Jonathan Schopf (links) und Arne Wintermeier sind die beiden Pächter des Hotels Hohenried in Freudenstadt. Foto: Hotel Hohenried
Arne Wintermeier war Bahnhofsmanager in Ludwigsburg, hat eine Heilpraktikerschule in Berlin besucht – und hat nun sein Glück im Schwarzwald gefunden. Das hat auch mit dem Umweltfokus seines neuen Hotels in Freudenstadt zu tun.
Schaut man sich den Lebenslauf von Arne Wintermeier an, könnte man meinen, er wäre einer dieser Menschen, die von einer beruflichen Station zur nächsten hüpfen: mal Bahnhofsmanager in Ludwigsburg, mal Hotelier, mal Heilpraktiker. Doch besucht man ihn in seinem 2022 eröffneten Hotel in Freudenstadt bekommt man einen ganz anderen Eindruck. Er scheint angekommen. „Die Idee ist es, hier zur Ruhe zu kommen“, sagt er. Und: „Ich bin definitiv glücklich.“
Die neuen Pächter bauten vieles um, bevor sie das Hotel wiedereröffneten. Foto: Hotel Hohenried
Es war alles andere als selbstverständlich, dass ausgerechnet Arne Wintermeier (47) ein Hotel im Schwarzwald eröffnet. Immerhin wollte er, der im Kreis Böblingen und in einem Dorf bei Rottweil aufgewachsen ist, als junger Mensch unbedingt raus aus der ländlichen Idylle. Lange lebte er in Ludwigsburg, schätzte dort die Kultur und den Einzelhandel. Zwischendurch machte er für zwei Jahre einen Ausflug nach Berlin.
Ex-Bahnhofsmanager in Ludwigsburg, nun Hotelier im Schwarzwald
Nun verbringt er fünf Tage die Woche im Nordschwarzwald, genauer gesagt im 24 000 Einwohner zählenden Freudenstadt. Um Freunde in Stuttgart oder Ludwigsburg zu sehen, fährt er anderthalb Stunden mit dem Regionalzug. Und dennoch sei er ausgeglichener als früher; schlafe besser, atme bessere Luft ein und führe nettere Gespräche mit seinen Gästen, schwärmt er.
In Ludwigsburg führt Arne Wintermeier bereits seit vielen Jahren zwei Hotels gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Harald Kilgus. Doch spätestens in der Coronapandemie spürten sein anderer Geschäftspartner Jonathan Schopf und er den Wunsch, mehr ins Ländliche zu gehen. Über Hotelmakler suchten sie nach zu verpachtenden Hotels im Alpenraum und im Schwarzwald – erfolglos. „Wir haben immer die gleichen Angebote bekommen.“ Dann annoncierten sie ein Gesuch in der Zeitung, „und der erste Anruf kam vom Hotel Hohenried“. Es gefiel ihnen sofort. Schnell wurden sie sich mit dem Eigentümer einig.
„Wir wollten bewusst nicht abreißen und etwas Neues bauen, sondern sorgsam mit den Ressourcen umgehen“, sagt Wintermeier. Sie bauten also „nur“ vieles um: eine Photovoltaik-Anlage mit 20 Kilowattpeak kam hinzu, zwei Wärmepumpen, neue und besser gedämmte Fenster und ein saniertes Dach. Noch beziehen sie zwar fossile Energien und müssen im Winter eine Gasheizung dazuschalten. Doch das Wasser fürs Haus können sie bereits ohne Gas erhitzen. Und es sind weitere Solarmodule geplant.
Es ist kein großes Hotel, das die beiden Pächter da übernommen haben: 22 Zimmer, ein kleines Schwimmbecken, eine Sauna. Umso wichtiger ist ihnen der persönliche Kontakt. „Wir wollen hier die gute, alte Gastfreundschaft pflegen“, sagt Wintermeier. Doch weil weniger Zimmer auch weniger Rentabilität bedeuten, müssen sie an anderer Stelle sparen: Eine Bar mit Personal gibt es nicht, dafür können sich die Gäste rund um die Uhr selbst Getränke nehmen. Auch Abendessen bieten sie nicht an, außer Arne Wintermeier heizt den Holzofen an und backt frische Pizza, Brot oder Dinnete für alle. Frühstück gibt es aber – alles bio. Der Honig kommt von Wintermeiers eigenen Bienen neben dem Hotel. Und auch bei den Getränken und Snacks wird auf regionale Herkunft und biologische Herkunft geachtet.
Ein Aufenthaltsbereich im Hotel Hohenried Foto: Hotel Hohenried
Es ist bereits das siebte Hotel, das Wintermeier führt; das Ländlichste, wie er sagt. In Ludwigsburg hätten sie einen Anteil von Geschäftsreisenden von mindestens 90 Prozent mit einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 1,6 Nächten. In Freudenstadt seien es zu 90 Prozent Urlauber, die im Schnitt länger als drei Nächte blieben.
Gäste in Freudenstadt seien anders als in Ludwigsburg
Dementsprechend sei die Stimmung eine völlig andere: „Ein Schlüsselerlebnis für mich war, als ich einen Gast in einem der Hotels in Ludwigsburg fragte, ob er eine gute Anreise hatte – und er darauf antwortete, wie der WLAN-Code sei“, berichtet Wintermeier. Oft stünden die Menschen lange im Stau, bevor sie in Ludwigsburg eincheckten und seien dementsprechend gestresst. „In Freudenstadt gehören zu unseren Gästen einige ‚Klima-Flüchtlinge‘ aus dem Raum Stuttgart, Mannheim oder auch Barcelona, die im Hochsommer mal wieder gut schlafen wollen“, sagt Arne Wintermeier. Direkt um die Ecke beginnt der Wald, dadurch kühlt es nachts ordentlich ab.
Frühstücksgäste von außerhalb, Feiergesellschaften oder Tagungen werden in dem Hotel nicht aufgenommen. Die Gäste, die da sind, sollen Ruhe finden und nicht gestört werden durch größere Gruppen. Und bisher scheint Arne Wintermeier mit seinem persönlichen Kurswechsel Erfolg zu haben: „So kann es weitergehen“, sagt er.