Ex-Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück verlässt SPD nach 40 Jahren – und plant neue Bewegung

Uwe Hück will die von ihm gegründete Bewegung „Offene Partei“ neu aufstellen (Archivbild). Foto: dpa/Marijan Murat
Uwe Hück will die von ihm gegründete Bewegung „Offene Partei“ neu aufstellen (Archivbild). Foto: dpa/Marijan Murat

Nach 40 Jahren verlässt Uwe Hück die SPD. Seine Begründung: „Die SPD hat ihre Grundwerte verraten.“ Der frühere langjährige Porsche-Betriebsratschef will der Politik aber trotzdem erhalten bleiben.

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Pforzheim - Der frühere Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück (58) verlässt die SPD nach 40 Jahren. Dies bestätigte er der Deutschen Presse-Agentur am Freitag. Zuvor hatten die „Badischen Neuesten Nachrichten“ (BNN) darüber berichtet. Der Politik will Hück aber erhalten bleiben: Die von ihm gegründete innerparteiliche Bewegung „Offene Partei“ will er neu aufstellen. Einzelheiten dazu will er Mitte Januar bekanntgeben. Seinen Austritt begründete Hück mit seiner Enttäuschung über die SPD: „Die SPD hat ihre Grundwerte verraten“, sagte er der dpa.

Hück, der für die SPD im Pforzheimer Stadtrat sitzt, war immer wieder massiv mit Parteifreunden aneinandergeraten. Kritiker werfen dem ehemaligen Europameister im Thaiboxen vor, einen Zersetzungsprozess in der SPD in Gang gesetzt zu haben. Für Zündstoff sorgte etwa, dass er rund 100 neue Mitglieder angeworben und die innerparteiliche Bewegung gegründet hatte.

SPD-Landesverband wenig überrascht

Der SPD-Landesverband zeigte sich wenig überrascht: „Es ist der überfällige Schlusspunkt der letzten Monate. Wir können uns nun in Pforzheim wieder darauf konzentrieren, was wirklich wichtig ist“, so Generalsekretär Sascha Binder. Die Pforzheimer SPD-Bundestagsabgeordnete Katja Mast, auf deren Job Hück Ambitionen hatte, bilanzierte: „Egoismus und der Schrei nach Aufmerksamkeit sind keine guten politischen Ratgeber.“ Nur konkrete politische Arbeit verbessere den Alltag der Bürger.

Dabei war die SPD vorgewarnt: Hück hatte bei seinem Eintritt in die Politik angekündigt, eingefahrene Strukturen aufbrechen zu wollen. Trotzdem hatte die Partei dem wortgewaltigen früheren Betriebsratsboss vor zwei Jahren den roten Teppich ausgerollt, um ihn bei der SPD zu halten: Der Politneuling wurde Pforzheimer SPD-Spitzenkandidat für die Kommunalwahl im Frühjahr 2019. Und er lieferte: Hück holte aus dem Stand die meisten Stimmen in der Stadt.

Forsche Art sorgt für Zoff

Doch die forsche Art, die bei Wählern ankam, sorgte innerparteilich zunehmend für Zoff. Zu einer wichtigen Delegiertenwahl diese Woche waren Hück und seine Anhänger schon nicht mehr erschienen. Im Austrittsschreiben, das der dpa vorliegt, schrieb er: Er sei seit Jahrzehnten mit ganzem Herzen SPD-Mitglied gewesen und hinter den Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft und der sozialen Gerechtigkeit gestanden. „Diese Prinzipien und diese Werte kann ich nicht mehr erkennen. Diese Werte werden schon sehr lange nicht mehr gelebt.“

Uwe Hück will sich nun mit seinen Mitstreitern neu aufstellen: „Wir machen was Neues.“ So wolle man etwa für mehr Bürgerentscheide kämpfen. „Insgesamt werden wir 200 bis 300 sein.“ Die 100 vorwiegend jungen Leute, die er für die SPD angeworben habe, würden austreten. Erleichtert ist über den Austritt offenbar nicht nur die SPD: „Ich fühle mich jetzt freier“, sagte Hück. Dass er auch aus der SPD-Fraktion im Pforzheimer Gemeinderat austrete, verstehe sich von selbst, sagte er den BNN.

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