiter.

Rems-Murr: Simone Käser (sk)

Echte Mitarbeiter, echte Patienten, echte Einblicke und jede Menge Ballons, die am Tag der Pflege in den Himmel steigen – damit will der Evangelische Verein in einem Video auf sich aufmerksam machen und um Fachkräfte und Azubis werben. Unter dem Motto „Nächstenliebe schenkt Zukunft“ nimmt Ilse Englert die Zuschauer des Imagefilms mit durch Gänge und Räume der Diakoniestation und berichtet von den dortigen Leistungen. Das Besondere: Die Seniorin, die da voll des Lobes ist, ist selbst Klientin, also auf die Leistungen des ambulanten Pflegedienstes angewiesen. Zu sehen ist auch eine Patientin, die per Trage in den Rollstuhl gesetzt und versorgt wird. Aber auch das fröhliche Miteinander der Mitarbeiter wird in Szene gesetzt.

 

Knapp drei Minuten lang ist das Video

Einem Staffellauf gleich übernimmt am Ende des knapp dreiminütigen Videos die Abteilungsleiterin der Diakoniestation, Elke Strohmayer, selbst und wirbt gezielt um zukünftige Fachkräfte und Auszubildende. „Das Video war aufwendig und ein ganz neuer Schritt, aber Printanzeigen allein reichen einfach nicht mehr“, sagt Maria Holzmann, zuständig für die Unternehmenskommunikation beim Evangelischen Verein. Klar sei, dass durch die Diakoniestation Ältere versorgt würden. Dafür würden Mitarbeiter zwischen 30 und 60 Jahren gesucht. „Für die haben wir das Video konzipiert. Für Jüngere hätten wir es hipper gestalten müssen.“

Bei Axel Wilhelm kommt der kurze Imagefilm schon mal gut an. Der diakonische Vorstand des Evangelischen Vereins sagt: „Das Tolle an dem kurzen Film ist einfach, dass er ehrlich und authentisch ist, aber trotzdem einen positiven Einblick gibt.“ Damit spricht er auch gleich einen der Knackpunkte an. „Pflegeberufe haben ein schlechtes Image. Es geht um Würde und Wertschätzung. Ja, es ist harte Arbeit, aber auch ein toller und bereichernder Job“, sagt Wilhelm.

Die Personalsituation in der Fellbacher Einrichtung ist längst prekär

Gemeinsam mit Elke Strohmayer und Maria Holzmann hat Axel Wilhelm sich zusammengesetzt, um über den Fachkräftemangel im Allgemeinen und im Speziellen in der Diakoniestation zu sprechen. Die problematische Personalsituation ist in der Einrichtung in Fellbach – da sind sich die drei einig – längst prekär und in der täglichen Arbeit spürbar. Beispielsweise dann, wenn einer der 45 Mitarbeiter Urlaub hat, krank ist oder aus anderem Grund frei braucht. „Ich versuche kurzfristig auf Wünsche einzugehen. Wenn Mitarbeiter immer bis zum Anschlag arbeiten, werden sie krank und haben keine Kraft mehr für den Job“, erklärt Elke Strohmayer. Aber das reiße eine kaum füllbare Lücke und mache das Personalproblem noch deutlicher. „Zeitdruck ist da ein großes Thema“, sagt sie.

Doch wenn die Mitarbeiter bei einem Hausbesuch sind, können sie nicht nur auf die Uhr schauen. Statt Blutdruck messen, Medikamente geben oder beim Waschen helfen – alles in Form von Fließbandarbeit – ist auch mal ein kleiner Plausch angesagt. „Die Seele ist ja auch noch da“, sagt Axel Wilhelm. Zudem könne es vorkommen, dass ein Klient gestürzt vorgefunden werde. „Dann verschiebt sich alles. Der Mitarbeiter geht dann nicht, sondern wartet auf die Sanitäter“, erklärt Elke Strohmayer. Generell gelte, wenn die Versorgung nachts nicht mehr klappe, sei um eine Heimunterbringung meist nicht mehr rumzukommen.

Apropos: Die Mitarbeiter der Station versorgen täglich bis 22.30 Uhr durchaus nicht nur betagte Menschen, die nicht in ein Heim wollen oder schlicht keinen Platz bekommen oder finanzieren können, sondern auch jüngere, beispielsweise chronisch Kranke. Aber den Hauptanteil machen die Hochbetagten aus. Und genau hier sehen Axel Wilhelm und Elke Strohmayer ein zentrales Problem, das viel zu lange ignoriert wurde: „Der demografische Wandel ist nicht neu. Das weiß die Politik schon lange“, sagt Axel Wilhelm und fügt an, dass das Thema auf den Tisch müsse, aber kein Gehör finde.

Doch wie könnte man dem Fachkräftemangel Einhalt gebieten? In der Gesprächsrunde finden sich viele Ansätze. So könne es helfen, die Lehre aufzuwerten durch andere Abschlüsse und dadurch, dass Fachkräfte mehr Kompetenzen bekommen. „Es gibt keinen Königsweg, aber die Umstände müssen verbessert werden, und es muss mehr Geld fließen“, sagt Axel Wilhelm.

Das Werbevideo gibt es zu sehen unter: https://youtu.be/ug-w5ynzhwU. Die Homepage des Vereins unter: https://www.ev-fellbach.de/karriere/diakonie. Auch auf Instagram wird die Kampagne mit Fotos aktuell gehalten.

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