Ex-Alkoholiker Gerd Müller erkrankt Alkoholmissbrauch muss nicht zu Alzheimer führen

Immer mehr Menschen leiden an Alzheimer und leben im Pflegeheim. Foto: dpa
Immer mehr Menschen leiden an Alzheimer und leben im Pflegeheim. Foto: dpa

Die Alzheimer-Erkrankung des früheren Fußballprofis hat Entsetzen ausgelöst. Ob der trockene Alkoholiker wegen seiner Sucht erkrankte, ist jedoch nicht klar. Bei dem Altersleiden gehen Nervenzellen in bestimmten Bereichen des Gehirns für immer verloren.

Wissenschaft: Tanja Volz (vz)

Stuttgart - Gerd Müller, einer der besten Stürmer aller Zeiten, hat Alzheimer. Mit seinen knapp 70 Jahren ist er allerdings ein noch recht junger Patient mit dieser Diagnose. Die meisten Betroffenen sind 85 Jahre alt und älter. Bis heute ist Alzheimer eine unheilbare Erkrankung. In bestimmten Bereichen des Gehirns gehen Nervenzellen zugrunde. Die Gründe dafür werden derzeit weltweit erforscht.

An einer mittlerweile anerkannten Theorie forscht unter anderem der Tübinger Neurowissenschaftler Mathias Jucker. Er ist überzeugt davon, dass der Niedergang der Nervenzellen im Gehirn eines Alzheimerpatienten auf dem sogenannten Prion-Prinzip beruht: Dabei zwingen falsch gefaltete Prionproteine dem perfekt strukturierten Pendant im Gehirn wie mit einer Art Schablone ihre Form auf – mit dem Ergebnis, dass Nervenzellen massenhaft zugrunde gehen, sodass das Hirn eines an diesem Altersleiden verstorbenen Menschen aussieht wie ein Schwamm.

Die Ursache für diesen Zelluntergang ist derzeit ebenfalls unklar. Es werden Umweltfaktoren, chronische Erkrankung, Spurenelemente wie Aluminium und psychische Komponenten diskutiert. Auch Alkoholmissbrauch wird immer wieder für den Niedergang der Nervenzellen angeführt: Es liegt nahe, dies als Krankheitsursache bei Gerd Müller zu suchen, schließlich ist bekannt, dass er nach seiner Rückkehr aus Florida starker Alkoholiker war. Einen direkten, wissenschaftlich nachgewiesenen Zusammenhang zwischen Alkoholismus und Alzheimer gibt es nicht. Zwar gehen bei jedem Vollrausch Zehntausende Nervenzellen verloren, jedoch muss man viele Jahre sehr viel trinken, damit dies eine spürbare Auswirkung hat: Beim sogenannten „Wernicke-Korsakow-Syndrom“ schwerer Alkoholiker schrumpft das Gehirn und kommt es zu einer Demenz. Diese unterscheidet sich jedoch von der Alzheimer-Demenz – zumindest in bildgebenden Verfahren. Die Symptomatik einer alkoholbedingten Demenz kann aber durchaus ähnlich sein wie bei dem Altersleiden Alzheimer.

Wie Alzheimer beginnt

Das Leiden beginnt damit, dass man nicht mehr weiß, wo der Schlüssel liegt, und es geht damit weiter, dass man plötzlich seine Freunde und Angehörige nicht mehr erkennt. Diese Demenz ist ein Leiden, das einen verheerenden Einfluss auf die Lebensqualität der Betroffenen hat. Am Ende ihres Lebens verändern Alzheimerpatienten häufig ihre Persönlichkeit – was für Angehörige ein schwer zu bewältigendes Problem darstellt.

Diese Art der Altersdemenz ist weder heilbar noch lässt sich das Fortschreiten mit Medikamenten aufhalten. Es gibt noch keine wirksamen Mittel. Daher ist es umso wichtiger, vorbeugend zu wirken – auch wenn sich Experten einig sind, dass der kognitive Zerfall letztendlich nicht aufgehalten werden kann. Experten raten zu einem gesunden Lebenswandel: Ausreichend viel Bewegung, ausgewogene Ernährung und soziale Kontakte könnten das Leiden verzögern. Auch wer sich geistig fit hält, kann seine Nervenzellen möglicherweise vor dem Untergang schützen. Wer seine geistigen Fähigkeiten ungenutzt lässt, erhöht die Gefahr der Altersdemenz.

Unsere Empfehlung für Sie