EWS-Arena Kirchheimer Basketballer wollen nach Göppingen

Volle Halle bei einem Spiel der Kirchheim Knights in Göppingen. Die Basketballer könnten sich die EWS-Arena in Göppingen als dauerhafte Spielstätte gut vorstellen. Foto: Giacinto Carlucci

Die Kirchheimer Basketballer sind am 26. Oktober wieder zu Gast in der EWS-Arena. Sie würden gerne dauerhaft in Göppingen spielen. Doch Handball-Bundesligist Frisch Auf bremst die Ambitionen.

Gibt es bald mehr Basketball in der Handballstadt Göppingen? Die Knights aus Kirchheim sind jedenfalls sehr interessiert und strecken schon seit längerem die Fühler Richtung EWS-Arena aus. Der Zweitligist aus dem Nachbarlandkreis trug in der vergangenen Saison drei reguläre Heimspiele in Göppingen aus, auch in der aktuellen Spielzeit werden hier wieder drei „Event-Spiele“ steigen. Knights-Geschäftsführer Chris Schmidt hatte nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass Göppingen auf kurz oder lang eine Option ist. Hintergrund: Ab der Saison 2028/29 gibt es neue Regularien in der zweiten Basketball-Liga, die die Kirchheimer Spielstätte nicht mehr erfüllt. Die „Ritter“ dürfen dann in dieser Halle, die offiziell maximal 1500 Zuschauer fasst, nicht mehr spielen und suchen eine Alternative.

 

Seit gut einem Jahr ist Schmidt in Gesprächen mit der Stadt Göppingen und Handball-Bundesligist Frisch Auf Göppingen, im November oder Anfang Dezember sollen weitere folgen. Dann soll nach Informationen unserer Zeitung auch der Aufsichtsrat von Frisch Auf mit am Tisch sitzen, der bis dato über das Konzept der Basketballer offenbar gar nicht im Detail informiert ist.

OB Alex Maier sieht Chancen für eine Lösung

Überrascht hat vor diesem Hintergrund eine Aussage von Frisch-Auf-Geschäftsführer Gerd Hofele bei der Saison-Pressekonferenz Ende August, mit der er den Ambitionen der Kirchheim Knights eine klare Absage erteilte: „Ich kann mir keinen Regelspielbetrieb der Basketballer hier vorstellen“, hatte Hofele erklärt. Durch den Aufstieg der Göppinger Fußballer in die Regionalliga und den Aufstieg der Frisch-Auf-Frauen in die Bundesliga sei das Buhlen um Sponsoren härter geworden. Hofele wörtlich: „Wir fischen alle im selben Teich.“

Ist das Thema also ad acta gelegt? Für die Stadt Göppingen und die Korbjäger aus Kirchheim mitnichten. „Ich sehe nach wie vor eine große Chance sowohl für die Stadt als auch für Frisch Auf“, sagt der Göppinger Oberbürgermeister Alex Maier. Er wünscht sich, dass man „ergebnisoffen“ in die Gespräche gehe. „Wir müssen versuchen, für die Probleme eine Lösung zu finden. Ich habe die Knights bisher sehr flexibel und kooperativ erlebt“, berichtet der Rathauschef.

Auch Chris Schmidt glaubt weiterhin daran, gemeinsam mit Frisch Auf etwas hinzubekommen. Die Begeisterung für den Basketballsport in Göppingen sei da, sagt der Knights-Manager, „mit wenig Werbung kamen doch recht viele Leute“. Zwischen 3500 und 4500 Zuschauer seien es bei den Partien in der vorherigen Saison gewesen. Dass man sich beim Publikum ins Gehege kommen könnte, glaubt Schmidt nicht: „Basketball spricht eine ganz andere Zielgruppe an, die Altersstruktur ist eine ganz andere.“ Der Geschäftsführer sieht eher die Chance, beide Interessen in Göppingen zu bedienen – sowohl für den Basketball – als auch für den Handballsport.

Ein Knackpunkt im Tauziehen um die EWS-Arena ist das Sponsoring. Schmidt spricht sich im Falle einer Kooperation für einen „Bestandsschutz“ der bestehenden Geldgeber aus, und zwar für beide Seiten. Er sieht Möglichkeiten, gemeinsam über die Region hinaus andere Sponsoren an Land zu ziehen. „Wir könnten eine einzigartige Story erzählen, die sonst niemand erzählen kann. Handball und Basketball sind die zwei beliebtesten Indoor-Sportarten in Deutschland“, macht der Knights-Chef jede Menge Potenzial für eine Partnerschaft aus. „Das ist eine Riesenchance für beide Unternehmen.“

Gerd Hofele, Geschäftsführer der Männer von Handball-Bundesligist Frisch Auf Göppingen, kann diese Euphorie nicht nachvollziehen: „Ich sehe nicht einen einzigen Ansatzpunkt, der unsere Wettbewerbssituation verbessern würde. Im Gegenteil: Sie wird aller Wahrscheinlichkeit nach eher schlechter.“ Hofele verweist darauf, dass sich die Grün-Weißen im Kanon der Konkurrenten behaupten müssten – und die Wettbewerber sitzen verstärkt in Großstädten. „Dort kann ich natürlich mehr Zuschauer akquirieren.“ Dass sich die Situation verbessern würde, wenn ein weiterer Partner dazu kommt, kann er sich nicht vorstellen. Auch die Suche nach Geldgebern sei mit einem dritten Bundesligisten im Bunde nicht einfacher, widerspricht er Chris Schmidt.

Frisch Auf-Geschäftsführer: Hallenkapazitäten sind ausgeschöpft

Ein weiterer Punkt sei die Hallenkapazität. „Wir haben momentan ein Modell, das funktioniert, sind aber an der Grenze angelangt“, erklärt Hofele. Mit den Männern und Frauen von Frisch Auf, dem Nachwuchscenter, dem Vereins- und Schulsport sowie weiteren Veranstaltungen sei die EWS-Arena ausgebucht und die Trainingskapazitäten seien knapp. Hier noch 14 weitere Basketball-Ligaspiele unterzubringen, sprenge seine Vorstellungskraft, betont Hofele, der auch Geschäftsführer der EWS-Arena Betriebsgesellschaft ist. Dennoch sei Frisch Auf offen und verschließe sich Gesprächen nicht, auch wenn es viele Hemmnisse in Sachen Kapazität und Vermarktung gebe, die gegen eine Kooperation mit den Basketballern sprechen. Übrigens: Am Samstag beschäftigt sich Frisch Auf in einem Workshop mit der künftigen strategischen Ausrichtung des Vereins.

WHG-Schüler laufen mit den Basketballern ein

Spiel
 Auch in der aktuell laufenden Saison werden die Kirchheimer Basketballer in Göppingen antreten. Den Auftakt macht das Duell am Samstag, 26. Oktober, gegen die Dresden Titans. Los geht’s um 19 Uhr. Tickets gibt es im Internet unter kirchheim-knights.de. Bereits im Vorfeld dieser Partie steht die EWS-Arena ganz im Zeichen des Basketballs. Die Oberliga-Mannschaft der Turnerschaft Göppingen spielt um 14 Uhr gegen Konstanz, bevor dann den Profis das Parkett gehört. Für den musikalischen Rahmen des Spiels sorgen die Knights DJs.

Aktion
Aufs Spielfeld begleitet werden die Knights-Akteure von Schülern des Werner-Heisenberg-Gymnasiums. Am Mittwoch dieser Woche fand dort ein Aktionstag der Mannschaft mit mehr als 100 Schülern des WHG statt.

Vorschau
Zum X-Mas Game gegen Tübingen am 21. Dezember und dem großen Derby gegen die Crailsheim Merlins am 11. Januar 2025 geht es ebenfalls nach Göppingen.

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