InterviewEx-DDR-Nationaltrainer Eduard Geyer Erste Saison der Wiedervereinigung

Sport: Marko Schumacher (schu)
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In der ersten Saison nach der Wiedervereinigung dürfen zwei Ostclubs in der Bundesliga mitspielen, sechs weitere in der zweiten Liga. Der Aufschwung aber bleibt aus, viele Traditionsvereine stürzen ab. Eduard Geyer bekommt 1991 eine Anstellung beim ungarischen Erstligisten Bányász Siófok, geht anschließend zum Oberligisten Sachsen Leipzig – und heuert 1994 bei Energie Cottbus in der Regionalliga an. Zehn Jahre wird er dort bleiben.

War Cottbus Ihre schönste Zeit?
Am Anfang nicht. Cottbus war nie eine Fußballhochburg. Als ich kam, war der Verein klinisch tot. Ich bin dort angetreten, wollte samstags trainieren – und die Spieler haben gesagt: samstags haben wir noch nie trainiert. Ich habe erwidert: wer samstags nicht trainieren will, kann sich abmelden. Dann bin ich meinen Weg gegangen.
Sie sind nach drei Jahren in die zweite Liga aufgestiegen und haben das Pokalfinale gegen den VfB Stuttgart erreicht.
Ich habe in Cottbus genauso trainiert wie früher: hart und diszipliniert. Wir hatten nie die besten Spieler, aber ich habe ihnen gesagt: wenn ihr den Ball schon nicht stoppen könnt, müsst ihr wenigstens möglichst schnell dorthin laufen, wo er hinspringt. Wir haben immer viel mehr investiert als unsere Gegner. Das war unser Erfolgsrezept.
Und im Jahr 2000 sind Sie mit Cottbus sogar in die Bundesliga aufgestiegen.
Das war für uns ein sensationeller Erfolg. Es war fantastisch, dass die großen Clubs plötzlich ins kleine Cottbus reisen mussten. Da steht dann auf den Ortsschildern Chociebuż – und die Spieler denken, sie seien schon in Polen.
Sie haben sich als gallisches Dorf verstanden?
Wir waren zumindest sehr stolz darauf, als Cottbuser in der Bundesliga mitzuspielen. Als die Bayern im ersten Jahr gekommen sind, mit Kahn, Matthäus, Scholl und allen anderen Stars, da haben wir 1:0 gewonnen. Auch ein 3:0 wäre verdient gewesen. Das änderte aber nichts daran, dass wir die ganze Zeit über das Problem hatten, gute Spieler zu bekommen, vor allem aus dem Westen.
Warum war das so schwierig?
Wir konnten diese Spieler nicht bezahlen. Wir wollten mal einen Ex-Jugoslawen holen, der in Kaiserslautern auf der Bank saß. Der war nicht teuer. Aber nicht einmal den konnten wir uns leisten. Und wenn es doch mal hätte klappen können, hat die Frau des Spielers gesagt: Cottbus? Da will ich nicht hin! Deshalb haben wir uns auf den osteuropäischen Spielermarkt konzentriert.
Cottbus wurde der erste Club, der in der Bundesliga mit elf Ausländern angetreten ist.
Das war gegen Wolfsburg. Neulich hat mir einer gesagt, dass auch unsere Bank nur aus Ausländern bestand. Schön, nicht? Wir haben Geschichte geschrieben. Auf Dauer hat es aber mit so wenig finanziellen Mitteln und so wenig Qualität nicht gereicht, so sehr wir uns auch angestrengt haben.




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