Wir wird die Gartenschau zur Bürgergartenschau? Diese Frage stellt sich dem Oberbürgermeister Uwe Skrzypek (rechts). Foto: Oliver von Schaewen
Die Bürger für die Gartenschau in Vaihingen an der Enz zu begeistern – diese Aufgabe stellt sich dem Oberbürgermeister Uwe Skrzypek. Wo liegen die Fallstricke?
Noch wartet viel Arbeit auf die Macher der Gartenschau „Vaihingen Enzückt 2029“. Die Kritiker hatten beim Grundsatzbeschluss vor einem Jahr im Gemeinderat auf die hohen Kosten in schwierigen Zeiten hingewiesen – die Befürworter die großen Chancen hervorgehoben. „Wir bewegen 50 Millionen Euro: Vaihingen wird einen ganz anderen Ruf in der Region haben als bisher“, sagt der Oberbürgermeister Uwe Skrzypek. Er will die Bürger mitnehmen – was nicht einfach ist.
Kürzlich wartete der Rathauschef mit einem Themenabend in der Stadthalle auf. Der Abend war mit 330 Gästen gut besucht, der Tenor entwickelte sich durchaus konstruktiv. Schließlich gab es mit dem Versprechen des Gastronomen Scheidtweiler, das Schlosshotel Kaltenstein schon im Jahr 2027 in Betrieb zu nehmen, gute Nachrichten. Den Aufwind nutzte Skrzypek, um den weiteren Fahrplan der Schau vorzustellen und für Bürgerengagement zu werben.
Im Jahr 2029 soll die Stadt Vaihingen mit der Gartenschau in den Fokus gerückt werden. Foto: Stadt Vaihingen
Der Vorschlag, einen Bürgerverein zu gründen, sei von mehreren Seiten an ihn herangetragen worden, erklärt der OB. Ideen für das Veranstaltungsjahr 2029 könnten auf diese Weise organisiert und kanalisiert werden. Wo aber liegen die Fallstricke? „Gute Ideen haben nur einen Wert, wenn sie von den Ideengebern auch umgesetzt werden“, sagt Skrzypek und warnt vor einer Anspruchshaltung der Ideengeber. „Sie müssen Mitstreiter finden und sich selbst einbringen, sonst wird das die Stadtverwaltung überfordern.“
Die Gartenschau ist für den OB alles andere als ein Selbstläufer
Vier Jahre vor der Gartenschau präsentierte sich das Team um den Stadtplaner und Gartenschau-Geschäftsführer Norbert Geissel personell und planerisch gut gerüstet. Für den Oberbürgermeister Uwe Skrzypek ist das Event trotz der langen Vorlaufzeit alles andere als ein Selbstläufer. In Formaten wie Bürgerspaziergängen und Dialogabenden könne er Informationen vermitteln, die nicht alle haben, erklärt er.
Zum Beispiel über die Fischtreppe an der Enz, die für Durchgängigkeit sorgen soll und eine Publikumsfrage beim Themenabend auslöste – was Skrzypek im Nachhinein nicht verwundert: „Das haben wir schon ausführlich behandelt – die Ergebnisse waren nur nicht jedem bekannt.“ Es sei wichtig, dass sich die Bürger im laufenden Prozess verorten könnten. Erfreulich sei der Andrang an den vier Ideen-Stellwänden in der Stadthalle gewesen: „Der Abend ging dort noch bis etwa 23 Uhr weiter.“
Die Werbetrommel rühren, Marketing für „Vaihingen Enzückt 2029“ betreiben – das soll Interessierte von der Bundesstraße 10 in die Stadt bewegen. Für den OB ein Ziel, das über das Veranstaltungsjahr hinaus erreicht werden soll. „Für Stuttgarter ist Vaihingen bisher nur auf dem Verkehrsschild präsent.“
Ein Kernbereich der Gartenschau sind die Bürgergärten. Die mehr als 800 Jahre alte Tradition wolle man zu neuem Leben erwecken. „Die Vaihinger lebten früher hinter den Stadtmauern – ihre Gärten lagen vorne an der Enz,“, erklärt der OB. Aber genau dieser Bereich wirke jetzt noch ungeordnet. Viele Kleingärten verwilderten: „Die brauchen eine Renaissance.“
Kein Stadtpark, sondern Bürgergärten sind das Ziel
Herauskommen soll auf keinen Fall ein Stadtpark, sondern eine neue Struktur mit parzellierten Bürgergärten und attraktiver Gastronomie. Wie es gelingen kann, private Gärten ebenso wie die von der Stadt verpachteten Flächen in das Konzept zu bringen, müsse man klären, so Skrzypek. Die Stadt habe den Pächtern zum Jahresende gekündigt. Unmut stelle er deshalb nicht fest. „Natürlich gibt es aber eine Traurigkeit, sich von seinem Garten zu verabschieden.“ Den Pächtern müsse jedoch klar gewesen sein, dass ihr Vertrag endlich sei.
Eine Rolle spielt aber auch das Geld. Skrzypek will ein Drittel des Häcker-Areals vermarkten. „Wir wollen durch den Grundstücksverkauf Einnahmen erzielen, denn die Stadt braucht sie.“ Zwei Drittel der Industriebrache mit der ehemaligen Leimfabrik und der Kläranlage lägen im Landschaftsschutzgebiet und würden den Vaihingern unter dem Motto „Die Natur holt sich zurück“ dauerhaft zur Naherholung erhalten bleiben.
Der Stadtmitte soll keine Konkurrenz entstehen
Das restliche Drittel des Häcker-Areals stelle für Investoren eine spannende Lage zwischen Bundesstraße 10 und der Vaihinger Innenstadt dar. „Wir wollen der Stadtmitte aber keine Konkurrenz machen“, stellt der OB klar. Das Wie der Vermarktung müsse auf jeden Fall noch kommunalpolitisch diskutiert werden.
Große Hoffnungen setzt Oberbürgermeister Uwe Skrzypek in den geplanten Mittelalterpark des Investors Christoph Schlude im Stadtteil Kleinglattbach. „Wir haben damit auf jeden Fall ein Alleinstellungsmerkmal.“ Schlude war mit seinem Projekt im Markgröninger Gemeinderat auf Granit gestoßen. Nach dessen Nein fand er in der nahen Großen Kreisstadt Gehör.
Zeitplan für die Gartenschau
Aktuell In diesem Jahr 2025 soll der Entwurf für die Daueranlagen der Gartenschau „Vaihingen Enzückt 2029“ entstehen. Am Ende des Jahres sollen auch die Planung der Infrastruktur, die Gründung des Eigenbetriebs und Planungen zum Abbruch/Hochbau in trockenen Tüchern sein.
Ausblick Das Jahr 2026 steht im Zeichen von Umweltuntersuchungen und Rechtsverfahren. Das Baufeld soll freigeräumt und eine Planung zur Genehmigung vorgelegt werden. Das Gartenschaukonzept soll dann auch stehen. Im Jahr 2027 wird die Realisierung ausgeschrieben und der Auftrag vergeben, im Jahr 2028 alles ausgeführt. Es folgt das Veranstaltungsjahr 2029.