Wird der Vegetarier Harald Glööckler im RTL-Dschungelcamp Känguru-Hoden essen? Bevor der frühere Stuttgarter in Südafrika für die Show das Handy abgeben muss, sprach er mit uns über seine Rolle als Kämpfer für den Tierschutz und für die Diversität.

Lokales: Uwe Bogen (ubo)

Stuttgart - Er ist das personifizierte Neuschwanstein: Harald Glööckler, der seine Modekarriere 1987 mit einem Jeansladen beim Tagblattturm in Stuttgart gestartet und sich über alle Widerstände hinweg immer weiter zur Kunstfigur entwickelt hat, ist für den RTL schon jetzt ein Hit: Kein anderer Kandidat oder keine andere Kandidatin des Dschungelcamps sorgt kurz vor Start der 15. Staffel für eine so riesige Medienresonanz wie der Designer mit dem rabenschwarzen Bart, dem permanenten Make-up und dem Geständnis, er habe sich nicht nur die Stirn botoxen lassen, sondern auch die Schweißdrüsen unter den Achseln, um nicht zu schwitzen.

„Harald gewinnt die Krone für die Community“

Die einen sagen, der Meister der Selbstvermarktung mache bei „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ mit, um vor einem Millionenpublikum für die bunte Vielfalt zu werben, für die Akzeptanz des Andersseins. Andere meinen, es gehe um ein Millionengeschäft: Vom Dschungel aus könne der Designer seine Modekollektionen und vielfältigen Lizenz-Beteiligungen noch viel weiter nach oben bringen. „Harald gewinnt die Krone für die Rainbow-Community, die stolz auf ihn ist“, sagt die Stuttgarter „Schwulen-Mutter“ Laura Halding-Hoppenheit. Und der Designer Tobias Siewert, der einst bei Pompöös gearbeitet hat, urteilt: „Harald ist eloquent, schlagfertig und wird sich für nichts zu schade sein, wir werden noch überrascht sein.“

Wir haben Harald Glööckler noch mit Handy in Quarantäne in Südafrika erreicht, in die er sich vor der Sendung begeben muss, um eine Corona-Ansteckung auszuschließen – das Handy wird ihm bald weggenommen. Begleitet wird er nicht von seinem Ehemann Dieter Schroth, der gesundheitsbedingt daheim bleibt, sondern von seinem Personal Trainer David Münch. Als Luxusgegenstand nimmt der 56-Jährige ein Mundspray mit.

Herr Glööckler, Sie gelten in den bunten Blättern bereits als Favorit auf die Krone des Dschungelcamps. Auch viele ihrer alten Freunde in Stuttgart rechnen mit Ihrem Sieg. Ist das zusätzlicher Stress, wenn so viel von Ihnen erwartet wird?

Nein, das würde ich so nicht sagen. Ich freue mich, dass so eine große Aufmerksamkeit und Interesse an meiner Teilnahme an diesem Format stattfinden. Aber ich ruhe ja sehr in mir selbst und lasse mich davon nicht irritieren.

„Ich will aus der Komfortzone heraustreten“

Im Dschungelcamp wird’s schwer mit Glamour. Bald sitzen Sie mit Kakerlaken und Ungeziefer am Lagerfeuer. Wieso macht dies jemand freiwillig, der rote Teppiche gewohnt ist?

Mich reizt die Herausforderung, diese großartige Chance, einen kompletten Reset zu machen. Einmal aus der kollektiven Energie des Alltags, wie wir ihn kennen, komplett herauszutreten. Mitten in die Natur ohne Zeit-, ohne Raumgefühl, ohne Handy, alles auf ein Minimum beschränkt. Und sich dabei einer Herausforderung stellen zu müssen, die weit über die Vorstellungen hinausgehen, die man sich bislang gemacht hatte. Also um es kurz zu sagen, aus seiner Komfortzone herauszutreten.

Worauf freuen Sie sich am meisten im Camp?

Auf die Erfahrung, 15 Tage mitten im Dschungel mit Kolleginnen und Kollegen ohne Dach über dem Kopf zu verbringen. Und ich möchte die Menschen daheim unterhalten. Das wird ein gigantisches Dschungelcamp, das pompöseste Dschungelcamp überhaupt!

Wovor haben Sie Angst?

Eigentlich vor nichts. Ich habe mich so ziemlich von Ängsten befreit, zumal die Ängste sowieso ein Hirngespinst unserer Fantasie darstellen.

„Höflichkeit und Herzlichkeit sind ein rares Gut geworden“

Sie waren schon früh ein Kämpfer für Diversität, als man dieses heutige Modewort noch gar nicht kannte. Wollen Sie nun auch im Camp Vorbild sein für alle, die anders sind?

Ich glaube, dass ich es sein werde, ob ich es will oder nicht. Dazu muss ich es gar nicht nach vorne tragen. Ich denke, dass ich vor allem auch mit meiner liebevollen, herzlichen und höflichen Art Menschen erreichen kann. Höflichkeit, Freundlichkeit und Herzlichkeit sind leider seit der Pandemie ein noch rareres Gut in unserer Gesellschaft geworden.

Wie schwer wird es Ihnen fallen, als Vegetarier und Tierschützer Känguru-Hoden zu essen?

In diesem Fall bin ich wirklich in einem Interessenskonflikt. Einerseits sträubt sich vieles in mir, diese Dinge zu essen, andererseits wollte ich mich auch nicht hinter meiner Lebensart als Vegetarier verstecken und eine Sonderrolle einnehmen.

Sie gelten als Stil-Ikone. Mit welchen Mode- und Beauty-Trends rechnen Sie in diesem Jahr?

Ich rechne mit einem sportlich lässigen Trend. Alles wird etwas legerer werden. Auch dies ist der Pandemie und den Einschränkungen zu verdanken. Was nach wie vor nicht geht, sind weiße Socken in Sandalen.

„Stuttgart ist mit zwei Schlössern pompöös genug“

Ihren Modeladen Pompöös beim Tagblattturm haben Sie 1987 mit ihrem Ehemann Dieter Schroth eröffnet. Was muss Stuttgart tun, um pompööser zu werden?

Gar nichts. Ich finde, Stuttgart ist pompöös genug. Allein durch die zwei prächtigen Schlösser mitten im Zentrum hat es einen Glanz und eine Pracht, die manch andere Stadt in Deutschland, abgesehen von München, vermissen lässt.

Im Kings-Club Ihrer Freundin Laura Halding-Hoppenheit, der „Schwulen-Mutter von Stuttgart“, waren Sie Stammgast. Woran erinnern Sie sich an diese Zeit?

An meine Besuche in den Kings Club in meiner Jugendzeit, als ich ganze Nächte dort verbracht habe.

„Im KC lief manch einer nackt durch die Gegend“

Laura sagt, der Harald muss keine Angst vor wilden Tieren im Dschungel haben – der hat schon ganz anderes bei mir gesehen.

Laura nennt Dinge immer bildhaft beim Namen. Im Kings Club trafen sich schon immer die unterschiedlichsten Charaktere und lebten ihre Freiheit aus, die ihnen in der so genannten normalen Gesellschaft nicht gewährt wurde. Da kam auch schon mal vor, dass so manch einer komplett nackt in der Gegend herum lief.

Nackt im übertragenen Sinn müssen Sie sich jetzt auch machen. Das Dschungelcamp ist als Seelen-Striptease bekannt. Von Ihnen weiß die Öffentlichkeit sehr viel. Werden wir noch Neues und womöglich Schockierendes erfahren?

Ich hab weder vor einen Striptease noch einen Seelen-Striptease zu machen. Aber man weiß ja nie – also lassen Sie sich überraschen!

„Ich sehe vor allem das Gute und Schöne“

Wie haben Sie sich Ihren Humor in der Pandemie bewahrt?

Oh, ich glaube entweder man hat Humor oder hat ihn nicht. Und wenn man ihn hat, dann verliert man ihn auch nicht so schnell. Ich hab ihn jedenfalls nicht verloren. Ich sehe in Allem vor allem das Gute und Schöne.

Wie reagieren Sie, wenn Zuschauerinnen und Zuschauer Witze machen über ihr Aussehen?

Das ist mir egal. Ich bin, wie ich bin. Wem es nicht passt, dem kann ich auch nicht helfen. Meine Besuche beim Beauty-Doc sollen bewirken, dass nix verrutscht im Dschungel, alles am Platz bleibt und ich es 15 Tage ohne Creme aushalten kann. Wenn wir dann am Lagerfeuer über das Leben nachdenken und welche Lehren man aus der Pandemie ziehen kann, bin ich gern dabei. Wir müssen das Beste aus unserem Leben machen und dürfen dabei die Tiere nicht vergessen.

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