Ex-Profi des VfB Stuttgart So startet Hiroki Ito plötzlich beim FC Bayern durch

Erzielte sein erstes Tor für den FC Bayern: Abwehrmann Hiroki Ito. Foto: /Frank Hoermann

Nach langer Leidenszeit startet Abwehrmann Hiroki Ito beim FC Bayern durch – gerade rechtzeitig vor der Rückkehr nach Stuttgart an diesem Freitag.

Sport: Marco Seliger (sem)

Wenn Trainer einen Spieler nach einer gewonnenen Partie hervorheben, muss etwas Besonderes passiert sein. In der Regel verweigern die Herren Fußballlehrer ja das öffentliche Lob an den Einzelnen und verweisen lieber auf das starke Kollektiv. Was dann ungefähr so spannend ist wie ein müdes 0:0 zwischen, sagen wir, Kiel und Wolfsburg oder Augsburg und Hoffenheim an einem dunklen Sonntagabend.

 

Am vergangenen Sonntagabend aber war nun alles anders, als Vincent Kompany nach dem 4:0 seines FC Bayern gegen Eintracht Frankfurt das übliche Verhaltensmuster durchbrach. Es war ja auch eine besondere Geschichte, die sein Abwehrmann Hiroki Ito schrieb – die Kompany hinterher mit Blick auf den Einzelnen so zusammenfasste: „Hiroki war ganz lange raus. Und er hat nun in ganz wenig Zeit gezeigt, dass er für diesen Verein ein sehr wertvoller Spieler sein wird“, sagte der Coach: „Das mit dem Tor war eine gute Geschichte für die Mannschaft – sechs, sieben Monate raus und dann dieser Moment.“

Der Moment ereignete sich gegen die Eintracht in Minute 61, als Ito nach einem Eckball zum 2:0 abstaubte. Es war nicht nur der erste Treffer eines Japaners in der Bundesliga-Geschichte des FC Bayern. Es war wohl auch das endgültige Ende einer langen Leidenszeit Itos in München.

Kurzes Strahlen

Rückblick: Im vergangenen Sommer wechselt der 25-Jährige nach einer bärenstarken Saison für den VfB Stuttgart, auf den er an diesem Freitag an alter Wirkungsstätte trifft, für knapp 30 Millionen Euro (Sockelablöse plus Boni) an die Isar. Der FC Bayern präsentiert seinen Neuen auf einer Pressekonferenz. Ito strahlt und hält ein Trikot mit der Nummer 2028 in der Hand, so lange läuft sein Vertrag beim Rekordmeister. „Hiroki wird sofort eine richtige Verstärkung für uns sein“, sagt Sportvorstand Max Eberl damals. Er ahnt nicht, wie falsch er mit seiner Einschätzung liegen wird.

Denn wenige Zeit später kommt der große Rückschlag für Ito. In der Saisonvorbereitung zieht er sich im Testspiel gegen den 1. FC Düren einen Mittelfußbruch zu. Im November muss er nach einem Rückschlag ein zweites Mal operiert werden. „Es ist hart, man beginnt nachzudenken“, sagt der Japaner damals im tristen Herbst – ergänzt aber auch: „Ich weiß, was ich kann und werde stärker zurückkommen.“

Starkes Comeback

Am 12. Februar dann, beim Champions-League-Hinspiel bei Celtic Glasgow (2:1), kommt Ito zurück. Er gibt als Joker sein Pflichtspieldebüt für die Bayern. Drei Tage später, beim 0:0 bei Bayer Leverkusen, steht er erstmals in der Startelf. Ito gewinnt fast 67 Prozent seiner Zweikämpfe und verhindert mit einer famosen Abwehraktion ein Gegentor. Gegen die Eintracht dann folgt der nächste Startelfeinsatz – und der Höhepunkt mit dem ersten Tor. Wieder gewinnt Ito knapp 67 Prozent seiner direkten Duelle, und wie schon in den Partien zuvor läuft er als Linksverteidiger und nicht auf der angestammten Position in der Abwehrzentrale auf. „Wir haben jetzt mehr Spieler mit Qualität und Erfahrung“, sagt Trainer Kompany noch.

Gut möglich ist es nun, dass Ito bei seiner erstmaligen Rückkehr nach Stuttgart an diesem Freitag (20.30 Uhr) wieder auf der Außenbahn zum Zug kommt, auch wenn Alphonso Davies nach seinem Muskelfaserriss wieder fit ist und Raphael Guerreiro ebenso einsatzbereit ist (wenn auch aktuell eher formschwach).

Langfristig aber drängt Ito auf seine Lieblingsposition ins Zentrum. Die Konkurrenten Dayot Upamecano und Min-Jae Kim schwächeln auch in dieser Saison immer wieder, weshalb es auf Sicht gut sein kann, dass Ito sich in der Münchner Innenverteidigung festspielen wird – sollte er jetzt fit bleiben und an die Top-Form aus Stuttgart in der vergangenen Runde herankommen. „Ich spiele lieber im Zentrum als außen“, sagt Ito selbst dazu, denn: „Wenn ich als Innenverteidiger den Ball habe, habe ich das gesamte Spiel vor mir.“

Jetzt hat der Japaner nach langer Leidenszeit erst einmal weitere Einsätze vor sich, auf welcher Position auch immer. Das ist mit dem Blick auf die traurigen vergangenen Monate schon viel. Und Ito hat noch viel vor: „Mein Ziel ist es, in dieser Saison zwei Titel zu gewinnen“, sagt er: „Wenn du das Champions-League-Finale in deiner Stadt in München spielen kannst, musst du dabei sein und gewinnen.“

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