Ex-Kanzler der Beamtenschmiede Neuer Aufstand gegen umstrittenen Hochschul-Manager

Ex-Kanzler – und bald auch Ex-Präsident? Henrik Becker, 52 Foto: HdWM

An der Beamtenhochschule war seine Wiederwahl spektakulär gescheitert. Nun droht Henrik Becker an einer Mannheimer Hochschule die Abwahl als Präsident. Was ist da los?

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

Der frühere Kanzler der Verwaltungshochschule in Ludwigsburg, Henrik Becker, könnte auch an seiner neuen beruflichen Wirkungsstätte scheitern. Nach kaum fünf Monaten als Präsident der privaten Hochschule der Wirtschaft für Management (HdWM) in Mannheim sieht sich der 52-Jährige mit einer Abwahlinitiative konfrontiert. Womit sich Becker in kurzer Zeit derart unbeliebt gemacht hat, bleibt zunächst unklar. Bereits an der „Beamtenschmiede“ hatte er seine sicher geglaubte Wiederwahl als Verwaltungschef nach einer Amtsperiode in mehreren Anläufen verfehlt, weil er besonders die Professorinnen und Professoren gegen sich aufgebracht hatte.

 

Ein Sprecher des Stuttgarter Wissenschaftsministerium bestätigte, der Abwahlantrag gegen Becker sei dort „bekannt“. Man sei bei privaten Hochschulen gesetzlich aber nur für die Rechtsaufsicht zuständig. Die aktuelle Grundordnung der HdWM biete Gewähr dafür, dass „die akademische Selbstverwaltung maßgeblichen Einfluss auf die Bestellung und Abberufung der Hochschulleitung besitzt“. Eine Sprecherin der Hochschule teilte unserer Zeitung mit, man könne derzeit „leider keinen Kommentar“ abgeben. „Wir werden das aber zu einem späteren Zeitpunkt tun und uns dazu äußern, wenn es angemessen ist.“ Becker selbst reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage.

„Spannende Aufgabe in bewegten Zeiten“

Der in Naturwissenschaften in der Medizin promovierte Jurist (Dr. rer. medic.) hatte erst im Juli die Leitung der staatlich anerkannten Hochschule übernommen, die von einer gemeinnützigen Gesellschaft getragen wird. Etwa 260 Studierende erhalten dort in einer praxisnahen Ausbildung mit engem Bezug zu Unternehmen das Rüstzeug für den Ein- und Aufstieg im Beruf. Die HdWM lobte den neuen Präsidenten als „erfahrenen Bildungsmanager und Hochschulentwickler“; er wurde gleichzeitig zum Professor für Organisationsmanagement berufen. Auf dem Berufsnetzwerk Linked-in hatte Becker damals einen „Neuanfang mit Verantwortung und Vision“ verkündet; er übernehme eine „spannende Aufgabe in bewegten Zeiten“.

Zuletzt hatte Becker auf der Plattform über „Führung in Veränderungsphasen“ geschrieben. Die vergangenen Monate hätten ihm „einmal mehr gezeigt, wie wichtig Klarheit, Gelassenheit und Haltung sind, wenn sich Strukturen verändern“. Er sei dankbar für Erfahrungen, die seinen „Blick geschärft“ hätten. In Ludwigsburg war Becker nicht wegen seiner fachlichen Qualitäten gescheitert, sondern offenbar wegen seines Umgangs mit den Beschäftigten, vor allem den Professoren. Obwohl er nach fünf Jahren als einziger Kandidat zur Wiederwahl angetreten war, fiel er in drei Wahlgängen spektakulär durch. Die Wahl wurde daraufhin zunächst abgeblasen. Inzwischen hat die Beamtenhochschule einen neuen Kanzler, der breite Wertschätzung genießt.

Parallele zu Krise an Karlsruher Hochschule

Die Turbulenzen in Mannheim erinnern an einen wenige Jahre zurückliegenden Konflikt an der Hochschule für Gestaltung (HfG) in Karlsruhe. Dort war der neue Rektor mit seiner Amtsführung bei vielen Professorinnen und Professoren angeeckt. Ein Abwahlantrag im Senat hatte zunächst Erfolg, wurde dann aber gerichtlich angefochten. Erst im zweiten Anlauf gelang die Trennung von dem umstrittenen Hochschulchef.

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