Ex-Rems-Murr-Landrat Johannes Fuchs Pendler zwischen Bauernhof und Berlin

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Johannes Fuchs ist seit 2015 im (Un)Ruhestand. Der ehemalige Landrat liebt das Landleben im Ostalb-Kreis. Im Herbst will er sich erneut zum Präsidenten des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge in Berlin wählen lassen.

Johannes Fuchs und sein Bauernhaus bei Iggingen – Zeit zum Ausruhen bleibt kaum, fast immer wird geschafft. Foto: Gottfried Stoppel
Johannes Fuchs und sein Bauernhaus bei Iggingen – Zeit zum Ausruhen bleibt kaum, fast immer wird geschafft. Foto: Gottfried Stoppel

Iggingen/Urbach - Anno dazumal haben sich in dem alten Bauernhaus am Waldrand bei Iggingen im Ostalbkreis die Pfarrer der Gegend getroffen und dann im Laufe des Abends ordentlich gebechert. So jedenfalls geht die Legende, und die erzählt Johannes Fuchs (68) an diesem Nachmittag unter der Woche mit großer Freude. Der ehemalige Landrat ist seit drei Jahren im (Un)Ruhestand, und er hat sich mit dem Kauf des Bauernhofes – Adresse Pfaffenhäusle 1 – einen lange gehegten Wunsch erfüllt. Gemeinsam mit seiner Frau Evi. Mit der Gattin sitzt der Ex-Verwaltungschef aus Waiblingen auf der Terrasse. Unter der Woche an einem Nachmittag! Müßiggang gegen 15 Uhr, das hat es während seines Berufslebens nicht so oft gegeben.

Die Sonne lugt gelegentlich zwischen den Wolken hervor, es weht ein laues Lüftchen. Insekten surren und flattern, Blätter rascheln. Ansonsten: Stille. Auf dem Tisch stehen Kaffee und selbst gebackener Apfelkuchen. Willkommen zur Stippvisite in Johannes Fuchs’ neuem Leben. Später wird er einen trockenen Rotwein servieren.

Die Gattin gießt Wasser in den Wein

Doch zunächst muss Evi Fuchs leider Wasser in den Wein gießen – im übertragen Sinne, versteht sind. Sie grinst und sagt dann, die Geschichte von den kübelnden Kirchenmännern sei ja hübsch, „aber sie stimmt nicht“. Egal, nicht alle schönen Storys müssen wirklich wahr sein.

Diese Geschichte handelt vom dritten Lebensabschnitt des einstigen Urbacher Bürgermeisters und späteren Kreischefs Fuchs, sie ist eine schöne, sie stimmt, und sie geht – in Kurzfassung – so: Als der Abschied aus dem Berufsleben näher kam, machten sich Evi und Johannes Fuchs auf die Suche nach einem alten Gebäude draußen auf dem Lande, aber nicht zu weit weg von daheim in Urbach. Die beiden haben sich auch eine alte Mühle angeschaut, sie waren unter anderem in Großhöchberg und am Bodensee auf Erkundungstour. Viele Immobilien seien zu teuer gewesen. Durch Zufall haben sie von dem einstigen Bauerhof bei Iggingen gehört. Alleinlage. Weiter Blick über die Felder. Ein großer Stall. Viel, viel Platz. Mehrere Ar Wald gehören zum Anwesen. Der Preis stimmte, also haben die beiden zugeschlagen. Bald wurde aber klar: das Haupthaus ist nicht zu retten. „Wir hatten den Hausschwamm im Gebäude und Holzwürmer im Dach.“ Längst steht der Neubau, der auf den ersten Blick ausschaut wie ein altes Bauernhaus, innen indes ist alles topmodern. Die Scheune wurde im Urzustand erhalten, das kleine Backhäusle saniert. Johannes Fuchs hat viele Arbeiten selbst erledigt. Nach wie vor hätten er und seine Frau selten Zeit zum Ausruhen, erzählt er. Im Haus und auf dem Gelände drum herum gebe es eigentlich immer etwas zu schaffen. Und wenn ausnahmsweise mal doch nicht, dann kommen die zwei kleinen Enkele aus dem Remstal und fordern die Großeltern.

Zweimal im Monat ist Johannes Fuchs in Berlin

Das Arbeiten im Büro kann und will Johannes Fuchs trotzdem noch nicht komplett aufgeben. Seit 2014 ist er Präsident des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge mit Sitz in Berlin. Zweimal im Monat ist Fuchs wegen dieses zeitintensiven Ehrenamts in der Bundeshauptstadt. Bei dem 1880 gegründeten Verein sind unter anderem die Wohlfahrtsverbände Mitglied, auch der Städtetag, der Gemeindetag und der Landkreistag. Der Verein informiert über aktuelle soziale und sozialpolitische Entwicklungen, er berät Ministerien und richtet eigene Veranstaltungen aus, etwa den Deutschen Fürsorgetag. Johannes Fuchs ist zudem noch Präsident des DRK-Kreisverbands Rems-Murr, im Herbst werde der neue Landrat Richard Sigel den Posten aber übernehmen. Seine Mitarbeit im Verwaltungsrat der Diakonie Stetten indes will Fuchs fortsetzen. So schön es im Bauernhaus und auf der Terrasse sei, „ich könnte nicht den ganzen Tag hier sitzen“ – sitzen und nichts tun, so wie es nicht wenige Rentner tun.

Wie denkt Johannes Fuchs über seine Zeit als Landrat? Mit dem Abstand von rund drei Jahren. Die Antwort kommt schnell: „Ich möchte keinen Tag missen.“ Wirklich keinen? Auch nicht jenen Abend in der überfüllte Stadthalle in Backnang als ihn, den obersten Vertreter des Landkreises, die geballte Wut vieler Backnanger traf, die nicht nur mit netten Worten gegen die geplante (und später auch vollzogene) Schließung der Klinik in der Murrstadt protestiert haben. Ganz kurze Denkpause – dann sagt Fuchs: „Nein, auch diesen Tag nicht.“ Das Aus für die beiden Hospitäler in Backnang und in Waiblingen sei „alternativlos“ gewesen. Es habe sich gelohnt, den „schwierigen Weg“ zu beschreiten. Die Menschen im Rems-Murr-Kreis hätten jetzt mit dem Neubau in Winnenden ja auch noch ein tolles akademisches Lehrkrankenhaus.

Im Herbst gibt Fuchs den Posten beim DRK ab

Evi Fuchs äußert die Hoffnung, dass sie und ihr Mann vom Herbst an mehr gemeinsame Zeit haben, sobald der Gatte den aufwendige Posten beim Roten Kreuz abgegeben hat. Der Hauptwohnsitz des Ehepaares ist nach wie vor Urbach, und das wird auch so bleiben. Aber womöglich bekommen es Evi und Johannes Fuchs spätestens vom kommenden Jahr an dann tatsächlich hin, regelmäßig länger als maximal ein paar Tage am Stück in ihrem alten, neuen Bauernhaus zu leben.

Jetzt aber genug geschwätzt über sein Leben gestern und vorgestern und über seine Pläne für die nahe Zukunft, sagt Fuchs sinngemäß – und köpft zu vorgerückter Stunde die Rotweinflasche. Jetzt wird zwar nicht gebechert, wie angeblich anno dazumal bei den Pfarrern – aber zünftig getrunken wird schon, zumindest bis das aktuelle Fläschle leer ist.




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