Ex-Landtagsfraktionschef der SPD Schmiedel berät die Steinbeis-Hochschule

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Fast ein Vierteljahrhundert lang hat er professionell Politik betrieben – jetzt will Claus Schmiedel der Steinbeis-Hochschule helfen, Unternehmen als Partner zu gewinnen.

Claus Schmiedel organisiert sein Leben nach der Berufspolitik. Foto: factum/Granville
Claus Schmiedel organisiert sein Leben nach der Berufspolitik. Foto: factum/Granville

Ludwigsburg - So ganz angekommen in der neuen Lebenswirklichkeit scheint Claus Schmiedel noch nicht zu sein. Bei seinem letzten öffentlichen Auftritt als Parlamentarier, der Eröffnung der Schlossfestspiele in Ludwigsburg, wirkte er phasenweise ziemlich verloren und in Gedanken abgeschweift. „Man verinnerlicht das so langsam“, sagt der SPD-Politiker nun in diesen Tagen, erstmals seit 24 Jahren ohne öffentliches Mandat. Der Ludwigsburger OB Werner Spec hat ihm beim Empfang nach dem Eröffnungskonzert noch einmal lange zugesprochen.

Solcher Beistand tut Schmiedel sichtbar gut. Schließlich ist es ein tiefer und unerwarteter Sturz von der ersten Reihe der Landespolitik (fast) in die Bedeutungslosigkeit. Claus Schmiedel hätte damit am allerwenigsten gerechnet, wie er in einem Interview mit dieser Zeitung vor Kurzem eingeräumt hat. „Ich bin noch der Politik verbunden und bleibe Mitglied der SPD“, sagt der 65-Jährige. Für den Ruhestand fühlt er sich aber noch zu jung.

Ex-Politiker als Türöffner zu Unternehmen

Deswegen hat der Vater von vier Kindern jetzt eine neue Aufgabe: Schmiedel berät die Steinbeis-Hochschule mit Sitz in der Berlin. Dahinter steckt die Steinbeis-Stiftung in Stuttgart, die Hochschule wurde 1998 in Berlin gegründet – weil dort das Hochschulgesetz schon ein Studium ohne Abitur erlaubt hat. Der Schwerpunkt der Tätigkeit liegt aber im Ländle – nur wenige Module müssen von den Studenten in Berlin absolviert werden. „Die Dozenten reisen sonst zu den Studenten“, sagt Schmiedel. Diese müssen nämlich an einem lokalen Unternehmen angedockt sein, um sich an der Steinbeis-Hochschule fortzubilden.

Und genau da kommt der SPD-Politiker ins Spiel. „Zwei Institute der Hochschule sind auf mich zugekommen“, berichtet er. Er wird nun als Berater angeheuert, um die Kontakte herzustellen. Denn die Bereitschaft der Unternehmen, sich als Partner für die Steinbeis-Hochschule zur Verfügung zu stellen, die „fällt nicht vom Himmel“, wie Schmiedel in der ihm eigenen blumigen Rhetorik sagt.

Es muss also Überzeugungsarbeit geleistet werden – den Unternehmen muss der Mehrwert erklärt werden, den sie durch einen solchen Studenten haben. Zum Beispiel dann, wenn ein Mittelständler aus dem Ländle die politische Öffnung im Iran nutzen und dort auf dem Markt präsent sein möchte.

„Ein Steinbeis-Student würde dann aus dem Iran angeworben“, erzählt Schmiedel seinen Plan. Für den Iraner eine einmalige Gelegenheit zur Fortbildung durch einen Master-Studiengang. Gleichzeitig könnte er einen Business-Plan und ein Konzept für das Unternehmen entwickeln, und beides gleich umsetzen. „Das ist dann eine Win-Win-Situation“, sagt Claus Schmiedel. Wenn er so von diesem Plan erzählt, verschwindet die Lethargie aus seiner Stimme – der ehemalige Berufsschullehrer kann an seine Zeit als Wirtschaftspolitiker in der SPD-Fraktion anknüpfen.

Damals war er an einem Projekt beteiligt, mittelständische Unternehmen nach China zu bringen. Das soll nun praktisch auf die ganze Welt ausgedehnt werden. Schmiedel arbeitet per Beratervertrag für die Steinbeis-Stiftung – und will nun seine ganze Energie darauf konzentrieren. Ein Herzensanliegen ist ihm dabei der Kontinent Afrika – auch hier stellt sich Schmiedel vor, gezielt qualifizierte Mitarbeiter anzuwerben und so Türöffner für Unternehmen zu sein.

Schmiedel: Die SPD muss spannende Konzepte entwickeln

Und die Politik? Allzu viel will Claus Schmiedel darüber nicht mehr reden. Seiner Partei rät er, wieder interessante Konzepte zu entwickeln, die Grundlage der allgemeinen Diskussion sind: „Andere sollen sich ruhig wieder an uns abarbeiten. Wir müssen spannend sein.“ Da habe die Partei Defizite. Etwa in der Frage, wie man mit der Digitalisierung der Arbeitswelt umgehe. Und zu Schwarz-Grün hat der ehemalige Spitzenpolitiker eine klare Meinung: „Die Politik von Grün-Rot geht im Wesentlichen weiter. Ich sehe keinen Bruch.“

Erste Vorteile ohne den Stressjob Berufspolitiker kann Schmiedel indes langsam erkennen. Am Samsgag konnte er zum ersten Mal seit vielen Jahren entspannt über den Marktplatz schlendern, mit ein paar Freunden in der Sonne sitzen und die Zeit genießen. Das war als Grande der Sozialdemokraten kaum möglich – unter der Woche waren die Terminkalender der Politgrößen immer randvoll, daher hat man sich an den Wochenenden zur Abstimmung getroffen. Ja, Claus Schmiedel kommt sogar zu der Erkenntnis, dass er eine neue Lebensqualität gewonnen hat.

„Ich bin wieder mein eigener Herr“, sagt er schmunzelnd. Doch noch schweift der Blick immer mal wieder in die Ferne. Der Phantomschmerz hält noch an.




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