Stuttgart - Stefan Mappus (53) behielt die Neuigkeit für sich. Als der Ex-Ministerpräsident unlängst am CDU-Neujahrsempfang in seinem Heimatort Mühlacker teilnahm, erwähnte er seinen beruflichen Umstieg mit keinem Wort. Man sei davon ausgegangen, dass er wie bisher Vorstandsmitglied bei dem Münchner IT-Dienstleister PM One sei, berichtete ein Besucher.
Bei dem gut 200 Mitarbeiter zählenden Mittelständler war Mappus nach seinem Ausstieg aus der Politik beruflich neu durchgestartet – im zweiten Anlauf. Im ersten sollte er als Repräsentant des Pharmakonzerns Merck nach Brasilien gehen, doch das zerschlug sich wegen der langen Nachwehen des EnBW-Rückkaufs. Von 2012 an arbeitete der Ökonom zunächst als Berater des Vorstands von PM One, dann als Geschäftsführer von Tochterfirmen. 2015 rückte er schließlich selbst in den Vorstand auf – für ihn nach eigenem Bekunden ein Traumjob. Er sei „wunschlos glücklich“, sagte er 2017 dem „Manager-Magazin“ und habe „derzeit kein Bedürfnis, mich zu verändern“.
„Auf eigenen Wunsch“ Amt abgegeben
Doch inzwischen ist Mappus von der Homepage des IT-Beratungshauses verschwunden; unter den als „souveräne Führungspersönlichkeiten“ gelobten Vorständen fehlt sein Name. Auch über die bisherigen Kontaktdaten ist er nicht mehr erreichbar. Ende 2019 laufe sein Vertrag aus, hatte es in CDU-Kreisen vor einer Weile geheißen, als wieder einmal über eine Rückkehr in die Politik spekuliert wurde.
Doch die Initiative zum Absprung ging von ihm aus, wie ein von PM One eigens für die Personalie beauftragter PR-Experte unserer Zeitung mitteilte: Mappus, der sich selbst nicht äußern werde, habe sein Mandat „auf eigenen Wunsch“ zum 31. Dezember 2019 niedergelegt; er werde sich zunächst eine „kurze Auszeit“ gönnen. In Zukunft werde er „auch für die TRM GmbH tätig sein“, den größten Aktionär von PM One.
Weltweiter Konzern aus kleinen Anfängen
TRM – dieses Kürzel findet sich in vielen Firmennamen. Nach StZ-Recherchen handelt es sich um die TRM Beteiligungsgesellschaft mit Sitz in Dortmund. Diese ist eng mit der Unternehmerfamilie Knauf verbunden, die aus einem Gipswerk an der Mosel einen weltweit agierenden Baustoff-Konzern gemacht hat. Mit einer „besonderen Mischung aus Tradition und Innovation“, bescheinigt sich das immer noch in Familienbesitz befindliche Unternehmen mit Hauptsitz im nordbayerischen Iphofen, sei man zu einem „sehr erfolgreichen Global Player“ geworden. Noch immer haben Knaufs in der Firma das Sagen, inzwischen in dritter Generation.
Mappus und die Knaufs – dieser Kontakt kam wahrscheinlich über PM One zustande. Im Herbst 2018 beteiligte sich die Unternehmerfamilie an dem IT-Dienstleister, was beidseits gefeiert wurde. Man freue sich über den „kompetenten und langfristig orientierten Investor“, lobte der Vorstandschef. Sie unterstützten das „optimal aufgestellte“ Unternehmen gerne beim weiteren Wachstum, bekundeten die Knaufs. Der Leiter ihres Family Offices, Winfried Tillmann, zog in den Aufsichtsrat ein.
Rückkehr in die Politik unwahrscheinlicher
Was genau Mappus bei der Knauf-Firma machen wird, blieb zunächst offen. Ins Family Office steige er jedenfalls nicht ein, hieß es. Auch zu den Motiven seines Wechsels war nichts zu erfahren. Immer wieder einmal hatte er den Wunsch erwähnt, beruflich noch mehr im Ausland unterwegs zu sein. Im weltweiten Knauf-Reich dürfte es an Möglichkeiten dazu nicht mangeln.
Mit dem neuen Job dürfte eine Rückkehr in die Politik noch unwahrscheinlicher werden. Immer wieder hatte Mappus damit kokettiert, so etwa, als 2018 sein Porträt in der Ahnengalerie des Staatsministeriums enthüllt wurde. „Schauen wir mal, was das Leben noch bringt“, orakelte er damals. Von den 39 Prozent, mit denen er 2011 die CDU-Macht im Land verlor, kann die Partei heute nur träumen. Auch sein EnBW-Deal sieht inzwischen besser aus: die nach Fukushima stark eingebrochenen Aktien liegen rechnerisch derzeit mit etlichen hundert Millionen Euro im Plus. Gerne nutzte er Auftritte in seiner Heimat, um mit einem Comeback zu liebäugeln – was die Partei zuverlässig in Aufregung versetzte. Doch beim CDU-Empfang in Mühlacker warteten seine Fans darauf vergeblich.