25 Jahre nach der Wiedervereinigung liegt der Fußball im Osten am Boden. Sehr zum Bedauern des letzten DDR-Nationaltrainers Eduard Geyer, der manche Enttäuschung verkraften musste.

Sport: Marko Schumacher (schu)

Dresden - Treffpunkt Schillergarten, eines der ältesten Wirtshäuser von Dresden, ein idyllisches Fleckchen Erde. Blaues Wunder nennen die Leute die Brücke, die hier über die Elbe führt und unter der die Ausflugsschiffe flussabwärts fahren. „Schön hier, nicht wahr“, sagt Eduard Geyer (70), nimmt im Biergarten Platz und bestellt eine Tasse Tee. Geyer war mit Dynamo Dresden letzter DDR-Fußballmeister, er war letzter Nationaltrainer und in Cottbus Jahre später Coach des vorerst letzten Ostclubs in der Bundesliga. Nun blickt er zurück auf 25 Jahre Wiedervereinigung – und beginnt elf Monate vorher.

Am 15. November 1989 hat die DDR-Nationalelf unter Eduard Geyer die große Chance, sich für die WM 1990 in Italien zu qualifizieren. Es ist die goldene Generation mit Spielern wie Sammer, Thom, Kirsten und Doll. Schon ein Unentschieden würde reichen, doch das entscheidende Spiel in Österreich geht mit 0:3 verloren.

Herr Geyer, was ist schief gelaufen an jenem Mittwochabend im Wiener Praterstadion?
Wir wurden einerseits vom Schiedsrichter betrogen, einem Polen, der danach nie mehr ein Länderspiel pfeifen durfte. Andererseits kam die politische Wende für uns Fußballer ein paar Tage zu früh.
Wie meinen Sie das?
Ich war im Vorfeld überzeugt, wir würden es schaffen. Wir hatten das klar bessere Team. Doch dann ging plötzlich die Grenze auf. Die Mannschaft saß im Trainingslager vor dem Fernseher und dachte an alles, außer an dieses entscheidende Spiel.
Und Sie konnten nichts machen?
Was hätte ich tun sollen? Nach dem Fall der Mauer brach bei uns das totale Chaos aus. Es gab keine klaren Regeln mehr. Die Westvereine haben die Spieler fast noch in der Umkleidekabine kontaktiert, die Spieler haben sich selbst angeboten. Es ging drunter und drüber.
Es hat nicht lange gedauert, bis die ersten DDR-Spieler gewechselt sind.
Andreas Thom war der Erste, der nach Leverkusen ging. Für 2,8 Millionen Mark – ein lächerlicher Betrag. Mit der offiziellen Mitteilung, dass er gehen darf, hat sich das lawinenartig ausgebreitet. Die Spieler waren nun endgültig nicht mehr zu halten.
Warum nicht?
Du hattest plötzlich keine Handhabe mehr gegenüber dem Spieler. Uns wurde ein System übergestülpt – und keiner wusste, wie er sich zu verhalten hatte. Jeder wollte ans große Geld. Bei uns haben die guten Spieler wie Matthias Sammer im Monat 1500 Ostmark plus Prämien verdient. Wenn es gut lief, kam man auf 2000 Mark, was für DDR-Verhältnisse viel Geld war. Im Vergleich zu dem, was im Westen bezahlt wurde, waren es aber Peanuts.

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