Ex-Berater von Boris Becker Der „Retter in der Not“ will sein Geld zurück

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Ein ehemaliger Geschäftspartner macht gegen Boris Becker eine Forderung von umgerechnet rund 36 Millionen Euro geltend. Wer ist der 74-jährige Wahlschweizer Hans-Dieter Cleven, der der Tennislegende viele Jahre lang zur Seite stand?

Ein Foto aus besseren Tagen: Die früheren Geschäftspartner Cleven (links) und Becker werben 2005 in München für ihre gemeinsame Stiftung. Foto: dpa
Ein Foto aus besseren Tagen: Die früheren Geschäftspartner Cleven (links) und Becker werben 2005 in München für ihre gemeinsame Stiftung. Foto: dpa

Stuttgart - Man muss Hans-Dieter Cleven nicht sofort mit Tennis in Verbindung bringen. Die sportliche Leidenschaft des 74-jährigen Ex-Managers und Multimillionärs liegt eindeutig eher auf dem Golfplatz, auch wenn sein Handicap mit 16,6 bei weitem nicht an jenes seines früheren Schützlings und Geschäftspartners Boris Becker (sieben) und schon gar nicht an das von US-Präsident Donald Trump (vier) heranreicht.

Als Mehrheitseigentümer von Europas größtem Golf­resort im niederbayrischen Bad Griesbach lässt sich Cleven am Rande von Charity-Veranstaltungen gerne mit prominenten Hobbygolfern wie Franz Beckenbauer, Felix Neureuther oder Sepp Maier ablichten. Bilder, die den gebürtigen Würzburger und Wahlschweizer mit Tennisschläger in der Hand zeigen, gibt es zwar auch, allerdings sollten diese vor allem die einst enge Verbindung zu Deutschlands erfolgreichstem Spieler dokumentieren.

2005 gründen beide die Cleven-Becker-Stiftung

Die Wege von Becker und Cleven haben sich jedoch längst getrennt. Aus der 2005 gegründeten Cleven-Becker-Stiftung zog sich die Tennislegende zum Jahreswechsel 2011/12 zurück. Seither repräsentiert Cleven die gemeinnützige Stiftung allein. Sie fördert im Rahmen des Gesundheitsprogramms „Fit-4-Future“ Hunderttausende Jungen und Mädchen an Kindergärten und Schulen in Deutschland und der Schweiz.

Mit einem geschätzten Vermögen zwischen 90 und 180 Millionen Euro schafften es Cleven und seine Ehefrau Eveline nach Angaben des Wirtschaftsmagazins Bilanz zuletzt zwar nur auf Rang 399 der reichsten Menschen in der Schweiz. Dennoch dürfte es dem sportbegeisterten Kaufmann keine größeren Schwierigkeiten bereitet haben, sich am Tag seines 60. Geburtstags aus seinem früheren Berufsleben zurückzuziehen. Immerhin blickte er damals nach eigenen Angaben bereits auf eine 35-jährige „erfolgreiche berufliche Karriere“ bei der Metro-Gruppe zurück.

Cleven war die rechte Hand von Metro-Patriarch Beisheim

Im Düsseldorfer Handelsimperium war Cleven ein langjähriger, enger Vertrauter des Metro-Patriarchen Otto Beisheim. Als dessen Vermögensverwalter jonglierte der Franke ein kaum überschaubares Konglomerat aus Warenhäusern (Kaufhof), Supermärkten (Real), Modehäusern (Adler), Bau- (Praktiker) und Elektromärkten (Saturn, Mediamarkt). Nach seinem Rückzug beim Handelsriesen widmete sich Cleven ganz den eigenen Investments: Dazu gehören neben der Stiftung und dem Golfklub auch die Zuger Sportvermarktungsagentur 4Sports sowie die Schweizer Gesellschaft BCI Holding.

Als Berater stand Cleven Becker seit 1999 zur Seite. Als dem Tennisstar 2002 wegen Steuerhinterziehung eine Strafe von dreieinhalb Jahren Haft (ohne Bewährung) sowie die Zahlung von 1,7 Millionen Euro plus der Rückzahlung der Steuerschuld drohten, habe sich Cleven als „Retter in der Geldnot“ angeboten, schrieb das „Manager-Magazin“ ein Jahr später. Becker kam letztlich mit einer zweijährigen Bewährungsstrafe und einer geringeren Geldstrafe davon. Ob es damals oder in der Folge zu Privatkrediten kam, ist nicht bekannt. Clevens Anwälte jedenfalls fordern nun die Rückzahlung von 36 Millionen Euro. Beckers Anwälte wiesen die Forderung am Mittwoch zum wiederholten Mal zurück.