Ex-Spieler des VfB Stuttgart Wer vermisst noch Wataru Endo, Borna Sosa und Konstantinos Mavropanos?

Stuttgarter Leistungsträger a. D.: Konstantinos Mavropanos (li.), Wataru Endo Foto: Baumann

Wataru Endo, Borna Sosa und Konstantinos Mavropanos galten beim VfB Stuttgart lange als unersetzlich. Nun sind sie es doch, wie die aktuelle Spielzeit zeigt. Wie ist das zu erklären?

Nein, man kann nun wirklich nicht behaupten, dass es für Borna Sosa bei Ajax Amsterdam rundläuft. Erst der Berater-Ärger um seinen Transfer vom VfB, der Ex-Sportchef Sven Mislintat den Job kostete. Dann die sportliche Krise, die den niederländischen Rekordmeister zwischenzeitlich bis auf den letzten Tabellenplatz abrutschen ließ. Der ehemalige Profi des VfB Stuttgart hat sich seinen Wechsel in die Eredivsie sicher anders vorgestellt. Auch der neue Coach John van’t Schip setzt auf Viererkette, nicht gerade die bevorzugte Abwehrformation des offensiv veranlagten Linksverteidigers. Beim 2:2 am vergangenen Wochenende gegen Almere wurde der Kroate zur Halbzeit ausgewechselt. Nach sieben Punkten aus den vergangenen drei Spielen ist bei seinem Club zumindest ein Aufwärtstrend erkennbar.

 

Schwierige Zeiten für Borna Sosa in Amsterdam

Auch für den Zweiten im Bunde des früheren VfB-Triumvirats, Konstantinos Mavropanos, läuft bei seinem neuen Verein noch nicht alles nach Wunsch. Der lang gehegte Traum von der Premier League hat sich für den griechischen Nationalspieler bei West Ham United bisher in einem Einsatz über 90 Minuten sowie einem Kurzeinsatz erschöpft. Einzig in der Europa League setzt Trainer David Moyes in der Abwehr beständig auf den 25-Jährigen. Gemeinsam mit Thilo Kehrer bildet er die Innenverteidigung.

Besser ergeht es Wataru Endo. Am Wochenende absolvierte der frühere VfB-Kapitän für die Reds aus Liverpool sein erstes Spiel über 90 Minuten. „Wataru muss sich erst an die Abläufe hier gewöhnen“, hatte Trainer Jürgen Klopp vor einigen Wochen gesagt und prognostiziert: „Er wird jeden Tag besser und in Zukunft in der Startelf stehen.“ Aktuell belegt Endo mit Liverpool den zweiten Platz.

Konstantinos Mavropanos: kein Stammplatz in der Premier League

Unterm Strich fällt die Bilanz der drei prominentesten VfB-Abgänge aus dem Sommer also gemischt aus. Womit sich – zumindest im Fall von Sosa und Mavropanos – die Frage anschließt, ob die beiden vielleicht gar nicht so herausragend sind wie angenommen. Acht Millionen Euro hat der VfB Stuttgart für Sosa eingenommen, für Mavropanos waren es 20 Millionen. Ebenfalls 20 Millionen blätterte der FC Liverpool für die Stuttgarter Legendo hin. In Summe ein Batzen Geld, der aber, so die Sorge zu Saisonbeginn, den Substanzverlust zwar monetär würde aufwiegen können. Aber nicht sportlich.

Nun, nach elf Spieltagen, sieht man sich auf dem Cannstatter Wasen eines Besseren belehrt. Der Fast-Absteiger der vergangenen beiden Jahre steht so gut da wie lange nicht. Ohne die vermeintlich Unverzichtbaren.

Wie lässt sich das erklären? „Wir haben richtig gute Fußballer hinzubekommen“, sagt Trainer Sebastian Hoeneß. Und ergänzt: „Auch richtig gute Charaktere.“ Ein entscheidender Faktor sei der Spirit in der Mannschaft. „Unsere Neuzugänge haben sich super eingefügt.“ Und den Verlust von Sosa, Endo und Mavropanos schnell vergessen gemacht.

Sebastian Hoeneß: „Unsere Neuzugänge haben sich super eingefügt“

Zu nennen wäre vor allem Angelo Stiller. Gemeinsam mit Atakan Karazor bildet der 22-Jährige im defensiven Mittelfeld das Herzstück der Mannschaft. In der aktuellen Form zählen die beiden zu den besten Sechser-Duos der Liga. Karazor und Stiller ergänzen sich ideal. Der eine als Passmaschine, der andere als unermüdlicher Balleroberer. Aus vormaliger Sicht eigentlich unglaublich, dass sie die durch den früheren VfB-Kapitän entstandene Lücke so schließen konnten. „Ich habe schon in Hoffenheim gewusst, dass er ein sehr guter Bundesliga-Spieler werden kann“, sagt Hoeneß über Stiller. „Dass es von Anfang an so gut funktioniert, hatte ich insgeheim gehofft. Zu erwarten war es nicht.“

Anders als Endo wurden Mavropanos und Sosa nicht eins zu eins ersetzt. In der Innenverteidigung liefert sich der wiedererstarkte Dan-Axel Zagadou einen Konkurrenzkampf mit Neuzugang Anthony Rouault. Gerade Zagadou hat man die aktuelle Beständigkeit nicht zwingend zugetraut. An seiner Seite ist auch Waldemar Anton aus dem Schatten seines einst populäreren Nebenmannes Mavropanos herausgetreten. Mit 27 Jahren hat er noch einmal einen Schritt nach vorn gemacht.

Mittelstädt könnte Sosa als Publikumsliebling ablösen

Auf der linken Seite zählten in den vergangenen Jahren die Flankenläufe von Borna Sosa zu den Hauptattraktionen im Spiel des VfB. In einer Zeit vor Hoeneß, als der VfB meist mit Dreierkette spielte und Sosa in Sasa Kalajdzic den perfekten Abnehmer hatte. Unter Hoeneß spielt der VfB anders. Flacher, meist mit Viererkette. Links kommen nun Hiroki Ito und Maximilian Mittelstädt zum Zug, mit ganz unterschiedlichen Spielweisen. Der Berliner hat das Zeug dazu, den Kroaten irgendwann auch als Publikumsliebling abzulösen. Sein unermüdlicher Kampfgeist kommt gut an, auch wenn er längst noch nicht zur Stammkraft zählt.

„Die Jungs, die wir dazu geholt haben, waren allesamt keine unangefochtenen Stammspieler“, sagt Hoeneß und zählt noch Woo-yeong Jeong, Deniz Undav und Jamie Leweling auf. „Umso schöner, dass sie jetzt mithelfen, dass wir so erfolgreich sind.“

Und Wataru Endo, Konstantinos Mavropanos und Borna Sosa? Die Stuttgarter Leistungsträger a. D. werden wohl immer einen Platz im Herzen der VfB-Fans haben. Sportlich vermisst werden sie derzeit nicht.

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