Ex-Staatssekretär als Verbandsmanager Die zweite Karriere als Lobbyist

Dietrich Birk (CDU) wechselt zum Verband der Maschinen- und Anlagenbauer. Foto: dpa
Dietrich Birk (CDU) wechselt zum Verband der Maschinen- und Anlagenbauer. Foto: dpa

In der CDU galt er einst als Mann mit Zukunft. Nun wechselt Ex-Staatssekretär Dietrich Birk die Seiten: Der Christdemokrat wird Geschäftsführer beim Verband Maschinen- und Anlagenbau.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)
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Stuttgart - Beim letzten Mal war Dietrich Birk (46) noch Gast beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau, kurz VDMA. Als Oppositionspolitiker traf er im Februar die Oberen des Landesverbandes – angeführt vom Präsidenten Christoph Hahn-Woernle –, um sich über Bildungs- und Wissenschaftspolitik auszutauschen. „Kämpfen Sie für die Realschule“, empfahl der Göppinger CDU-Abgeordnete nach Verbandsangaben den Branchenvertretern. Die von grün-rot geplante Gemeinschaftsschule nivelliere das Niveau dieser Schulart und gefährde damit die Basis des deutschen Ausbildungssystems.

Vielleicht hat Birk damals einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen, vielleicht bei anderer Gelegenheit. Demnächst jedenfalls kommt er nicht mehr als Besucher zum VDMA, sondern als leitender Angestellter: Zum Jahreswechsel wird der Ex-Staatssekretär, wie kurz gemeldet, neuer Geschäftsführer der Branchenlobby, als Nachfolger des altershalber ausscheidenden Ulrich P. Hermani. Man freue sich, eine so „erfahrene und über die Parteigrenzen hinweg geschätzte Persönlichkeit“ für den Verband gewonnen zu haben, jubelte der Hauptgeschäftsführer auf Bundesebene, Hannes Hesse, bei der Bekanntgabe. Mit Birk werde der Maschinen- und Anlagenbau – in Baden-Württemberg neben den Autokonzernen die wichtigste Industrie – „in der Öffentlichkeit und in der Politik“ weiterhin erfolgreich vertreten sein.

Einst galt Birk in der CDU als Mann mit Zukunft

Birk selbst zeigte sich seinerseits erfreut, „einen der großen Industrieverbände im Land“ künftig dort, aber auch „auf internationaler Ebene“ vertreten zu können. Der neue Job passe zu seinem bisherigen Werdegang und dem „langjährigen Wirken an der Schnittstelle zwischen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft“, befand der promovierte Diplomkaufmann, der einst als EnBW-Bevollmächtigter und kurz als CDU-Landesgeschäftsführer tätig war. Mit dem Landtagsmandat aber sei er zeitlich und inhaltlich nicht vereinbar: Zum Jahresende werde er daher nach 18 Jahren aus dem Parlament ausscheiden – nicht ganz leichten Herzens.

Birk ist zwar nicht der erste CDU-Mann, der seine Karriere bei einem Verband fortsetzt, aber wohl der höchstrangige. Unter den Ministerpräsidenten Oettinger und Mappus war er fünf Jahre lang Staatssekretär mit dem Schwerpunkt Kunst im Wissenschaftsministerium – und erwarb sich in der ihm zunächst fremden Kunstszene nach und nach reichlich Respekt. Im nächsten Kabinett hätte er auf ein Ministeramt hoffen können, überhaupt galt er als Mann mit Zukunft und manchen Optionen, doch dann verlor die CDU die Macht.

Auch die Ingenieurkammer führt ein CDU-Mann

Gleichzeitig verließ den Göppinger das Glück: Bei der Wahl des Landtagspräsidenten 2011 hatte er keine Chance gegen Ex-Finanzminister Willi Stächele, obwohl er sich ausdrücklich als Gegenmodell zu einem verdienten Altpolitiker anbot. Auch als Vorsitzender des mächtigen CDU-Bezirks Nordwürttemberg wurde er verschmäht: deutlicher als erwartet zog der einstige Junge-Union-Landeschef Steffen Bilger an ihm vorbei. Die beiden Niederlagen nagten sichtlich an dem ehrgeizigen Intellektuellen, der für eine ganz große Karriere vielleicht zu wenig Menschenfänger war. Neben der Politik begann er sich ein zweites Standbein in der Wirtschaft, als Unternehmensberater, aufzubauen.

Lange schien er zwischen beiden Sphären zu schwanken, nun aber hat er sich entschieden – gegen die Politik. Mit Mitte vierzig fehlte ihm vielleicht auch die Geduld, um zu warten, bis die CDU wieder an die Regierung kommt. Vom Vertreter des Allgemeinwohls zum Anwalt von Brancheninteressen – ungewöhnlich ist dieser Weg indes nicht. Bei der Ingenieurkammer Baden-Württemberg etwa fungiert seit 2011 ein Parteifreund Birks als Geschäftsführer: Daniel Sander (39) aus Freiburg. Fünf Jahre lang leitete der Politologe zuvor das Büro eines örtlichen CDU-Landtagsabgeordneten, bei der Bundestagswahl 2009 kandidierte er an der Dreisam mit achtbarem Ergebnis, verfehlte aber das Mandat.

Trotz Parteibuchs überparteiliche Akzeptanz

Kurz nach dem Machtwechsel im Land engagierten ihn dafür die Ingenieure, und zwar einstimmig. Ihr Präsident Rainer Wulle zeigte sich hoch erfreut, „eine so kompetente Persönlichkeit“ gewonnen zu haben. Er werde sich „mit Leidenschaft für die hohe Ingenieurkultur und die gute Abstimmung mit den politischen Verantwortungsträgern einsetzen“, gelobte Sander. Sein politisches Engagement hat er auf ein Stadtratsmandat in Freiburg und das Amt des Bezirkspressesprechers der CDU Südbaden reduziert, doch von der politischen Erfahrung profitiert er auch als Lobbyist: die parlamentarischen Abende etwa, die er bei der Kammer einführte, kamen allseits gut an. Schon Sanders Vorvorgänger war übrigens ein CDU-Mann: der einstige Landtagsabgeordnete Manfred Pfaus.

Auch beim Verband kommunaler Unternehmen (VKU) führt ein Christdemokrat die Geschäfte: Bereits 2008 holte die Stadtwerke-Lobby den langjährigen Pressesprecher der Südwest-CDU, Tobias Bringmann. Trotz seines Parteibuchs genießt Bringmann ebenso wie Sander längst überparteiliche Akzeptanz – und bald wohl auch Birk. Trotz des absehbaren Seitenwechsels erlahmt der Ex-Staatssekretär, der auch künftig in der CDU aktiv bleiben will, nicht in seinem Engagement. Als Fachmann der Landtagsfraktion rügte er jüngst das „unwürdige Hin und Her“ der Regierung bei den Musikhochschulen. Und als Wahlkreisabgeordneter zeigte er sich „enttäuscht“, dass Grün-Rot dem örtlichen Tierschutzverein die Förderung für ein neues Hundehaus verweigerte.

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