InterviewEx-Kickers-Chef Michael Zeyer „Die Gesellschaft hat sich verändert“

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Für viele Fans der Blauen ist Michael Zeyer bis heute ein „rotes Tuch“. Sie geben ihm die Schuld am Abstieg der Stuttgarter Kickers. Jetzt will der Ex-Sportdirektor zurück in den Fußball. Im Interview erklärt er, wieso er sich aus seinem Sternerestaurant „5“ zurückzieht.

Geschäftsführer Michael Zeyer (links) will sich aus dem Tagesgeschäft in seinem Sternerestaurant 5 zurückziehen, Küchenchef Claudio Urru soll noch mehr Verantwortung übernehmen. Foto: Lichtgut/Julian Rettig 7 Bilder
Geschäftsführer Michael Zeyer (links) will sich aus dem Tagesgeschäft in seinem Sternerestaurant 5 zurückziehen, Küchenchef Claudio Urru soll noch mehr Verantwortung übernehmen. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Stuttgart - Michael Zeyer, der ehemalige Sportdirektor der Stuttgarter Kickers, will sich in seinem Sternerestaurant 5 aus dem Tagesgeschäft zurückziehen. Der ehemalige Bundesliga-Profi strebt eine Rückkehr ins Fußball-Geschäft an. Im Gespräch mit unserer Zeitung spricht er über die Gründe für diese Entscheidung und über Ex-Kickers-Trainer Horst Steffen.

Herr Zeyer, Sie wollen das gute Essen gegen einen Job in der schnelllebigen Fußball-Branche eintauschen. Lange waren Sie aber Sportdirektor bei den Kickers und Gastronom in einer Person. Woher der Sinneswandel?
Zwei Jobs gleichzeitig, das ist sehr kompliziert, man kann beiden nicht wirklich gerecht werden. Jetzt ist das 5 aber so strukturiert, dass ich loslassen kann: Claudio Urru ist als Küchenchef und gastronomischer Leiter für uns ein Glücksfall. Mit der Beförderung von Alexander Dinter zum zweiten Küchenchef und von Jozo Raijc zum Geschäftsführer sind wir jetzt so organisiert, dass ich mich aus dem Tagesgeschäft zurückziehen kann.
Sie mussten also erst die Taktik in der Küche ändern.
Wenn Sie so wollen, ja. Egal ob in der Gastronomie oder im Fußball, die Schlüsselpositionen sind immer das Wichtigste. Claudio Urru und Alexander Dinter bringen uns Konstanz und Weiterentwicklung.
In der Stadtmitte sind Sie umgeben von Ketten und Fast Food. Haben Sie da einen besonders schweren Stand?
Stuttgart ist kein leichtes Pflaster für innovative Gastronomie, das hat man in der jüngeren Vergangenheit bei der einen oder anderen Geschäftsaufgabe wieder gesehen. Die Betreiber machen nicht immer alles falsch.
Was unterscheidet diese Stadt von anderen Städten?
Das Ausgehverhalten ist anders. Die Menschen sind zwar neugierig, vor allem aber auch kritisch gegenüber Veränderungen. Die großen Würfe sieht man in Stuttgart eher nicht, und das meine ich nicht nur auf die Gastronomie bezogen.
Sondern?
Ich vermisse einen roten Faden, eine Vision in der Stadtentwicklung.
Was müsste man in Bezug auf die Stadtentwicklung in Stuttgart Ihrer Meinung nach denn besser machen?
Mit dem Gerber, dem Milaneo oder dem Hospitalhof gab es viele große Bauprojekte. Ein stadtplanerisches Gesamtkonzept kann ich dabei aber nicht erkennen. Die großen Automuseen zum Beispiel locken die Touristen. Ansonsten fällt mir aber kein anderes Bauwerk der jüngeren Geschichte ein, das eine überregionale Strahlkraft hätte.
Gibt es denn Städte in einer vergleichbaren Größe, die es Ihrer Meinung nach besser hinbekommen?
Düsseldorf ist ein gutes Beispiel. Die schiefen Häuser, wie man dort den Hafen entwickelt hat, das ist sensationell. Nach Düsseldorf kommen Menschen aus dem ganzen Ruhrgebiet, die Stadt hat sich zu einem Anziehungspunkt entwickelt. In Hamburg gab es lange Proteste gegen die Elbphilharmonie, heute sieht man, wie viele Gäste das Gebäude in die Stadt lockt.
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