„Bei meinem Wechsel war es am Ende ganz einfach: Als sich Sven Mislintat bei mir gemeldet hat, habe ich ihm gesagt, dass er Arthur Beck anrufen soll. Er hatte das Mandat für einen Wechsel. Das war der ganze Kontakt mit Sven“, sagt Borna Sosa gegenüber der „Bild“-Zeitung. Der Wechsel des Kroaten Ende August vom VfB zum niederländischen Topclub Ajax Amsterdam ist Grund für den Wirbel, der in dieser Woche entstanden ist.
Im Kern geht es um einen möglichen Interessenskonflikt von Sven Mislintat bei diesem Transfer. Der Vorwurf, der im Raum steht: Mislintat, von Mai 2019 bis November 2022 Sportdirektor beim VfB und mittlerweile technischer Direktor bei Ajax Amsterdam, soll den Linksverteidiger vor dem Transfer zu einem Beraterwechsel animiert haben – zu Arthur Beck und dessen Agentur AKA Global GmbH. In den Monaten zuvor war Sosa bei der Agentur CAA Stellar unter Vertrag gestanden, sagt nun aber zum Zeitraum vor seinem Wechsel: „Ich hatte zu dem Zeitpunkt keinen Berater.“
Untersuchungen in Stuttgart und Amsterdam
Das Pikante an der Sache ist nicht allein ein eventueller kurzfristiger Beraterwechsel, den es in der Branche immer wieder gibt. Sondern: Becks Agentur ist seit einiger Zeit mit 3,16 Prozent an der Matchmetrics GmbH beteiligt. Dieses Unternehmen für Datenanalyse mit Sitz in Bielefeld hatte Mislintat einst selbst mitgegründet und hält 35 Prozent der Anteile.
Ajax Amsterdam hat eine Untersuchung der Causa mit externer Hilfe angekündigt und erklärt, von der Beteiligung von AKA Global an Matchmetrics nichts gewusst zu haben. Mislintat werde dabei vollständig kooperieren, teilte der Club mit. Das bedeute auch, dass er Einblick in alle relevanten Dokumente gewähre.
Auch der VfB Stuttgart, bei dem Sosa seit 2018 unter Vertrag stand, ist durch die Enthüllungen in den Niederlanden aufgeschreckt worden – zumal Volker Struth, in Deutschland einer der mächtigsten Spielerberater, in seinem Buch einen angeblich ähnlich gelagerten Fall benennt. Dabei soll es um einen möglichen Wechsel von Amos Pieper von Arminia Bielefeld zum VfB gegangen sein. Angeblich wollte Mislintat diesen Transfer am eigentlichen Berater vorbei vollziehen.
Beim VfB hieß es am Mittwochabend, man werde „aus gegebenem Anlass die betroffenen Transferaktivitäten durchleuchten“. Dabei wird es wie in Amsterdam auch um die Frage gehen, inwieweit Sven Mislintat die Verantwortlichen über seine geschäftlichen Verbindungen zu AKA Global informiert hatte. Bei Ajax, so heißt es in den Vorwürfen, sei das nicht passiert.
Arthur Beck äußert sich
In seiner Zeit beim VfB Stuttgart hatte der damalige Sportdirektor den einen oder anderen Transfer oder manche Vertragsverlängerung von Spielern, die Beck berät, abgewickelt. Unter anderem mit Orel Mangala oder Waldemar Anton. Auch Arthur Beck, der Bruder von Ex-VfB-Profi Andreas Beck, hat sich nun zu den Verdachtsmomenten gegen Mislintat geäußert.
„Dass der Transfer (Anmerk. d. Red.: von Borna Sosa) nur mit mir als Berater zustande kommen konnte, ist der größte Unsinn, den ich je gehört habe“, sagte er gegenüber dem Magazin „Voetbal International“. Beck ergänzte: „Ich kenne Borna seit Langem und war einer von mehreren Agenten, die für ihn tätig waren. Ich durfte im Namen des Spielers mit mehreren Vereinen sprechen, darunter auch Ajax. Ein paar Wochen zuvor habe ich ihn Ajax angeboten. Ich habe darauf hingewiesen, dass es mehrere Möglichkeiten gibt und dass, wenn Sven ihn haben will, die Dinge schnell erledigt werden müssen.“ Zudem habe er auch kein Mandat von Ajax selbst gehabt. Auch über den Verdacht einer solchen Doppelrolle des Beraters wurde in den Niederlanden berichtet.
Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung. Sven Mislintat will sich bis zum Abschluss der Untersuchung nicht öffentlich zum Fall äußern. Klar ist aber auch: Die Sache verbessert Mislintats aktuelle Lage bei Ajax nicht wirklich. Der Technische Direktor war schon zuvor in die Kritik geraten, da dem Traditionsclub der Saisonstart in der Eredivisie misslungen war. Nach vier Spielen steht Ajax mit fünf Punkten nur auf Platz zwölf, was ein mehr als lautes Grummeln über die Transferpolitik ausgelöst hatte. In der Europa League spielten die Niederländer am Donnerstag 3:3 gegen Olympique Marseille.
Borna Sosa stand übrigens in der Startelf und spielte 90 Minuten durch.