Ex-Schiedsrichter Knut Kircher EM-Aus: „Rizzoli trifft keine Schuld“

Von Jochen Klingovsky 

Allen, die dem Schiedsrichter Nicola Rizzoli eine Mitschuld am EM-Aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft geben, zeigt der frühere Bundesliga-Referee Knut Kircher die Rote Karte – und zählt die Gründe dafür auf

Entscheidende Szene im Halbfinale: Bastian Schweinsteiger (re.) bekommt den Ball an die Hand Foto: Getty
Entscheidende Szene im Halbfinale: Bastian Schweinsteiger (re.) bekommt den Ball an die Hand Foto: Getty

Stuttgart -

Herr Kircher, im EM-Halbfinale gab es einen Handelfmeter gegen Deutschland. Zu Recht?
Absolut.
Keine Diskussion?
Nein. Es war ein klares Handspiel von Bastian Schweinsteiger. Er ging mit einer unnatürlichen Körperhaltung in den Zweikampf, hat dabei in Kauf genommen, dass ihn der Ball an der Hand treffen könnte, der Arm war angespannt. Es war ein ganz klarer Elfmeter.
Warum hat Nicola Rizzoli gezögert und nicht sofort Strafstoß für Frankreich gepfiffen?
Vermutlich hat er die Situation selbst nicht genau sehen können und wurde vom Assistenten oder Torschiedsrichter auf das Handspiel aufmerksam gemacht. Das ist ein normaler Vorgang und wird von den Kollegen, wenn sie es eindeutig sehen, erwartet.
Folglich . . .
. . . trifft den Schiedsrichter sicher keine Schuld am EM-Aus des deutschen Teams.
Und dennoch hatte es einen Beigeschmack, dass Rizzoli ausgerechnet für dieses Halbfinale eingeteilt wurde.
Wieso?
Weil Deutschland im Viertelfinale Italien geschlagen hat, Ansetzer Pierluigi Collina ein Italiener ist, wie auch der Schiedsrichter.
Diese Verschwörungstheorie ist mir zu weit hergeholt. Ich kann nur sagen: Schiedsrichter auf diesem Niveau sind vom Kopf her so unabhängig, dass ihnen Rachegelüste völlig fremd sind. Es gibt an der Einteilung von Rizzoli nichts in Frage zu stellen.
Wie hat er das Spiel geleitet?
Sehr gut. Er hatte zunächst einen großzügigen Rahmen, baute dann, als er gemerkt hat, nun durchgreifen zu müssen, eine Phase mit berechtigten Gelben Karten ein. Die persönlichen Strafen hat er korrekt verteilt und gutes Augenmaß bewiesen. Es gibt absolut nichts auszusetzen. Noch einmal: Die deutsche Mannschaft war vom Ballbesitz her überlegen und ist deshalb ausgeschieden, weil die Franzosen das wesentlich bessere Umschaltspiel und eine höhere Effizienz im Abschluss hatten. Mit dem Schiedsrichter hatte das alles nichts zu tun.