Ex-Spieler des VfB Stuttgart Timo Baumgartl erklärt seinen Weggang

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Timo Baumgartl – nun bei PSV Eindhoven – erläutert die Beweggründe für seinen Abschied vom VfB Stuttgart, bei dem er vom Profidebüt 2014 bis zum Abschied Ende Juli elf verschiedene Trainer hatte.

Timo Baumgartl hat den VfB Stuttgart Ende Juli verlassen. Foto: Baumann 20 Bilder
Timo Baumgartl hat den VfB Stuttgart Ende Juli verlassen. Foto: Baumann

Stuttgart - Timo Baumgartl ist am Mittwochabend heimgekehrt. Für vier Tage. Der ehemalige Spieler des VfB Stuttgart, der Ende Juli zu PSV Eindhoven ging, verbringt die Länderspielpause in der Heimat. Seine Freundin Julia ist mit dem Labrador Jimmy aus Studiengründen bis jetzt noch in Stuttgart geblieben. Bald kommt sie aber in die Niederlande nach und wird dann dort ihren Master machen; Anfang Oktober ist die Schlüsselübergabe für das kleine Haus im Grünen außerhalb von Eindhoven, das sie dann beziehen werden.

Ende Juli unterschrieb Baumgartl bei PSV Eindhoven einen Fünfjahresvertrag. Mit dem zweiten Abstieg des VfB in drei Jahren hatte der Weggang aber nichts zu tun. „Mein Beweggrund war unabhängig von der Ligazugehörigkeit. Ich wollte den nächsten Schritt machen in meiner Karriere und mich persönlich weiterentwickeln“, sagt der 23-Jährige. „Ein Vereinswechsel hätte auch angestanden, wenn wir in der ersten Liga geblieben wären.“ Er wollte raus aus der Komfortzone, etwas Neues kennenlernen nach acht Jahren in Stuttgart.

Elf Trainer in knapp fünf Jahren

Baumgartl stammt aus Sindelfingen. Nach seinen Anfängen beim GSV Maichingen und SSV Reutlingen kam er 2011 als B-Junior zum VfB. Bis zu seinem Abschied war er der letzte Spieler aus der eigenen Jugend, der sich in Stuttgart als Stammkraft etablieren konnte. Somit war er auch für die Fans immer eine wichtige Identifikationsfigur.

Der blonde 1,90-Meter-Mann hatte diverse Angebote, entschied sich aber für den Europa-League-Teilnehmer aus Eindhoven. Es wird voll auf ihn gesetzt, er hat auch schon ein Tor erzielt, wofür er im Gegenzug wie schon nach seiner Premiere im PSV-Trikot gemäß Brauchtum eine Rede halten musste. „Mit PSV Eindhoven habe ich einen guten Verein gefunden, einen renommierten Club in Europa, der international spielt, was sehr wichtig für mich ist“, sagt Baumgartl. „Es ist ein großer Verein, und es ist ein ruhiger Verein, der einen klaren Plan verfolgt und in Krisenzeiten besonnen agiert.“

Seine Zeit beim VfB war auch von ständigen Personalwechseln auf allen Ebenen geprägt – besonders bei den Trainern. Sein Debüt gab er unter Armin Veh, der schon zwei Wochen danach von Huub Stevens abgelöst wurde. Elf Coaches erlebte Baumgartl insgesamt in knapp fünf Jahren im Stuttgarter Profiteam. „Ich denke, dass es für einen jungen Spieler nicht einfach ist, wenn man viele verschiedene Trainer hat“, sagt er. „Man kann das nicht immer alles von einem weghalten, wenn man viele Trainer hat, weil jeder eine unterschiedliche Philosophie hat – das hat in den letzten Jahren leider nicht so gut funktioniert. Ich hoffe, dass der Verein mit dem jetzigen Trainer Konstanz rein bekommt.“ Er verfolgt den Weg des VfB weiter genau und wünscht ihm den Wiederaufstieg.

Drei seiner PSV-Teamkollegen stehen im niederländischen Aufgebot

Doch jetzt ist erst einmal Länderspielpause. Das EM-Qualifikationsspiel zwischen Deutschland und der Niederlande an diesem Freitag (20.45 Uhr/RTL) schaut Baumgartl mit Freunden, die er zum Abendessen eingeladen hat. Drückt der 23-Jährige, der mit der deutschen U21 in diesem Sommer Vizeeuropameister wurde, mehr alten Freunden wie Luca Waldschmidt die Daumen oder mehr neuen Bekannten wie seinen PSV-Mitspielern Jeroen Zoet, Denzel Dumfries und Donyell Malen? „Ich schaue mir das neutral an, natürlich bin ich als Deutscher für Deutschland. Ich wünsche mir, dass meine Teamkollegen aus Eindhoven gut spielen, viele Tore fallen und es ein unterhaltsamer Abend wird“, sagt er und fügt mit einem Augenzwinkern Richtung Zoet, Dumfries und Malen an: „Ich hoffe natürlich, dass Deutschland gewinnt, damit ich sie im Training aufziehen kann, wenn sie wieder da sind.“

In der Zukunft will er dann bestenfalls nicht mehr von der Couch aus zuschauen, sondern selbst in den Kreis der Nationalelf vorstoßen. „Ich bin froh, dass ich jetzt mit der Europa League in Eindhoven auch eine internationale Plattform habe, auf der ich mich zeigen kann. Und dann ist natürlich irgendwann das Ziel, da eingeladen zu werden“, sagt er. „Ich mache mir da aber keinen Stress. Wenn man gute Leistungen auf dem Platz bringt, wird das irgendwann belohnt.“ Dafür hat er die Komfortzone verlassen.

In unserer Bildergalerie zeigen wir alle VfB-Abgänge dieses Sommers und wo sie jetzt spielen.