Ex-LKA-Chef Michelfelder Die Polizeipistole als Souvenir für den Ruhestand
Für Ex-LKA-Präsident Ralf Michelfelder wird bei der Dienstwaffe eine große Ausnahme gemacht. Einen Hund im Büro erlaubt die Behörde aber angeblich allen Beschäftigten.
Für Ex-LKA-Präsident Ralf Michelfelder wird bei der Dienstwaffe eine große Ausnahme gemacht. Einen Hund im Büro erlaubt die Behörde aber angeblich allen Beschäftigten.
Der Auftritt war ein Paukenschlag für den zuletzt etwas dahindümpelnden Untersuchungsausschuss zur Polizei. Als Zeuge nahm Ralf Michelfelder, der frühere Präsident des Landeskriminalamts, kein Blatt vor den Mund. Er offenbarte nicht nur, wie wenig er vom späteren Polizeiinspekteur Andreas Renner als LKA-Vize hielt; als „Sicherheitsrisiko“ sah er ihn in dieser Funktion. Zugleich berichtete der Pensionär von offensichtlichen Einschüchterungsversuchen. Immer wieder seien haltlose Vorwürfe an die Medien gelangt, sogar zu seinem Abschiedsgeschenk und einem Diensthund sei recherchiert worden.
Das plötzliche Interesse an seiner Person erklärte sich Michelfelder (62) mit dem U-Ausschuss. Seit Langem war bekannt, wie kritisch er zu Renner stand; seine Aussage war daher mit Spannung erwartet worden. Es sei wohl darum gegangen, ihn im Vorfeld zu „diskreditieren“. Tatsächlich genießt der Ex-LKA-Chef bis heute einen hervorragenden Ruf als unkonventioneller, menschlich und fachlich außergewöhnlicher Polizeiführer. Doch im Wissen um seinen Wert, monierten Wegbegleiter, habe er zuweilen leicht selbstherrliche Züge entwickelt. Der frühere Polizeiinspekteur schilderte ihn im Ausschuss als überaus eigenständig.
Mit dem Abschiedsgeschenk wurde für Michelfelder jedenfalls eine große Ausnahme gemacht. Aus den Händen seines Nachfolgers Andreas Stenger nahm er ein Souvenir entgegen, das es nach Kenntnis des Innenministeriums im Südwesten zuvor noch niemals gegeben hatte: seine Dienstwaffe und die Dienstmarke (Aufschrift: „Kriminalpolizei“) samt Kette, eingearbeitet in ein Holzbrettchen. Darüber war das Landeswappen eingraviert, darunter Name und Dienstzeit. Bei der Übergabe wirkten der alte und der neue LKA-Chef bestens gelaunt.
Normalerweise müssen Ruheständler ihre gesamte Ausrüstung abgeben, nebst Dienstausweis also auch Waffe und „K-Marke“. Ausnahmen sind in den Vorschriften nicht vorgesehen. Den Ausweis, ohne den die Kripomarke nicht gültig ist, lieferte auch Michelfelder ab. Doch für seine Selbstladepistole vom Typ Walther PPS erteilte Innenstaatssekretär Wilfried Klenk (CDU) erst- und einmalig eine Sondererlaubnis. Zuvor wurde die Waffe vorschriftsgemäß unbrauchbar gemacht, was das Beschussamt in Ulm bestätigte. Eine waffenrechtliche Erlaubnis sei daher nicht nötig.
Ungewöhnlich war auch der Weggefährte, der in Michelfelders Chefbüro mit einzog: ein pensionierter Polizeihund, der meistens müde auf seiner Decke lag. Auf die frotzelnde Frage eines Kollegen, wer denn das genehmigt habe, soll der LKA-Chef mit „der neue Präsident“ geantwortet haben – also er selbst. Ein Sonderrecht will das Landeskriminalamt darin nicht sehen. Als moderner Arbeitgeber, sagt ein Sprecher, ermögliche man „allen Beschäftigten beispielsweise das Mitbringen eines Hundes an den Arbeitsplatz, sofern es dienstliche Belange zulassen“. Von den mehr als 1000 LKA-Leuten werde dies allerdings nur „vereinzelt“ in Anspruch genommen.
Dabei haben Hunde im Büro laut der LKA-Auskunft höchst segensreiche Auswirkungen, wie Studien belegten. Sie böten soziale Unterstützung, reduzierten Stress, steigerten kognitive Fähigkeiten wie soziale Interaktion und hälfen sogar gegen Angstzustände und Depressionen. Zudem müssten Beschäftigte ihre Arbeitszeit nicht einschränken, um das Tier zu betreuen. All das sei im „war for talents“ wichtig, um die Attraktivität des LKA als Arbeitgeber zu erhöhen.
Mit Blick auf seine nur unterbrochene Aussage wollte sich Michelfelder auf Anfrage nicht äußern. Mit Spannung wird nun erwartet, was er im Juli noch alles berichtet.
Anmerkung der Redaktion: Inzwischen hat Michelfelder mitteilen lassen, dass seit Jahrzehnten insbesondere Beamte des Spezialeinsatzkommandos, der Mobilen Einsatzkommandos, aber auch verdiente Polizeibeamte ihre unbrauchbar gemachte Dienstwaffe als sogenannte Dekorationswaffe auf einem Holzbrett montiert als Abschiedsgeschenk erhalten hätten.